Ideallösung auf der Doppel-Sechs

Null Bock aufs Verlieren: Ronaldo-Fan Fofana ist der neue Club-Abräumer

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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14.9.2022, 05:55 Uhr
Gegen Bielefeld half Sadik Fofana (rechts) tatkräftig mit, dem Club den Weg zu weisen.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Gegen Bielefeld half Sadik Fofana (rechts) tatkräftig mit, dem Club den Weg zu weisen.

Die Besetzung der strategisch wichtigen Sechser-Position ist schon länger die wohl größte Baustelle beim 1. FC Nürnberg. Auch diese Saison hat Trainer Robert Klauß bereits diverse Varianten ausprobiert, ohne auf Dauer eine Ideallösung für die zentrale Schaltstelle gefunden zu haben.

100 Prozent seiner defensiven Duelle gewonnen

Routinier Johannes Geis etwa vermag dank seiner Pass- und Ballsicherheit das Spiel zwar zu strukturieren, doch mangelt es ihm an Tempo und oft auch der nötigen Konsequenz in der Defensivarbeit. Fabian Nürnberger wiederum neigt zu riskanten Ballverlusten, und Lino Tempelmann ist eher Antreiber als Abräumer und büßt so viel von seiner Dynamik und seinem Tordrang ein.

Beim 1:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld scheint Trainer Robert Klauß nun eine Kombination gefunden haben, die durchaus als zukunftsfähiges Modell taugen könnte. Die Idee, auf einer Doppel-Sechs Tempelmann den jungen Sadik Fofana zur Seite zu stellen, erwies sich zumindest als enorm stabilisierender Faktor. Während sich Tempelmann immer wieder nach vorne einschaltete und sogar noch den späten Siegtreffer köpfte, räumte Fofana erstaunlich souverän und unaufgeregt ab. Laut Statistik gewann der 19-Jährige 100 Prozent seiner defensiven Duelle und trug mit einer respektablen Passquote von 84 Prozent auch noch zu einem geordneten Aufbau bei.

Aus dem Knigge für artige Jungprofis

Kein Wunder, dass auch der Matchwinner von seinem Nebenmann schwärmte. "Er ist sehr jung, wirkt in seiner Spielweise aber sehr erfahren", befand Tempelmann und bedankte sich für die "gute Rückendeckung, das tut meinem Spiel auch gut". Bereits vor drei Wochen in Sandhausen hatte diese Kombi, wenn auch in einem taktisch etwas anderen System, prima funktioniert, auch damals ging der Club dank eines späten Treffers von Kwadwo Duah als Sieger vom Feld.

Zwei Startelf-Nominierungen, sechs Punkte - Fofana hätte gute Argumente, auf einen Stammplatz zu pochen. Was sich mit 19 Jahren aber natürlich nicht gehört. "Daran kann man den Sieg nicht festmachen, es hätte auch ein anderer auf dem Platz stehen können", zitiert die Leihgabe von Bayer Leverkusen aus dem Knigge für artige Jungprofis. Mit seiner Leistung sei er zwar zufrieden, sagt Fofana, "aber das ist nichts, worauf man sich ausruhen sollte. Ich bin gerade erst aus der Jugend herausgekommen und muss noch viel lernen".

Eine Einstellung, die ganz im Sinne seines Trainers sein dürfte. Einen Freibrief für das Spiel in Darmstadt bekommt Fofana nämlich ebenso wenig wie etwa der gleichaltrige Jens Castrop, der sich durch konstant gute Leistungen aktuell ein bisschen festgespielt hat. "Es liegt an den Jungs. Sie dürfen im Training nicht nachlassen und müssen weiter Gas geben", mahnt Klauß.

Dennoch dürfte auch er inzwischen Fofanas Potenzial auf dieser Position erkannt haben, nachdem der gebürtige Aachener ursprünglich eher als talentierter Backup für das Abwehrzentrum eingeplant war. "Wir wollten Sadik erstmal als Innenverteidiger sehen und ihm die Chance geben, da in unsere Abläufe reinzukommen", erklärt Klauß. Schon bei Fofanas Verpflichtung sei aber die Idee gewesen, "dass er beides spielen kann und wir mit ihm auch die Rolle des großgewachsenen, kopfballstarken Sechsers abdecken können".

Fofana selbst ist sein Einsatzgebiet relativ egal, "ich fühle mich auf beiden Positionen wohl". Wenn die Mission dann noch mit einem emotionalen Last-Minute-Sieg endet, umso besser. "Ich bin sehr ehrgeizig und kann nicht verlieren", gesteht Fofana, eine Tugend, die er mit seinem sportlichen Vorbild Cristiano Ronaldo teilt. "Wie er arbeitet und was er erreicht hat, da kann man sich auf jeden Fall etwas abschauen."

Auch eine gewisse Coolness scheint sich der Deutsch-Togolese vom portugiesischen Weltstar bereits abgeschaut zu haben. Dass dem durch seine Balleroberung eingeleiteten vermeintlichen 1:0 von Duah nach Videobeweis wegen einer knappen Abseitsstellung die Anerkennung versagt blieb, war ihm völlig egal: "Wir haben ein Tor geschossen, das hat nicht gezählt, also haben wir einfach noch eins geschossen." Manchmal kann Fußball verblüffend einfach sein.

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