Gerücht

Lauter Corona-Positive im Weißenburger Kaufland?

Miriam Zöllich
Miriam Zöllich

Weißenburger Tagblatt

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5.1.2022, 12:05 Uhr
Ein hartnäckiges Gerücht: Seit Monaten kursiert in ganz Deutschland die Geschichte von zig Corona-Infizierten im Supermarkt. Nun ist es auch in Weißenburg angekommen.

Ein hartnäckiges Gerücht: Seit Monaten kursiert in ganz Deutschland die Geschichte von zig Corona-Infizierten im Supermarkt. Nun ist es auch in Weißenburg angekommen. © Miriam Zöllich

Haben Sie schon gehört? Vor Weihnachten war eine Frau in der Weißenburger Kaufland-Filiale einkaufen. Sie traf da eine Bekannte, von der sie wusste, dass sie Corona-positiv ist und eigentlich in Quarantäne sein sollte.

Die Dame meldete den Verstoß an der Info des Supermarkts und die Marktleitung machte daraufhin eine Durchsage: Die namentlich bekannte infizierte Person soll sich sofort an der Info einfinden, sonst würde man die Polizei rufen. Und dann kam nicht nur eine, sondern zehn Personen – alle Corona-positiv.

Diese Geschichte kursiert gerade in Weißenburg, und sie klingt unglaublich. Eine Bekannte hat es von der Cousine der Nachbarin gehört, die an dem besagten Tag beim Einkaufen gewesen ist. Lauter Infizierte im Supermarkt – kein Wunder, dass die Infektionszahlen so hoch sind.

Prinzip Flüsterpost

Das Problem: Diese Geschichte geht nicht nur in Weißenburg herum. Seit Monaten zieht das Gerücht seine Kreise durch halb Deutschland, in immer wieder abgewandelter Form. Mal ist es die Mitarbeiterin eines Testzentrums, die einen Kunden im Supermarkt wiedererkennen will. Mal ist es ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, der jemanden erkennt, dem er eigentlich Quarantäne angeordnet hat. Mal ist es ein Arzt, der seine an Covid erkrankte Patientin trifft.

Es ist das Prinzip Flüsterpost. Mal erscheinen sieben reumütige Infizierte an der Info, mal zehn, mal 25. Ort des angeblichen Geschehens ist sehr häufig eine Kaufland-Filiale. Entweder im mittelfränkischen Weißenburg, im baden-württembergischen Schramberg oder im sauerländischen Menden. Auch vom Ingolstadt Village oder vom Donau-Einkaufszentrum Regensburg kennt man die Story.

Und vieles deutet darauf hin, dass sie erfunden ist. Zumindest haben in allen Fällen die zuständigen Marktleitungen und Gesundheitsämter die Geschichte dementiert.

Kein solcher Fall bekannt

Und auch für das Weißenburger Gerücht erklärt die Kaufland-Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir erhielten bereits mehrere Anfragen, in denen das gleiche Szenario, allerdings für jeweils verschiedene Filialen, beschrieben wurde. Wir haben dazu jeweils mit unseren Kollegen vor Ort gesprochen, uns liegen keine Informationen vor, dass sich ein derartiger Vorfall in einer unserer Filialen ereignet hat.“

Das Unternehmen vermutet, dass es sich um eine Falschinformation handelt, die im Netz kursiert – vermutlich auf Basis eines Videos des Comedians Sebastian Pufpaff, der in seiner Satire-Show „Noch nicht Schicht“ vom 26. April eine ähnliche Situation schildert.

Allerdings: In vielen Gerüchten steckt ein Funken Wahrheit. Und so bestätigt etwa eine Sprechstundenhilfe gegenüber unserer Zeitung, dass sie bereits tatsächlich Patienten im Supermarkt angetroffen hat, bei denen erst wenige Tage zuvor eine Covid-Infektion festgestellt wurde.

Fälle, in denen Corona-Infzierte ihre Quarantäne-Auflagen missachteten, kommen also leider vor. Bei der konkreten Story in der Kaufland-Filiale handelt es sich aber ganz offenbar um ein hartnäckiges Gerücht und um einen urbanen Mythos.