"Unglaubliche Physis"

Wie ein Büffel: Niklas Seefried pflügt durchs Mittelfeld der SpVgg Ansbach

Dominik Mayer
Dominik Mayer

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24.12.2021, 10:05 Uhr
Niklas Seefried hat den Ball fest im Blick. 1,85 Meter bei gut 80 Kilo – der 21-Jährige ist ein unangenehmer Gegner.

Niklas Seefried hat den Ball fest im Blick. 1,85 Meter bei gut 80 Kilo – der 21-Jährige ist ein unangenehmer Gegner. © Foto: Martin Rügner

Wenn man bei der Spielvereinigung Ansbach nach Niklas Seefried fragt, bekommt man immer ähnliche Charakterisierungen zu hören: "unglaubliche Physis", "sehr durchtrainiert", "wie eine Dampfwalze". Rein körperlich wäre aus dem 21-Jährigen wohl auch ein ziemlich guter Eishockeyspieler geworden. Das kam aber nie in Frage, weil bei den Seefrieds eh schon immer alle Fußball gespielt haben. Vater Franz, die beiden Onkels, Mutter Bianca, sein vier Jahre jüngerer Bruder Fabian, und auch die kleine Schwester Hanna zieht sich inzwischen die Stutzen über.

Irgendwie war es also unvermeidlich, dass der kleine Niklas schon mit vier Jahren im Trikot der DJK Gnotzheim dem Ball hinterherwackelte. So werden wie die Stars bei den Bayern, das wollte er als Kind. Mal spielen können wie Bastian Schweinsteiger oder Toni Kross, das wäre cool. Noch heute sind die beiden für ihn Vorbilder. "Meinem Papa hat das eher nicht so gefallen, der ist Clubfan", sagt Seefried lachend.

Als er über sein ebenso junges wie ereignisreiches Leben als Fußballer spricht, sitzt er auf einem ledernen Ecksofa in einer Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses im Nürnberger Osten. Zusammen mit Freundin Tamara und einem Arbeitskollegen bildet er da eine WG. Zumindest dann, wenn alle drei da sind, was eher selten vorkommt.

Wer mit Niklas Seefried spricht, merkt schnell, dass er keinen typischen 21-Jährigen vor sich hat. Er wählt seine Worte mit Bedacht, wirkt intelligent, reflektiert, geradlinig. Die blonden Haare sitzen perfekt, ein schwarzes T-Shirt bedeckt den muskulösen Oberkörper, um seinen Hals hängt eine goldene Kette, das rechte Handgelenk ziert eine Smartwatch. Hier sitzt einer, der weiß, was er will. Die Wohnung ist so aufgeräumt wie die Gedanken in Seefrieds Kopf. Einen Fernseher gibt es nicht. "Brauchen wir nicht, wir sind ja eh nicht so oft da", sagt er.

"Es gibt sogar Ultras"

Manchmal geht er um sieben aus dem Haus und kommt um 22 Uhr wieder zurück. Dreimal die Woche fährt er zum Training nach Ansbach, 70 Kilometer sind das einfach. Regelmäßig ist er auch bei seiner Familie in Gnotzheim. Und dann ist da noch die Arbeitsstelle in Herzogenaurach, an der sie ihn vor allem in den Semesterferien regelmäßig erwarten. Duales Studium Maschinenbau, viel Freizeit gibt es da nicht.

Seefried in der Küche seiner WG im Nürnberger Osten. Über die Feiertage geht es zur Familie nach Gnotzheim, dort schmeckt es halt am besten.

Seefried in der Küche seiner WG im Nürnberger Osten. Über die Feiertage geht es zur Familie nach Gnotzheim, dort schmeckt es halt am besten. © Foto: Dominik Mayer

Schon gar nicht, wenn man nebenbei noch zu den Leistungsträgern einer Mannschaft gehört, die sich den Aufstieg in die Regionalliga vorgenommen hat. Der Aufwand lohnt sich aber, weil "wir einfach eine geile Mannschaft sind. Es gibt eine gute Balance zwischen Zielstrebigkeit und Lockerheit", sagt Seefried. Mindestens 400 Zuschauer kommen zur SpVgg immer, nicht selten auch deutlich mehr. "Wir haben einen Mannschaftsbus, einen neuen Kunstrasen und es gibt jetzt sogar Ultras", berichtet er.

