Auszeit in Namibia

Sabbatical: Wendelsteiner Lehrerin lernt fürs Leben

9.1.2022, 06:00 Uhr
Namibia - ein weites und faszinierendes Land, auch wenn die Tagestemperaturen regelmäßig um die 35 Grad betragen.
 

Namibia - ein weites und faszinierendes Land, auch wenn die Tagestemperaturen regelmäßig um die 35 Grad betragen.   © Tina Schabenstiel, NN

Monika Schöbel hat ihr Sabbatjahr bereits vor zirka sechs Jahren beantragt. Erste Überlegungen dazu gab es jedoch schon viel früher: "Als mein Sohn auf die Welt kam, habe ich mir gedacht: Mensch, alle zehn Jahre mal aus der Schule rauskommen, das würde jedem Lehrer gut tun." Erste Gedanken dazu kamen auf, als Arbeitskollegen verstarben. Sie sprach aber auch mit Lehrern, die durch ein Sabbatjahr positive lebensbereichernde Erfahrungen gemacht haben.

"Mir geht es gut, aber das möchte ich mir noch erhalten", erzählt Schöbel. Als ihr Sohn zehn Jahre alt war, dachte sie über einen geeigneten Zeitpunkt nach: "Wenn nichts dazwischen kommt, müsste er in acht Jahren sein Abi gemacht haben." Und so traf es auch ein. Somit beantragte sie das Sabbatjahr. "Man muss sich ein Sabbatical ansparen. Man verzichtet in der Zeit auf einen Teil seines Lohns, damit man dann in dem freien Jahr sein Gehalt weiterhin bekommt", erklärt die Lehrerin.

Die Arbeit mit den Tieren erfüllte den Tagesablauf von Monika Schöbel.
 

Die Arbeit mit den Tieren erfüllte den Tagesablauf von Monika Schöbel.   © Tina Schabenstiel, NN

In ihrem Fall waren es fünf Sechstel ihres normalen Lohns, der ihr jetzt weiterhin zusteht. Das Jahr muss jedoch genau festgelegt sein, denn schieben sei nicht möglich. Auch die Corona-Pandemie war keine Ausnahme. In diesem speziellen Fall hätte sie das Jahr aufgeben können, aber das war keine Option. "Entweder ich hab Bedenken und buche gar nichts, oder ich gehe ein gewisses Risiko ein", erzählt die 53-Jährige. Schließlich konnte sie ihren Namibia-Aufenthalt vollständig beenden.

Dabei war Namibia reiner Zufall: "Meine Absicht war es, etwas mit Tieren zu machen. Also habe ich gegoogelt, unter anderen bei Praktikawelten, oder auch Volonteer World. Afrika und Südamerika waren dabei meine Favoriten, weil es da im November warm ist."

Attraktive Tierrettung

Eine Farm in Namibia hat sie besonders angesprochen, da es dort besonders um die Arbeit mit und die Pflege von Pferden geht. Monika Schöbel hat diese daraufhin kontaktiert. "Mein Ziel war es nicht, das Land oder die Kultur kennenzulernen, weil ich schon einmal in Namibia war. Ich wollte einfach eine Auszeit und die vier Wochen genießen", erzählt die Lehrerin. Die Farm hat neben Pferden auch viele andere Tiere aus der Tierrettung, um die sich Monika Schöbel in den vier Wochen kümmern durfte. "Der Alltag folgte einem strukturierten Tagesablauf, aber der war eher afrikanisch, also entspannt gehalten", so die Lehrerin.

In Namibia lernte die Lehrerin aus Wendelstein Land und Leute besser kennen.
 

In Namibia lernte die Lehrerin aus Wendelstein Land und Leute besser kennen.   © Tina Schabenstiel, NN

Der Tag begann mit einem Frühstück, danach wurden die Pferde und die anderen Vierbeiner verpflegt. Anschließend folgte das Pferdetraining. Im Laufe der Wochen wurde ihr dann ein Pferd zugeteilt, mit dem sie dann jeden Tag ein wenig trainieren sollte. Am Mittag gab es eine Pause, da es draußen einfach zu heiß war. "Die Tageshöchsttemperatur lag immer bei ungefähr 35 Grad", berichtet sie. "Deswegen gab es am Nachmittag auch stets Theorieunterricht im Inneren. Ansonsten erfolgte um drei Uhr am Nachmittag weiteres Pferdetraining und Pflege. Monika Schöbel durfte auch bei Tierarztbesuchen zusehen und teilweise assistieren.

Untergebracht war sie in einem kleinen Häuschen auf dem Farmgelände. Für Verpflegung, Zimmer und Laundry Service war gesorgt. Deswegen hatte die 53-Jährige auch keine Probleme mit den begrenzten 23 Kilogramm Freigepäck. "Ich hatte meinen halben Koffer voll mit Kindersachen, die ich einem örtlichen Internat geschenkt habe", erzählt Schöbel. Die namibischen Farmer betreiben und fördern neben dieser Schulinstitution auch ein Waisenhaus. Das hatte sie mit anderen Farmbewohnern besucht. Andere Tagesausflüge gingen unter anderem nach Windhoek, der Hauptstadt von Namibia.

Es wird noch ziemlich spannend

Das war die erste Reise von Monika Schöbel und weitere sind schon geplant. Zum Beispiel eine Winterwoche in Skandinavien, eine Reise nach Vietnam oder einfach Touren mit dem E-Bike in der näheren Umgebung. Auch ein weiteres Pferdeprojekt will sie im Sommer angreifen, diesmal aber in den USA oder Kanada. "Es ist aber noch nichts gebucht, weil man das ja noch nicht kann. Es wird noch ziemlich spannend, was geht und was nicht", so Schöbel. Sie bleibt aber optimistisch und lässt das Jahr einfach auf sich zukommen.

Die 53-Jährige empfiehlt jedem ein Sabbatjahr: "Alle, die den Wunsch danach haben und es sich privat und beruflich leisten können, sollten es versuchen". Beamte und einige Angestellten-Berufsgruppen im öffentlichen Dienst haben grundsätzlich die Möglichkeit dazu. Jedoch muss dies im Einzelfall vorab mit der Dienststelle abgeklärt werden. Wer Angst vor Heimweh hat, den kann die 53-Jährige beruhigen. "Durch Social Media ist man immer mit der Familie vernetzt." Für Monika Schöbel hat sich die Reise jetzt schon gelohnt: "Ich bin dankbar, dass ich diese Aufgabe in Namibia wahrnehmen durfte und dass alles, bis auf einen kleinen Reitunfall, gut gelaufen ist. Ich hatte einfach eine gute Zeit, konnte Menschen kennenlernen und in Afrika eintauchen."

Ist das "Sabbatical" abgelaufen, hofft sie, Gelassenheit, Ruhe und Kraft für die kommenden Schuljahre und den Alltag mitnehmen zu können.