Olafur Stefansson

Mit der Weisheit der Wikinger: Ein Weltstar hilft dem HCE

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

E-Mail zur Autorenseite

23.5.2022, 05:39 Uhr
Hat seine Spieler im Blick: Olafur Stefansson. 

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Hat seine Spieler im Blick: Olafur Stefansson. 

Es regnet. Ein Rabe krächzt, während er vom rechten zum linken Ohr fliegt. Hypnotische Gesänge drängen vor, verschwinden wieder. Instrumente, deren Namen Uneingeweihte erst ergooglen müssen, sorgen für Rhythmus und erschaffen eine raue, kalte und faszinierende Welt. Dann nimmt Olafur Stefansson in der Arena Nürnberger Versicherung die AirPods ab.

Drei Stunden später soll er verraten, was er da noch vor dem Spiel gehört hat. Stefansson sagt „Wikingermusik“. Das klingt einfach, ein bisschen nach Klischee. Das ist es aber nicht.

Ein Grund, in Erlangen zu bleiben

Stefansson war Handballprofi, einer der besten überhaupt. Groß, zäh, bärtig – noch mehr Klischees. Stefansson aber war eben auch ein Künstler, der Lücken gesehen hat, bevor sie sich auftaten, der aus der Hüfte aus dem Rückraum härter und präziser werfen konnte als andere aus nächster Nähe. Vom Siebenmeterpunkt hat er angetäuscht und den Bällen einen Effet gegeben, den die Physik so gar nicht vorgesehen hatte. Im isländischen Trikot hat er EM-Silber geholt, mit dem SC Magdeburg die deutsche Meisterschaft und den Titel in der Champions League. Auf höchstem Niveau hat Stefansson das Niveau noch einmal angehoben. Aber als ihn Antonio Metzner „als geilen Typen“ bezeichnet, da meint er Olafur Stefansson, den Handball-Lehrer und nicht mehr den Handballspieler.

Im Spiel zwischen der Wikingermusik und den Interviews danach hat Metzner vier Tore geworfen. Der HC Erlangen hat 25:31, weshalb er sichtlich sauer ist – auf sich, auf die Mannschaft. Dann aber soll er erklären, was den Mann ausmacht, der an diesem Sonntag als Trainer für den HCE verantwortlich war. Metzner lächelt und bezeichnet Stefansson als einen „Grund, warum ich mich hier auf jeden Fall noch weiterentwickeln kann“.

Er will helfen, arbeiten - er ist bescheiden

Stefansson ist Anfang März als Co-Trainer nach Erlangen gekommen. Damals war der HCE 13., nach der Niederlage gegen die Füchse Berlin ist er Zwölfter. In dieser Zeit aber hat die Mannschaft ebenso viele Spiele gewonnen wie verloren und zuletzt viel besser gespielt als das die Tabelle aussagt – phasenweise auch gegen die sehr souveränen Berliner.

Wie groß Stefanssons Anteil daran ist, kann kaum jemand beurteilen. Stefansson will es ohnehin nicht. Er spricht von „Schwung“, bis zum Heimspiel am Sonntag und über Raul Alonso, der am Sonntag aufgrund einer Corona-Infektion zu Hause bleiben musste. Der Isländer will von Erlangens Cheftrainer lernen, „es wie bei einem Spieler. Ein guter Trainer wird man nicht über Nacht“. Er will helfen, arbeiten, die Verteidigung, für die er zuständig ist, besser machen. Bescheiden klingt er dabei, wahrscheinlich zu bescheiden.

Näher zu den Wurzeln

Denn nicht nur Antonio Metzner schwärmt von der Arbeit mit Stefansson. „Er hilft uns mental, uns Linkshändern sagt er, wie er früher gedaddelt hat“, sagt der Nationalspieler. „Er macht viel mit Wahrnehmung und Fühlen. Das ist geil.“ Den „Spieler fühlen“, das sagt auch der Co-Trainer. So wie die Musik, die er hört.

Wardruna heißt die Band, die Wikipedia als „musikalisches Projekt zur Erkundung und Erweckung der Erinnerung an die nordische Spiritualität und Weisheit und der Runen des älteren Futharks“. Ähem, genau. Tatsächlich klingt die Musik sehr viel zugänglicher als die Beschreibung, Streaming-Fans kennen sie aus der Serie „Vikings“ und Olafur Stefansson ist nicht der einzige Fan. Spotify weist Millionen Abrufe für Hits wie „Helvegen“ und „Rotlaust Tre Fell“. „Mich bringt diese Musik meinen Wurzeln näher“, sagt er. Und Halt kann selbst einer der bekanntesten Handballer unserer brauchen.