Extremradtour

Von Burgsalach bis nach Nordzypern

Markus Steiner
Markus Steiner

Weißenburger Tagblatt

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5.1.2022, 18:29 Uhr
Stefan Neumüller aus Burgsalach ist von seinem Heimatort gut 4000 Kilometer bis  nach Zypern geradelt.

Stefan Neumüller aus Burgsalach ist von seinem Heimatort gut 4000 Kilometer bis nach Zypern geradelt. © Stefan Müller/privat, NN

Stefan Neumüller weiß, wie quälend Radfahren sein kann. Der Burgsalacher radelte 2019 vom Weißenburger Jura bis zum Nordkap und fuhr durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen. Jetzt will der Rad-Bekloppte von Burgsalach nach Zypern radeln. Da schmerzt alleine schon beim Gedanken daran den einen oder anderen das Hinterteil...

Die Motivation ist für Neumüller die exakt die gleiche wie 2019: Der Burgsalacher will erneut seine Grenzen kennen lernen und hat sich für die Tour gut vorbereitet. Denn ein Kinderspiel wird auch diese Radreise nicht: Im Schnitt muss er jeden Tag rund acht Stunden auf dem Sattel sitzen und rund 150 Kilometer täglich strampeln.

Warum tut man sich das an?

Der erste Tag geht von Burgsalach bis nach Straubing und Stefan wird schon da schnell klar: Ein Kinderspiel wird auch diese Radtour nicht. Die letzte Nacht daheim hat er schlecht geschlafen und sich den Kopf zerbrochen: „Warum tut man sich das an und bleibt nicht einfach im Wohnwagen daheim?“

Stefan Neumüller aus Burgsalach ist von seinem Heimatort gut 4000 Kilometer bis  nach Zypern geradelt.   Die gesamte Route.

Stefan Neumüller aus Burgsalach ist von seinem Heimatort gut 4000 Kilometer bis nach Zypern geradelt. Die gesamte Route. © Stefan Müller/privat, NN

Weil es nicht seine erste Reise ist, weiß er aber auch, dass das irgendwie normal ist, sich solche Gedanken zu machen, wenn man die eigene „ Komfortzone“ verlässt. Und genau das ist ja auch ein großes Stück weit seine Motivation: „Ich wollte eine neue Grenze austesten und mir beweisen, dass ich das auch schaffe, wenn es wärmer ist.“

Zypern wählte er deshalb als Ziel, weil er dort seit kurzem Eigentümer einer 50 Quadratmeter großen Ferienwohnung ist: „Da wollte ich unbedingt mal mit dem Rad hinfahren.“

Keiner wollte mitradeln

Eine Vorsatz, für den ihn einige seiner Freunde für verrückt erklärt haben und deshalb auch keiner mit im mitradeln wollte. Ohnehin fährt Neumüller aber am liebsten allein, weil er er es liebt, wenn er beim Fahrradfahren alles bewusst und intensiv wahrnimmt und sich im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf freistrampeln kann und er nur auf sich gestellt ist.

Stefan Neumüller aus Burgsalach ist von seinem Heimatort gut 4000 Kilometer bis  nach Zypern geradelt.   Einsames Zelten im Bularischen Balkan.

Stefan Neumüller aus Burgsalach ist von seinem Heimatort gut 4000 Kilometer bis nach Zypern geradelt. Einsames Zelten im Bularischen Balkan. © Stefan Müller/privat, NN

Der selbstständige Softwareentwickler für Klimaanlagen musste sich auch jetzt wieder die Zeit für die Tour aus den Rippen schneiden und hatte nicht viel Zeit, um sich intensiver darauf vorzubereiten. So ist er auch dieses Mal nur drei Mal pro Woche 40 bis 50 Kilometer als Training gefahren.

Für die Kondition hat das offenbar gereicht, für sein Hinterteil allerdings nicht: Das schmerzte ab dem 21. Tag ohne Unterbrechung und machte sich vor allem in der bergige Türkei bemerkbar, die Stefan nach Rumänien, Bulgarien und seiner Balkandurchquerung erreichte.

Schmerzen gehören dazu

Schmerzen gehören zum Radfahren dazu, das wusste der Burgsalacher bereits. Sie zu überwinden und trotzdem weiter zu radeln ist reine Kopfsache. „Man muss am besten jeden Tag neu planen und die Reise in Etappen aufteilen“, empfiehlt der Abenteurer, der es schätzt, wenn sich beim stoischen Strampeln die Gedanken ordnen und am Ende der Körper k.o., der Kopf aber wieder total fit ist.

Stefan Neumüller aus Burgsalach ist von seinem Heimatort gut 4000 Kilometer bis  nach Zypern geradelt.  Am Ziel: Stefan wurde von Freunden herzlich in Zypern empfangen.

Stefan Neumüller aus Burgsalach ist von seinem Heimatort gut 4000 Kilometer bis nach Zypern geradelt. Am Ziel: Stefan wurde von Freunden herzlich in Zypern empfangen. © Stefan Müller/privat, NN

Am Ende seiner langen Reise wurde Stefan Neumüller von seiner Freundin Lea und weiteren Freunden in Alsancak in Nordzypern empfangen, die danach mit ihm Urlaub machte und anschließend zurück nach Deutschland flog.

„Das war wie Heimkommen“, erinnert sich Stefan, dem von diesem erneuten Abenteuer viele Erinnerungen im Kopf bleiben werden.

Ein tolles Gefühl

Etwa die sieben platten Reifen, der Mönch, der ihn ins Kloster einlud und dort übernachten ließ, die unzähligen kläffenden Straßenhunde in Rumänien, Bulgarien und Ungarn, die ihn viele Kilometer begleiteten, glücklicherweise aber nie bissen oder letzte Nacht vor der Abfahrt der Fähre nach Zypern, in der Stefan vor lauter Meeresrauschen am einsamem Strand fast nicht schlafen konnte und dann der warme Empfang in Alsancak, bei dem ihm erst so richtig bewusst wurde, dass er es geschafft hat: „Ich hab es wirklich geschafft! Ich bin von Burgsalach bis in meine Wohnung nach Nordzypern mit eigener Muskelkraft und meinem Fahrrad gefahren!“

Ein tolles Gefühl und ein Erlebnis, von dem der Burgsalacher wohl auch während der Weihnachtszeit noch eine zeitlang zehren kann. Der Abenteurer hat auf seiner vierwöchigen Reise viel über andere Länder, Kulturen, Menschen, aber vor allem über sich, seinen Geist und seinen Körper gelernt. Ziemlich sicher ist schon jetzt, dass das nicht seine letzte Radreise sein wird. Für 2022 ist bereits ein drittes Abenteuer geplant...