Dreierpack in Aue

Reizfigur als Matchwinner: Dovedans versteckte Botschaft an die Kritiker

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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18.12.2021, 18:27 Uhr
Mit drei Toren des Mann des Tages in Aue: Nikola Dovedan.

Mit drei Toren des Mann des Tages in Aue: Nikola Dovedan. © Bert Harzer/ Eibner- Pressefoto, no credit

Dass das nämlich nicht unbedingt auf alle Fans und Experten zutrifft, ist Dovedan durchaus bewusst. Der Österreicher gilt beim 1. FC Nürnberg seit jeher als Reizfigur, als launische Diva, die ihr Potenzial zu selten abruft und einem an schlechten Tagen in den Wahnsinn treiben kann. Dass Dovedan nach zuletzt eher wenig inspirierten Kurzeinsätzen nun plötzlich wieder in der Startelf auftauchte, dürfte so mancher Kritiker denn auch eher erstaunt zur Kenntnis genommen haben.

Am Ende hatte Trainer Robert Klauß aber alles richtig gemacht. Zwar war es gemäß der reinen Fußballlehre nicht der erste Hattrick seiner Profikarriere, wie Dovedan im Überschwang der Gefühle schwärmte, aber zumindest doch der erste Dreierpack, durch den der 27-Jährige in der internen Torjägerliste mit Sturmtalent Erik Shuranov (5) gleichzog. Am besten gefallen hatte ihm nach eigener Aussage der erlösende Treffer zum 3:1 (81.). Der abgefälschte Schuss zum 2:1 (22.) hingegen sei "so lala gewesen", räumte Dovedan in der ihm eigenen entwaffnenden Ehrlichkeit schmunzelnd ein, "der wäre sonst nie reingegangen".

"Er ist da gut rumgeschlichen"

Aber es war eben ein Tag, an dem (fast) alles reinging, sieht man großzügig von zwei weiteren vergebenen Großchancen ab. "In der ersten Halbzeit hatten wir das Spiel unter Kontrolle und hätten aus meiner Sicht auch noch höher führen müssen", räumte Dovedan selbstkritisch ein. Das aber interessierte am Samstag niemanden. "Er hat die Dinge, die wir ihm vor dem Spiel mitgegeben haben, gut umgesetzt", lobte Klauß. Dovedan sei "immer wieder in die Tiefe gelaufen, ist da gut rumgeschlichen und hinter Manuel Schäffler reingelaufen. Ich freue mich für ihn".

Freuen durfte sich Klauß auch über einen insgesamt sehr stabilen Auswärtsauftritt seiner Elf, die den von ihm geforderten "einfachen Fußball" bei ihrem 3:1-Sieg wie erhofft auf den Platz gebracht hatte: "Auch wenn man sieht, wie wir unsere Chancen erspielt haben: schnelles Umschalten, viel im Tempo gewesen, einfache Bälle gespielt, das war okay", befand der 37-Jährige, monierte aber ebenfalls die zum Teil schlampige Chancenverwertung: "Wir hätten das Spiel viel früher in der ersten Halbzeit klarer gestalten können, dann kommt auch keine Hektik auf."

Enrico Valentini hingegen ärgerte mehr der phasenweise wieder zu passive Auftritt in der zweiten Halbzeit: "Nach der Pause hat Aue viele lange Bälle gespielt und wir haben die zweiten Bälle nicht mehr so gut aufgesammelt", analysierte der Kapitän. Es sollte diesmal ohne Folgen bleiben, weil Dovedan seiner Elf mit seinem dritten Treffer (81.) eine strapaziöse Schlussphase wie zuletzt beim am Ende hart erkämpften 2:1-Heimsieg gegen Kiel erspart hatte. "Ich gönne es ihm wirklich sehr. Das wird ihm guttun", sagte Valentini und freute sich über die vorzeitige Bescherung: "Wenn man das Jahr mit einem Auswärtssieg abschließt, kann man schon zufrieden sein."

Zufrieden sein kann man auch mit der vorweihnachtlichen Zwischenbilanz von nun 30 Punkten, die den Club zumindest bis Samstagabend vorübergehend sogar auf Platz drei klettern ließen - und auf jeden Fall ein Überwintern im Dunstkreis der Aufstiegsanwärter ermöglichen. Allzu viel Bedeutung wollen sie dieser schönen Momentaufnahme aber nicht beimessen: "Die Tabelle ist sehr eng. Wenn du mal verlierst, bist du direkt Siebter, wenn du gewinnst, gleich Dritter oder Vierter. Für uns ist wichtig, möglichst viele Punkte zu holen. Und dann kann man nach 30 Spieltagen mal schauen, wo man steht", erklärte Dovedan, ehe er sich in den kurzen Weihnachtsurlaub nach Österreich verabschiedete. In der Heimat dürfte dann auch genügend Zeit sein, alle nett gemeinten WhatsApp-Nachrichten zu beantworten. Und die nervigen Kritiker einfach mal für ein paar Tage zu vergessen.


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