Neujahrsansprache

Der Weißenburger OB hat ein paar Millionen im Haushalt gefunden

Jan Stephan
Jan Stephan

Weißenburger Tagblatt

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8.1.2022, 05:50 Uhr
Jürgen Schröppel hat seine Neujahrsanprache in der Seeweiherhalle  aufgezeichnet. Seit Freitagabend ist sie online abrufbar.

Jürgen Schröppel hat seine Neujahrsanprache in der Seeweiherhalle aufgezeichnet. Seit Freitagabend ist sie online abrufbar. © Fripfi Studios, NN

Und Schröppel mühte sich um Authentizität. Er blieb bei dem Video sogar der Örtlichkeit treu, in der der Neujahrsempfang in diesem Jahr erstmals hätte stattfinden sollen. Also stellte er sich für die Videoaufzeichnung in die brandneue, von manchem als Farbwunder bespöttelte neue Vierfachturnhalle am Seeweiher.

Die größte Herausforderung für 2022 habe sich erst in der letzten Stadtratssitzung von 2021 ergeben, stellte Schröppel in seiner Rede fest. Die Entwicklung des Sigwart-Areals mitten im Herzen der Weißenburger Innenstadt bezeichnete er als „Riesenchance“ für die Stadt, die aber auch große Anstrengungen erfordern werde.

Sigwart-Deal in der Dezembersitzung

Der Stadtrat hatte sich in der Dezembersitzung entschieden, von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen und das Areal zu kaufen. Damit wurde der Vertrag zwischen den Sigwart-Besitzern und der Weißenburger Baufirma Kilinc hinfällig.

Der Kaufpreis für das Gesamtpaket aus ehemaligem Brauereigelände, dem Sigwarts Bräustüberl und dem Brandenburger Hof soll bei gut zwei Millionen Euro gelegen haben. Allerdings soll der Brandenburger Hof weiterhin an die Firma Kilinc gehen. Was auf dem großen Areal in der Stadt in den kommenden Jahren entstehen soll, ist im Detail noch unklar.

Sicher scheint, dass die Stadt dort selbst Wohnungen bauen will, um den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Das freue ihn ganz besonders, stellte Schröppel fest. Der OB wollte schon auf dem Gasslabauer-Gelände hinter dem Kronprinzen kommunalen Wohnungsbau umsetzen, war dabei aber an einer Mehrheit im Stadtrat gescheitert.

Viel Arbeit für den Stadtrat

Die Planung und Umsetzung der Neugestaltung dieses Stadtviertels wird den Stadtrat politisch in den kommenden ein, zwei Jahren viel beschäftigen, der Bauverwaltung eine Menge Arbeit bescheren und nicht zuletzt auch die Kassen der Stadt deutlich belasten.

Hier zeichnet sich allerdings eine sehr positive Entwicklung ab, wie Schröppel in seiner Rede betonte. Das Jahr 2021 ist wieder erheblich besser gelaufen als man in der gewohnt vorsichtigen Planung der städtischen Kämmerei angenommen hatte.

Bei den Gewerbesteuereinnahmen liegt man mit nahezu 13 Millionen Euro schon fast wieder auf dem Vorkrisenniveau. Auf die ursprünglich geplante Verschuldung in Höhe von 6,4 Millionen Euro könne komplett verzichtet werden, so der OB. Stattdessen habe man die Verschuldung durch Tilgungen sogar reduzieren können.

Geld für Investitionen

Der Finanzspielraum für Investitionen, den man für 2022 auf etwa 3,2 Millionen Euro veranschlagt hatte, dürfte sich voraussichtlich eher auf rund zehn Millionen Euro belaufen. Eine mehr als beachtliche Entwicklung mitten in einer seit zwei Jahren andauernden Pandemie.

Zu der äußerte sich Schröppel auch und zeigte klare Kante. „Ich sehe die Impfung als den einzig Erfolg versprechenden Weg aus der Pandemie“, ließ er wissen. Wer das anders sehe, habe in einer Demokratie das Recht, zu demonstrieren.

Aber auch da müsse man sich an Spielregeln halten. „Wenn Anmeldepflichten für Demonstrationen bewusst umgangen werden, Privathäuser von Politikern das Ziel von Aufläufen werden, die an die Nazizeit erinnern, oder es gar zu Gewalttaten kommt, ist eine rote Linie überschritten“, stellte der OB allerdings fest.

Eine lebenswerte Stadt

Es werde eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe der nächsten Monate sein, die Spaltung in der Gesellschaft zu vermindern und mit den Auswüchsen der Vergangenheit umzugehen. Schröppel erinnerte in seiner Rede daran, dass die Corona-Kritiker in der Minderheit seien.

Er dankte den Bürgerinnen und Bürgern seiner Stadt, dass sie „nahezu ausnahmslos mit großem Verständnis“ die Beschränkungen mitgetragen hätten. Der OB appellierte an die Bevölkerung in Weißenburg, an all diejenigen zu denken, die seit zwei Jahren in einem Kraftakt das Leben in der Stadt aufrechterhalten, sei es in Einzelhandel, Gastronomie, im Kulturbereich oder im Vereinsleben.

„Nehmen Sie die bestehenden Angebote wahr und unterstützen Sie die genannten Akteure. Wir alle wollen doch, dass Weißenburg auch nach der Pandemie eine lebendige, attraktive und lebenswerte Stadt ist.“

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