BMW-Cup in der Arena

Drei Romans und ein Talent: Endlich wieder internationales Eishockey in Nürnberg

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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31.8.2022, 20:00 Uhr
Am Wochenende in Nürnberg, vielleicht: Jiri Kulich, tschechisches Ausnahmetalent.

© IMAGO/Jason Franson Am Wochenende in Nürnberg, vielleicht: Jiri Kulich, tschechisches Ausnahmetalent.

Natürlich wird auch die die 29. Saison in der Deutschen Eishockey Liga irgendwann ihren ganz eigenen Reiz entwickeln. Neue Spieler werden überraschen, andere enttäuschen. Mit den Frankfurt Lions kehrt ein alter Rivale zurück und an irgendeinem Dienstagabend geht es sicherlich wieder gegen Iserlohn oder Straubing oder Schwenningen.

Es könnte also ein paar Fans geben, die ihren Ice Tigers dafür dankbar sind, dass sie das Vorbereitungsturnier in der Arena Nürnberger Versicherung wiederbelebt haben. Ein neuer Namenssponsor (BMW) wurde gefunden, ein internationales Teilnehmerfeld zusammengestellt. Und auch wenn der HC Karlovy Vary, die Vienna Capitals und die Blackwings Linz nicht zur europäischen Eishockey-Prominenz zu zählen sind, wissen die Kenner, dass bei bislang nahezu jedem Sommerturnier in Nürnberg große Namen auf dem Eis zu sehen waren. Oder eben Spieler, deren Namen erst in den Jahren danach groß wurden. Ein Rückblick und ein Ausblick auf einen hochtalentierten Spieler.

Die Arena galt noch als neu und modern und im Oberrang meinte man noch das Echo der lauten Gesänge tschechischer Fans bei der WM 2001 vernehmen zu können, als sich ein junger Mittelstürmer vorstellte. Kaum 18 Jahre alt, eher schmächtig – und das Spiel seiner Mannschaft gegen die Ice Tigers ging auch noch klar verloren. Und tatsächlich sollte es auch noch ein paar Jahre dauern, bis Roman Cervenka seinem HC Slavia Prag ein herausragender Mittelstürmer wurde. Dann aber war er schnell weg, Geld verdienen, Titel und Auszeichnungen holen in Russland und der Schweiz. Zwischendurch wurde der geniale Mittelstürmer mit Tschechien Weltmeister. Mittlerweile ist er 36 und spielt immer noch. Zuletzt wurde er in der Schweiz Topscorer.

Ein Weizen vor dem Spiel

Roman Turek hingegen kehrte nach Nürnberg zurück: Als einer, der einst vom Nordostbahnhof in Nürnberg die Welt erobert hatte. Seine Verpflichtung zählt zu den Wundern in der Geschichte des Nürnberger Profi-Eishockeys. Allein der Torhüter aus Budweis machte die Ice Tigers in der DEL-Saison 1996/1997 konkurrenzfähig. Vom Lindestadion zog er gleich weiter in die NHL, Turek holte den Stanley Cup, verdiente Millionen US-Dollar. Und am Ende seiner großen Karriere kehrte er noch einmal nach Nürnberg zurück. Mit seinem HC Budejovice trat er 2007 beim sogenannten Mercure Cup, das Haar trug er immer noch lang und lockig. Vor dem Spiel trank er ein Weizen mit dem Betreuer der Ice Tigers.

Es war nicht wirklich ein Vorbereitungsturnier, das den jungen Roman Josi nach Nürnberg führte. In der Saison zuvor hatten die Ice Tigers in der DEL die Hauptrunde gewonnen, weshalb sie das Qualifikationsturnier für die Champions League austragen durften. Nach 60 Minuten war der Traum von der Königsklasse allerdings schon wieder ausgeträumt. Zu stark war der SC Bern. Besonders beeindruckend war in diesem September 2009 aber ein Verteidiger, gerade volljährig. Roman Josi war damals bereits der beste Spieler auf dem Eis. Inzwischen gilt er als einer der besten Verteidiger der Welt, die Nashville Predators überweisen ihm deshalb noch bis 2028 neun Millionen Dollar aufs Schweizer Nummernkonto. Josi wird dann 38 Jahre alt sein.

Auf der ersten Zimmerliste fehlt sein Name. Am Donnerstag aber will der Teammanager des HC Karlovy Vary noch eine überarbeitete Aufstellung schicken. Es bleibt die Hoffnung, am Wochenende Jiri Kulich in Nürnberg sehen zu dürfen. Bei der kürzlich im sommerlichen Edmonton ausgetragenen und deshalb etwas übersehenen U20-WM zählte der 18-Jährige zu den auffälligsten Spielern. So wie einst Roman Cervenka, Roman Turek und Roman Josi.

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