Der Verein hat sich den Staub aus den Kleidern geklopft, will wachsen, sucht den Erfolg. Genau wie Seefried, der im zentralen Mittelfeld ackert und in der laufenden Bayernliga-Saison den Ball schon sieben Mal ins gegnerische Tor gewuchtet hat. Erfolgreich sein, das wollen sie alle in Ansbach, aber vielleicht will es keiner so sehr wie Seefried. "Er ist extrem motiviert, er lebt für den Sport. Und er will einfach nicht verlieren, da kann er dann schon mal aggressiv werden", sagt Mitspieler Lukas Karakas.

Und Trainer Christoph Hasselmeier lobt den "eingebauten Siegeswillen". "Der Siggi", so nennen sie ihn innerhalb der Mannschaft, will immer gut sein. Tore schießen, seinen Körper noch weiter perfektionieren, seine Schwächen bei der Ballmitnahme beseitigen. Im Studium ist er nur dann richtig zufrieden, wenn die Eins vor dem Komma steht. In der Schule war das auch schon so. Niemand stellt so hohe Ansprüche an Niklas Seefried wie er an sich selbst.

Beim FC Augsburg fehlt die Familie

Bei der DJK Gnotzheim spielt er mit neun Jahren schon auf dem Großfeld, ist stets der Jüngste auf dem Platz. 2011 holen sie ihn nach Ansbach, wo er sein Talent noch besser entfalten kann. Er wird Teil der Regionalauswahl, die in einem Testspiel gegen die Jugend des FC Augsburg antritt. Danach wollen sie ihn haben, diesen Seefried, beim FCA.

"Ich war erst 15, bin dann nach Augsburg gezogen und habe da in einer WG gewohnt", erzählt er. Mit der U16 steigt er in die Bayernliga auf, mit der U17 der Schwaben spielt er in der Bundesliga. Er lernt viel beim FCA, wird ein besserer Fußballer. Aber in Augsburg fehlt ihm auch etwas, das er braucht, um sein volles Potential abrufen zu können: eine gewisse Nestwärme, Menschen, denen er vertrauen kann, die Familie.

"Das war eine schwierige Zeit. Die Familie ist das Wichtigste für mich und die war dann nicht mehr da," sagt er. Jedes Wochenende fährt er mit dem Zug zurück nach Gnotzheim, selbst dann, wenn am Samstag schon wieder ein Spiel ansteht. Mit 16 kauft er sich dann ein eigenes Moped, wie fast alle damals im Internat. "Meine Mutter sagt heute noch, das ist das Unnötigste, was ich je gemacht habe. Ich finde es aber das Coolste", sagt er lachend. Und gelohnt hat es sich im Nachhinein schon auch ein bisschen, weil ihn das Basteln am Moped zum Maschinenbau-Studenten gemacht hat.

Brote für den Bizeps

Das mit dem Krafttraining hat auch beim FCA angefangen. Die Besuche im Fitnessstudio hat er bis heute beibehalten, obwohl er Anfang 2017 zurück nach Ansbach wechselt. "Ich hatte auch Angst, dass ich mein Abi nicht so gut mache, wie ich das eigentlich könnte. In Augsburg hatte ich nur Dreier, sonst waren es Zweier. Das hat mich gestört." Am Ende steht im Abiturzeugnis eine 1,9.

Seit vier Semestern studiert er jetzt, meistens online. Die Pandemie und ihre Lockdowns haben sein vollgepacktes Leben ein bisschen entschleunigt. Natürlich hat er die zusätzliche Zeit genutzt. Zum Beispiel, um sich durch ein 99-tägiges Fitness- und Ernährungsprogramm zu quälen. Nicht mal Trauben waren da erlaubt, zu süß.

Dabei hat Seefried sonst schon einen gesunden Appetit. Nach dem Donnerstagstraining machen sie bei der Spielvereinigung gemeinsam Brotzeit. "Der Siggi legt sich da schon mal acht Scheiben Brot auf den Teller", will Teamkollege Karakas beobachtet haben. Seefried dementiert das nicht. Die Brote von heute sind die Muskeln von morgen. Den Gegnern der Spielvereinigung Ansbach sollte das Angst machen.

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