Wettbewerbsverzerrung mit Ansage

Kommentar: Landesliga-Eishockey mit laxen Regeln, aber hartem Programm

Holger Peter
Holger Peter

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10.1.2022, 15:27 Uhr
Reichlich Chaos gibt es derzeit in der Eishockey-Landesliga.

Reichlich Chaos gibt es derzeit in der Eishockey-Landesliga. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Es ist vielleicht nur eine Randnotiz, aber sie ist irgendwie bezeichnend: Noch am Sonntagmittag hatte der Bayerische Eissportverband (BEV) eine falsche Tabelle der Landesliga auf seiner Homepage stehen. Eine Partie des EV Pegnitz fehlte einfach, erst ein Hinweis meinerseits sorgte für Abhilfe.

Eigentlich hätte die Hauptrunde ja jetzt beendet sein sollen, dass der BEV die Runde pandemiebedingt etwas verlängerte, war daher durchaus verständlich. Was allerdings nicht nachvollziehbar ist: Ein vergleichsweise großer Verein wie der ESC Haßfurt, der ein 1b- und ein Juniorenteam besitzt, darf ungestraft nicht antreten, weil ganz offenkundig einige Stars die Corona-Impfung verweigerten. Die vorgeschriebene Mindestzahl an Spielern hätten die Unterfranken aber locker auf die Beine stellen können.

Die Laxheit des Verbands zeigt sich auch bei der Handhabung der Ausländerregelung. Als Gentlemen‘s Agreement einigte man sich darauf, dass jedes Team zwei Kontingentspieler aufbieten darf. Haßfurt hatte von Anfang eine Handvoll, andere Klubs wie Waldkirchen oder Dingolfing zogen nach – in Zeiten, in denen es kaum Zuschauereinnahmen gibt und im Wissen, dass diese überzähligen Akteure in der Bayernliga definitiv nicht eingesetzt werden dürfen. Quasi eine Wettbewerbsverzerrung mit Ansage – und das schon seit Jahren.

Terminlich wird es eng

Nun läuft die chaotische Schlussphase: Haßfurt hat erst am Sonntag wieder ein Spiel (diesmal wegen Coronafällen im Team) abgesagt und wie Waldkirchen erst 14 von 18 Partien absolviert. Mal sehen, ob und wie der Spielleiter diese Spiele bis 23. Januar noch hinbekommen will.

Das Gegenbeispiel liefert der EV Pegnitz: Der hatte früh alle Spieler geimpft, hat keine Spiele abgesagt – und durfte zum „Dank“ jetzt vier Spiele innerhalb von sechs Tagen bestreiten, drei davon in Südbayern. Da konnten berufsbedingt nicht alle Mann an Bord sein und prompt verspielten die Ice Dogs in dieser Woche vermutlich den Playoff-Einzug, weil sie auf dem Zahnfleisch gingen.

Rein rechnerisch geht aber noch was. Zum allerletzten Spieltag kommt: der ESC Haßfurt. Vielleicht geht es in diesem Frankenderby noch um den vierten Playoff-Platz. Falls es einen Eishockeygott geben sollte, wäre es sein Job, die großkopferte Legionärstruppe abzustrafen und das Pegnitzer Konzept mit jungen Spielern aus der Region zu belohnen. Aber vermutlich ist vorher alles entschieden, frei nach dem Motto: Geld gewinnt.

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