6:5 nach Verlängerung

Playoff-Wahnsinn! Ice Tigers erkämpfen nach 1:4 ein drittes Spiel

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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7.4.2022, 22:07 Uhr
Nur eine von unzähligen unfassbaren Szenen: Niklas Treutle verhindert einen Treffer durch Jerry D'Amigo.

© IMAGO/VITALII KLIUIEV Nur eine von unzähligen unfassbaren Szenen: Niklas Treutle verhindert einen Treffer durch Jerry D'Amigo.

Das Power-Play? „Is wurscht. Nächstes Spiel.“ Guter Torwart, oder? „Is mir wurscht. Nächstes Spiel g’winn ma.“

Daniel Schmölz kurz angebunden zu nennen, wäre noch maßlos übertrieben gewesen. Über dieses erste Playoff-Spiel wollte Schmölz nicht reden, schon gar nicht vor einer Fernsehkamera. Und so nahm er schon nach seinem zweiten „Wurscht“ den Kopfhörer ab und wollt damit ausdrücken, dass die Ice Tigers kein bisschen beeindruckt waren. Das stimmte nicht. Das nächste Spiel gewannen sie trotzdem.

Mit einem unfassbaren 6:5 (0:3, 2:1, 3:1, 1:0) in Düsseldorf erkämpften sie sich nach dem 2:3 zu Hause den Serienausgleich und am Freitag die Chance auf den Viertelfinaleinzug. Um 19.30 Uhr geht es in der Arena Nürnberger Versicherung weiter.

Brutales Foul von Brown

Ohne jemals von der an Peinlichkeiten und Pech wahrlich nicht armen Nürnberger Playoff-Geschichte gehört zu haben, erlebte dieser Ice Tigers-Jahrgang ein klassisches Nürnberger Playoff-Spiel. Durch Bernhard Ebner ging die DEG nach 79 Sekunden Puckbesitz für die Gäste mit dem ersten Schuss in Führung. Die Power-Play-Möglichkeiten danach hatten den Namen nicht verdient. Daniel Fischbuch, Ex-Nürnberger, traf zum 2:0. Bis zu dieser 17. Minute lief es beinahe exakt wie noch am Dienstag. Dann schickte die DEG die Scheibe die Bande entlang, nur prallte sie davon unkalkulierbar ab, Niklas Treutle kam zwar noch rechtzeitig in sein Tor zurück, wurde von Jerry D’Amigo aber von hinten angeschossen.

Auch das war dieses Spiel: Jake Ustorf wagt ein Tänzchen mit Mike Fischer. 

Auch das war dieses Spiel: Jake Ustorf wagt ein Tänzchen mit Mike Fischer.  © IMAGO/Andreas Gora

All das hatten die Ice Tigers kaum beeinflussen können. Die vielleicht entscheidende Szene schon: Chris Brown fuhr einen Check gegen den Kopf von Ebner, der den Texaner nicht hatte sehen können. Das war brutal, dumm und wurde von den Schiedsrichter zurecht mit fünf Minuten Unterzahl und einer Matchstrafe gewürdigt. In diesem Power-Play traf Fischbuch.

Totale Eskalation

Schlechter hätten die ersten 20 Minuten kaum laufen können. Nürnberg wirkte wieder nervös und in einem unansehnlichen, oftmals albern harten Spiel bestenfalls übermotiviert. Vor allem Dane Fox schien sich mit allen Düsseldorfer Spielern und 5817 Zuschauern anlegen zu wollen. Immerhin besorgte er den Anschlusstreffer (30.). Wenig später aber hatte Brendan O’Donnell zu viel Zeit, um Tobias Eder freis zu spielen – 1:4 (32.). Die DEG ließ die Provokationen an sich abprallen und kontrollierte das Spiel. 3,3 Sekunden vor Drittelende aber traf erneut Fox.

Es wäre das Tor zum richtigen Zeitpunkt gewesen. Und tatsächlich machte Schmölz die DEG durch einen Power-Play-Treffer nervös (48.). Doch die Geschichte dieses kuriosen Abends war noch nicht auserzählt. Auch Alex Barta schoss Treutle von der Torlinie aus an, vom Schoner sprang der Puck ins Tor (52.). Aber plötzlich machte auch die DEG Fehler. Torhüter Pantkowski konnte ein Schüsschen nicht festhalten und ließ sich von, natürlich, Fox anschießen - 4:5 (54.). Reimer zog von der blauen Linie ab - Ausgleich (55.).

In der Verlängerung hatten die Gastgeber die besseren Chancen. Treutle aber hielt dreimal sensationell und dann stand Gregor MacLeod, bis dahin eher blass, richtig, um dieser kurzen Serie, den Ice Tigers, den Fans und dem Eishockey das verdiente dritte Spiel schenkte.

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