Haie fordern Ice Tigers

Nürnberg gegen Köln: Raubtiere in der Hussenether-Arena

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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21.9.2022, 16:47 Uhr
"Es ist eine Ehre...": Vor dem Heimspiel gegen Berlin erinnerten die Fans an die Ursprünge der Ice Tigers. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa "Es ist eine Ehre...": Vor dem Heimspiel gegen Berlin erinnerten die Fans an die Ursprünge der Ice Tigers. 

Reinhard Hussenether hat bereits in der DEL2 gespielt, da nannte sich die zweithöchste Spielklasse im Eishockey noch 2. Bundesliga. Die Ice Tigers wiederum gab es lange nicht, noch nicht einmal den EHC 80 Nürnberg. Nach dem Ableben der SG Nürnberg aber blieb Hussenether in der Stadt, fing mit dem EHC wieder ganz unten an und schoss Tore für die Achtzger, sehr viele Tore. Hussenether ist mittlerweile 64 Jahre alt, vergessen aber hat man ihn nicht – weder als Torjäger noch als Symbolfigur.

Vor dem ersten Heimspiel der 29. Saison der Ice Tigers in der Deutschen Eishockey Liga war Hussenether nicht zu übersehen. Mit einer Choreografie gedachten die überwiegend mit Menschen, die selbst bei Hussenethers Karriere-Ende noch nicht geboren waren, besetzte Südkurve dem treuen Talent und den Vorgängern der Ice Tigers. Neben dem Charakterkopf des EHC-80-Gründungsmitglieds stand dessen bekanntestes Zitat: „Ich hätte höher spielen können, wollte aber nicht. Ich wollte studieren und für die Achtzger Tore schießen.“ Auch die Eishockey-Fans dieser Stadt haben ihr „Es ist eine Ehre für diese Stadt…“.

Lüneburger mit Logo

Unter den aktuellen Nürnberger Spielern gibt es immer noch Studenten, Profis sind sie trotzdem geworden. Ihre Tore schießen sie für die Nürnberg Ice Tigers Eishockey GmbH, bei Auswärtsspielen müssen sie nicht mehr in Strümpfen zu Eisfläche gehen, wie Hussenether einst in Bad Kissingen, weil sie es dort für eine gute Idee hielten die Kabine „gute hundert Meter“ entfernt vom Eis hinzustellen. Die DEL ist eine Profiliga, die Landesliga Kunsteis wollte das zu Beginn der 80er Jahre gar nicht sein. Und doch ist gerade bei den Ice Tigers eine Sehnsucht zur guten alten Zeit festzustellen, selbst unter jenen, die diese nie erlebt haben.

Leon Hungerecker ist in Lüneburg geboren, ziemlich groß geworden ist der Torhüter beim HSV, zuletzt war bei der Meisterfeier der Eisbären Berlin zu Gast. Danach wurde sein Wechsel bekanntgegeben, in Nürnberg spricht man sehr wohlwollend über den 24-Jährigen. Guter Typ, richtig guter Typ, heißt es dann. Auf dem Eis war das noch nicht zu sehen. Das Tor gehört noch immer Niklas Treutle, einem von zwei gebürtigen Nürnbergern im Aufgebot. Hungerecker aber traut man zu, dass er den Nationaltorhüter jederzeit ersetzen kann. Genau das soll er öfter machen als zuletzt Alex Dubeau oder Ilya Sharipov. Hungerecker hat sich derweil schon etwas genauer mit der Geschichte des Nürnberger Eishockeys beschäftigt. Für nahezu alle Eishockeytorhüter sind Masken und deren Design identitätstiftend und enorm wichtig. Hungerecker hat seine neue Torhütermaske mit dem Logo des EHC 80 besprühen lassen.

Meister? Warum nicht gleich 2023?

Befohlen hat ihm das niemand, es passt aber zu einem Nostalgietrend, aus dem eine engere Verbindung zwischen Fans und Klub erwachsen soll. Dass die Ice Tigers zwischendurch in Grün oder in der Thomas-Sabo-Zeit auf Wunsch des allgegenwärtigen Namenssponsors ganz in Schwarz aufliefen, wurde von den Anhänger allenfalls toleriert. Rot-Blau aber blieben die Farben der Kurve. Seit Wolfgang Gastner als Geschäftsführer und Gesellschafter am Kurt-Leucht-Weg das Sagen hat, sind sie auch wieder die Farben der Ice Tigers. Der rote Schulterstreifen ist eine sichtbare Reminiszenz an die Saison 2002/2003. Die Ice Tigers haben Geschichte, inzwischen zählt sie auch wieder.

Noch einmal acht Jahre älter als der EHC 80 und damit die Ice Tigers sind die Kölner Haie. In dieser Zeit sind sie acht Mal öfter Deutscher Meister geworden. Das wunderbare und leider nicht mehr existente Magazin „No Sports“ erkor Köln zur Eishockeystadt, gemeint war: Deutschlands Eishockeyhauptstadt. Mannheimer, Füssener, Tölzer und Düsseldorfer fanden das nicht so witzig. Aber was es bedeutet, als Kölner Haie neben dem „Effzee“ co-existieren zu müssen, zeigte sich in diesem Sommer, als immer mal wieder, sicherlich um ein bisschen Aufmerksamkeit neben dem Fußballclub zu provozieren, das Wort Meisterschaft erwähnt wurde. Warum nicht gleich 2023? Dafür gingen große, schwere Spieler und neue große, schwere Spieler kamen, so wie das immer ist bei Uwe Krupp. Die Haie sind auf dem Eis ein Gegenentwurf zu den Ice Tigers.

Am ersten Wochenende reichte das zu einem beeindruckenden Sieg gegen München und zu einer enttäuschenden Niederlage in Augsburg. Am Freitag um 19.30 Uhr treffen die Gegensätze aufeinander – in der Reinhard-Hussenether-Arena.

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