Olympische Winterspiele

Neumarkter Para-Skifahrer auf dem Sprung nach Peking

14.1.2022, 10:18 Uhr
Der Neumarkter Para-Skifahrer Christoph Glötzner empfahl sich nicht nur beim Weltcup in St. Moritz für eine Olympia-Nominierung. 

Der Neumarkter Para-Skifahrer Christoph Glötzner empfahl sich nicht nur beim Weltcup in St. Moritz für eine Olympia-Nominierung.  © Maike Hujara/DBS

Dieses eine Mal kommt Christoph Glötzner bewusst zu spät. Im norwegischen Lillehammer steigt seit 13. Januar bei der Para Schneesport-WM die finale Bewährungsprobe für die Vorzeige-Wintersportasse des Deutschen Behindertensportverbandes vor der Olympia-Nominierung. Doch der 18 Jahre alte Skifahrer aus Neumarkt stößt erst in der zweiten Woche zum 30-köpfigen Aufgebot. Mit Blick auf das anvisierte Medizinstudium möchte Glötzner vor den Abiturprüfungen nicht mehr Unterrichtsstoff versäumen als nötig. Gleichwohl erwartet Bundestrainer Justus Wolf, "dass er hier nochmal Vollgas gibt und sich beweist."


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Bereits im vergangenen Winter sammelte der Holzheimer, der als kleines Kind bei einem Unfall große Teile seines rechten Beins verloren hat und dennoch furchtlos Abhänge hinunterjagt, erste Erfahrungen im Weltcup. Inzwischen nimmt er es regelmäßig mit den Erwachsenen auf internationalem Niveau auf, ließ mit einem neunten und einem zehnten Platz in St. Moritz aufhorchen. Nur eine Corona-Infektion im Dezember bremste den Jungspund aus. Rechtzeitig aber meldete sich Glötzner zurück, um im Slalom und Riesenslalom an den Start zu gehen. "Die Top 10 wären cool", formuliert der Oberpfälzer seine Zielsetzung, die sich mit dem Anspruch des Bundestrainers deckt.

Obwohl die formellen Voraussetzungen für eine Olympia-Nominierung einen fünften oder zwei achte Plätze erfordern, will Wolf seinen Schützling dennoch für die Peking-Reise vorschlagen. „Natürlich sind die Medaillenchancen das wichtigste Kriterium. Aber wir wollen auch talentierte Sportler mitnehmen, um sie mit Blick auf künftige Großveranstaltungen zu fördern. Christoph ist da generell auf einem sehr guten Weg und hat in diesem Jahr nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht. Vor allem technisch hat er sich verbessert, seine Einstellung stimmt. Jetzt geht es dann darum, noch mehr am Risiko zu arbeiten und größeren Wert auf das Speedtraining zu legen.“

Tatsächlich spürt Glötzner die höhere Schlagzahl. "Als ich das erste Mal meinen Trainingsplan gesehen habe, dachte ich nur: Wow, der ist deutlich intensiver. Da ist nicht nur in den Wettkämpfen mehr Zug drin." Aber die Belastung stört ihn nicht. "Auf die Paralympics habe ich all die Jahre hingearbeitet. Wenn sich das jetzt erfüllen würde, wäre das überragend. Ich bin einfach tierisch aufgeregt.“


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Zu lernen, mit Druck umzugehen, dürfte auch bei der Realisierung des beruflichen Lebenstraums hilfreich sein. „Es ist sehr hart alles unter einen Hut zu bringen und sehr kräfteraubend, noch im Hotel für die Schule zu lernen. Man ist ja körperlich oft schon erschöpft, dann kommt die mentale Erschöpfung noch dazu. Trotzdem weiß ich, wofür ich das alles mache und ziehe daraus meine Motivation“, erklärt Christoph Glötzner. Selbst die sorgenvollen Gedanken, die der angehende Arzt bezüglich des Umgangs mit der Corona-Pandemie im Gastgeberland China hegt, würden ihn nicht daran hindern, diesmal pünktlich am Flughafen zu sein.

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