Tom Rowe im Interview

Ice Tigers-Coach: "Nürnberg soll meine letzte Station werden"

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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17.12.2021, 06:00 Uhr

"Ich will von Euch genauso viel lernen wie ihr von mir": Tom Rowe spricht von seinen Spielern, nicht von Schiedsrichtern.  © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

In Ihrer ersten Trainingseinheit haben Sie bereits sehr viele Einzel- und Gruppengespräche geführt. Zehn Wochen später machen Sie genau das noch immer. Über was reden Sie mit Ihren Spielern: Eishockey, Kochrezepte?
Es geht um Eishockey, geht darum, wie es ihnen geht, wie sie sich fühlen. Man baut eine Beziehung zu den Spielern auf. Wenn mir auffällt, dass ein Spieler ruhig ist, ruhiger als normal, frage ich ihn, ob alles in Ordnung – egal ob es mit Eishockey zu tun hat oder ob es privat ist. Wenn sie etwas teilen wollen, ist das gut, wenn nicht, auch. Ich habe selbst Kinder und Enkel, da mache ich es genauso.

In Nürnberg findet man niemanden im Umfeld der Ice Tigers, der sich nicht zumindest anerkennend über Sie äußert. Patrick Reimer hat Sie in einer Liste seiner Trainer ziemlich weit oben angesiedelt. Es sieht so aus, als fühlten Sie sich wohl hier.
Ich liebe es hier. Und das liegt nicht nur an diesem Kompliment, selbst wenn es von einem Menschen wie Patrick kommt. Ich habe viele Fehler in meiner Karriere als Trainer gemacht. Aber bei meinen letzten drei Jobs bin ich flexibler geworden. Ich habe meine Spieler immer unterstützt, aber vielleicht war ich hie und da etwas zu hart. Da habe ich mich zurückgenommen. Hier habe ich auch schon von Patrick gelernt. Das schätze ich sehr und sage es meinen Spielern auch immer wieder: Ich will von Euch genauso viel lernen wie ihr von mir. Und ich sage es ganz ehrlich: Natürlich schmeichelt es mir, wenn das Feedback so positiv ist. Hoffentlich können wir langfristig etwas zusammen aufbauen.

Sie lieben es hier. Dabei hat diese Saison nichts Liebenswertes. Corona bringt erneut alles durcheinander. Entweder die Ice Tigers spielen alle zwei Tage oder nur alle zwei Wochen. Wie kommen Sie damit zurecht?
Als Coach musst du hier jeden Tag mit derselben guten Einstellung ankommen, damit sich die gute Stimmung überträgt. Heute war die vielleicht schwächste Trainingseinheit, seitdem ich hier bin. Also habe ich sie gefragt, Jungs, was ist los? Und sie haben gesagt, dass sie am Ende sind. So habe ich sie hier zum ersten Mal gesehen. Das ist neu. Deshalb ist es so wichtig, als Coach mit einem Lächeln anzukommen. Wir verlieren am Sonntag, haben am Montag frei, am Dienstag aber muss jeder hier mit einer guten Einstellung zurückkommen. Das trägt uns durch die harten Tage.

"Ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann"

Stefan Ustorf hat vorige Woche gesagt, dass er daran arbeitet, Ihnen ein Angebot vorzulegen, das Sie nicht ablehnen können. Was ist ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können?
Das werde ich herausfinden. Noch kenne ich es nicht. Ich mag Usti, ich mag Wolfgang (Gastner). Das macht es sehr attraktiv hierzubleiben. Dazu ist das Staff hier mit Ralfi (Neiß), Sven (Gibb), Schinki (Thomas Schinko), Andi Gerg, Manny (Kofler), wir verstehen uns wirklich sehr gut. Sie haben mich aufgenommen und es mir leicht gemacht. Vielleicht ist das schon ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann. Wir werden uns bald unterhalten. Aber wir haben hier etwas Gutes angefangen. Und ich wünsche mir, dass Nürnberg meine letzte Station als Coach ist.

Was ist Ihnen vor einer Vertragsverlängerung wichtig: das Geld, Covid, die sportliche Perspektive?
Mir ist wichtig, glücklich zu sein. Und das bin hier. Das ist die Nummer eins. Usti habe ich von Beginn an gesagt, dass ich anständig bezahlt werden will. Es geht mir nicht darum, der am besten bezahlte Trainer in der Liga zu sein. Mir ist klar, dass Mannheim oder München da ganz andere Möglichkeiten haben. Aber ich will das verdienen, was ich auf diesem Markt wert bin – so wie Sie das wahrscheinlich auch wollen. Das ist alles, aber damit werden wir arbeiten können.

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