Vom Einfamilienhaus in die Jurte

Gleichgesinnte gesucht: Bekommt Schwabach eine Tiny-House-Siedlung?

6.1.2022, 13:13 Uhr
„Das ist flexibel, kostengünstig und umweltfreundlich“: Diese Jurte haben sich Kathrin und Wolfgang Wienss ist ihren Garten gebaut. Nun suchen sie Gleichgesinnte für den Aufbau einer Tiny-House-Siedlung in Schwabach.
 

„Das ist flexibel, kostengünstig und umweltfreundlich“: Diese Jurte haben sich Kathrin und Wolfgang Wienss ist ihren Garten gebaut. Nun suchen sie Gleichgesinnte für den Aufbau einer Tiny-House-Siedlung in Schwabach.   © Robert Schmitt

Noch vor wenigen Jahren hätte sich unter dem Begriff vermutlich kaum jemand etwas vorstellen können. Heute aber sind sie in vieler Munde und beschäftigen die Bauabteilungen zahlreicher Gemeinden: „Tiny Houses“ sind kleine, aber voll nutzbare Holzhäuser, die in der Regel auf einen Anhänger mit Rädern montiert und daher mobil sind.

Mittlerweile gibt es in Bayern sogar einen eigenen Verein, der die Schaffung von Tiny-House-Siedlungen im Freistaat vorantreibt. Laut verschiedener Medien laufen dazu bereits zahlreiche Projekte, unter anderem in Forchheim und Möhrendorf bei Erlangen. Einzelne Minihäuser stehen im Landkreis bereits in Schwanstetten und Rednitzhembach.

Vorbild: Gemeinde Mehlmeisel

Franken war hier Vorreiter. Die Idee für die erste Tiny-House-Siedlung entstand 2018 auf einem 17.000-Quadratmeter-Grundstück in der kleinen Fichtelgebirgs-Gemeinde Mehlmeisel. Der offizielle Bebauungsplan zum dauerhaften Leben im Tiny House folgte 2020 sowie 2021 die Gründung einer GmbH.

Nun soll eine Minihaus-Dorf in Schwabach hinzukommen. Kathrin und Wolfgang Wienss suchen dafür Gleichgesinnte, ein Grundstück und Sponsoren. „Wir wollen minimalistisch und in der Gemeinschaft leben“, sagen sie. Dafür wollen sie sogar ihr Eigenheim in der Freiherr-vom-Stein-Straße aufgeben.

Auf dem dortigen Grundstück probt Kathrin Wienss schon seit September das Leben auf kleinem Raum. Im 1000-Quadratmeter-Garten hat das Ehepaar eine Jurte mit sechs Metern Durchmesser und 30 Quadratmeter Wohnfläche aufgebaut.

Kathrin Wienss fühlt sich dort sehr wohl. „Das ist flexibel, kostengünstig und umweltfreundlich“, findet die Waldorf-Lehrerin. Eine Tiny-House-Siedlung sei geprägt von Kultur, der Gemeinschaft und dem Füreinander-Einstehen.

Das Interesse an der alternativen Wohnform in Oberfranken war von Anfang an groß. Ende 2019 haben dort bereits 30 Personen in 20 Tiny Houses gelebt. Wie auch Familie Wienss wollen sie nicht nur einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen, sondern auch nicht zu viel Lebenszeit in Bau und Unterhalt der eigenen vier Wände investieren.

Was ist wirklich wichtig?

In Mehlmeisel haben zwei Architektur-Studenten ein Tiny House im Rahmen eines Workshops gebaut. Dafür benötigten zehn Personen sechs Tage, und mit etwas mehr Routine würde es noch merklich schneller gehen, betonen die Initiatoren, die zu zweit auf 26 selbstgebauten Quadratmetern leben. Die Materialkosten lagen bei etwa 25.000 Euro.

Die Anhänger dieser Philosophie beteuern häufig, man müsse in diesem kleinen Reich auf nichts verzichten, aber zuvor gut überlegen, was einem wirklich wichtig sei: „Der eine will eine größere Küche, der andere will vielleicht lieber eine Badewanne als eine Dusche.“

Leben im Minihaus ist also ein permanenter Selbsttest: „Was brauche ich wirklich, was glaube ich nur zu brauchen.“ Manches wird aber auch spürbar leichter: Aufräumen dauert fünf Minuten, und in einer Stunde ist alles geputzt.

Baurechtliche Hürden

Ganz so einfach ist die Realisierung einer Tiny-House-Siedlung allerdings schon aus baurechtlichen Gründen wohl nicht zu erreichen, auch nicht in Schwabach. In Mehlmeisel haben Bürgermeister und Gemeinderat den Plan von Anfang an unterstützt. Doch nicht überall stoßen die Projekte sofort auf ungeteilte Zustimmung. Schließlich stellt das Baurecht gewisse Anforderungen an Wohngebäude, die Tiny Houses nicht erfüllen.

Doch Kathrin und Wolfgang Wienss setzen auf Argumente. „Wenn die Kommunalpolitik das will, lassen sich Wege finden“, so Kathrin Wienss. Das sei andernorts bereits unter Beweis gestellt worden.

Kontakt und weite Informationen: k.wienss@web.de