Studie

So wirkt sich der Klimawandel auf Altmühlfranken aus

17.8.2021, 16:43 Uhr
Unwetterszenarien gibt es auch im Landkreis schon seit Jahren immer wieder (hier ein Foto, das vor wenigen Wochen in Ettenstatt entstand). Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass solche auch bei uns zunehmen werden.

© privat Unwetterszenarien gibt es auch im Landkreis schon seit Jahren immer wieder (hier ein Foto, das vor wenigen Wochen in Ettenstatt entstand). Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass solche auch bei uns zunehmen werden.

Denkt man über die negativen Auswirkungen des Klimawandels nach, kommen einem zwei ziemlich unterschiedliche Dingen in den Kopf. Zum einen Überschwemmungen in Folge steigender Meeresspiegel. Zum anderen Dürren wegen der zunehmenden Hitze und ausbleibender Niederschläge.

Für Weißenburg-Gunzenhausen ist beides keine existenzielle Bedrohung. Zumindest nicht, wenn es nach den Szenarien und Modellen des Klimaausblicks des Climate Service Center Germany geht und man sich mit einem Aussagezeitraum bis Ende des Jahrhunderts zufriedengibt.

Untergehen wird der Landkreis schon wegen der Abwesenheit naher Meere infolge des Klimawandels nicht. Das ist wenig überraschend, aber doch beruhigend. Immerhin können rund 40 Prozent der Weltbevölkerung, die in Küstennähe leben, dieses Thema mit weniger Gelassenheit betrachten.

Mehr Regen, weniger Wind

Verblüffender ist die Erkenntnis der Forscher, dass der Klimawandel eher für mehr als für weniger Niederschlag in der Region sorgen wird. Und zwar auch dann, wenn mitberücksichtigt wird, dass durch höhere Temperaturen auch mehr Wasser verdunstet.

Die sogenannte klimatische Wasserbilanz hat eine Tendenz zur Zunahme. Überraschend ist zudem, dass die Windgeschwindigkeit im Mittel in allen gerechneten Klimamodellen eher abnimmt oder zumindest gleich bleibt. Dass Altmühlfranken infolge des Klimawandels in Zukunft von immer schwereren Umweltkatastrophen getroffen werden könnte, lässt sich aus den Klimamodellen zumindest nicht auf den ersten Blick herauslesen.

Bei der Interpretation ist allerdings Vorsicht geboten. Die zusätzlichen Niederschläge zum Beispiel fallen vermehrt im Winter und sie haben über das ganze Jahr hinweg zumindest die Tendenz, sich auf weniger Tage zu konzentrieren. Starkregenereignisse etwa könnten also durchaus zunehmen und auch die maximale Dauer von Hitzeperioden wächst in Zukunft, so die Ergebnisse der Wissenschaftler.

Es wird heißer

Darüber hinaus ergeben die lokalen Klimamodellierungen auch eine Reihe erwartbarer Entwicklungen. Klares Ergebnis: In Weißenburg-Gunzenhausen wird es im Sommer heißer und im Winter weniger kalt. Die Durchschnittstemperatur, die Zahl der Tage mit über 25 Grad, die Zahl der Tage mit über 30 Grad, die Zahl der sogenannten tropischen Nächte und die Zahl der schwülen Tage nehmen durch die Bank zu.

Parallel werden die Frosttage, die Spätfrosttage und die sogenannten Eistage weniger, an denen die Temperatur nicht über null Grad steigt.

In welchem Umfang diese Änderungen eintreten, hängt von den Entwicklungen in den kommenden Jahrzehnten ab. Die Studie legt drei verschiedene Szenarien zugrunde. Die wesentliche Variable ist dabei der viel diskutierte menschenverursachte Ausstoß von Treibhausgas-Emissionen.


Eine Bürgerinitiative für den Klimaschutz entsteht


Die Forscher berechneten ein Szenario, in dem die Emissionen weiter kontinuierlich steigen und sich erst gegen Ende des Jahrhunderts auf einem hohen Niveau einpendeln. Das mittlere Szenario geht davon aus, dass die Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts noch etwas ansteigen und dann zu sinken beginnen.

Das günstigste Szenario rechnet mit „sehr ambitionierten Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen“ und zum Ende des Jahrhunderts sogar mit negativen Klimagasausstößen, also einer Netto-Entnahme von CO2.

Verlust von 21 bis 35 "Frosttagen"

In dem mittleren Szenario geht man davon aus, dass in Weißenburg-Gunzenhausen zwischen 2036 und 2065 die durchschnittliche Tagestemperatur um 1,7 Grad steigt. Das klingt nach wenig, würde aber etwa dafür sorgen, dass die Zahl der sogenannten Frosttage, an denen die Temperatur einmal unter dem Gefrierpunkt liegt, um fast 30 zurückgeht.

Dagegen nehmen die Sommertage mit Temperaturen von über 25 Grad um gut 13 zu. Bei dieser Prognose würden zwar rund 4,3 Prozent mehr Regen fallen, aber während es im Winter ein Plus von fast 13 Prozent gäbe, rechnen die Wissenschaftler für den Sommer mit einem Rückgang von 3,7 Prozent.

Der Unterschied zwischen den Szenarien wirkt bei der Temperatur vergleichsweise gering. Selbst im Hochverschmutzer-Szenario ergäbe sich „nur“ ein Anstieg von 1,9 Grad, im Niedrig-Emissions-Szenario läge man bei 1,3 Grad Anstieg. Allerdings sieht man bei den weiteren Kennzahlen, welchen Unterschied diese Zehntel-Grade bedeuten können. Im Niedrig-Szenario verliert man nur rund 21 Frosttage, während es im Hoch-Szenario fast 35 sind.

Je weiter man die Uhr laufen lässt, um so weiter entwickeln sich die Szenarien zudem auseinander. Gegen Ende des Jahrhunderts sieht man einen Temperaturanstieg von 3,6 Grad beziehungsweise 2,2 und 1,2. Klar ist allerdings, dass bei aller Aufwendigkeit der Modelle die Prognosen auch innerhalb der Szenarien große Schwankungen ergeben. Am Ende können sie nur eine Tendenz abbilden.

Was passiert mit den Wäldern?

Deren Aussage aber ist klar. Es wird heißer in Altmühlfranken, und das in relevanten Umfang, der das Leben hier verändern kann. Dabei stellt man auch fest, dass die Region sicher nicht zu den schlimmsten Verlierern des Klimawandels gehören wird. Das gemäßigte Klima und die günstige geografische Lage sorgen hier für vergleichsweise gute Ausgangsbedingungen.

Was der Temperaturanstieg mit dem hiesigen Ökosystem – etwa den Wäldern – macht, ist mit diesen statistischen Prognosen aber nicht gesagt. Genauso wenig wie die politischen Folgen, die sich durch die globalen Dynamiken ergeben könnten, die der Klimawandel verursachen könnte.

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