Er kämpfte mit den Tränen

NBA-Coach wird nach Amoklauf emotional: "Wann werden wir endlich etwas machen?"

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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25.5.2022, 10:03 Uhr
"Ich bin es so leid": Steve Kerr bei der Pressekonferenz vor Spiel der NBA-Halbfinalserie gegen Dallas.

© Scott Strazzante, dpa "Ich bin es so leid": Steve Kerr bei der Pressekonferenz vor Spiel der NBA-Halbfinalserie gegen Dallas.

Steve Kerr ist als Cheftrainer bei den Golden State Warriors angestellt, die derzeit um den Einzug ins Playoff-Finale der National Basketball Association spielen. Über Basketball aber wollte Steve Kerr bei der jüngsten Pressekonferenz nicht reden. Stattdessen redete er über Wut und Trauer und appellierte an die Menschen, die dafür seit Jahren verantwortlich sind, und lieferte so einen emotionalen Beitrag zu der nächsten unfassbaren Tat in den USA.

Wir haben seine Rede abgeschrieben und übersetzt:

„Ich werde nicht über Basketball sprechen. Basketballfragen spielen heute keine Rolle. Seit unserem Vormittagstraining sind 400 Meilen entfernt von hier 14 Kinder und eine Lehrerin getötet worden. In den letzten zehn Tagen sind ältere schwarze Mitbürger in einem Supermarkt in Buffalo erschossen worden, asiatische Kirchgänger und Südkalifornien und jetzt wieder Kinder an einer Schule.

WANN WERDEN WIR ENDLICH ETWAS MACHEN?

Ich bin es so leid, den zerstörten, verzweifelten Familien da draußen mein Beileid auszusprechen. Ich bin so müde. Sorry, aber ich habe die Schweigeminuten satt. Es reicht.

Derzeit gibt es 50 Senatoren, die sich weigern, über HR8 abzustimmen, eine Hintergrundprüfungsregel, die das Repräsentantenhaus vor Jahren verabschiedet hat und die dem Senat seit zwei Jahren vorliegt. Und es gibt nur einen Grund, warum sie nicht darüber abstimmen werden: um an der Macht zu bleiben.

Ich frage Sie, Mitch McConnell und alle Senatoren, die sich weigern, etwas gegen die Gewalt, die Schießereien in Schulen und Supermärkten zu unternehmen. Ich frage Sie: Werden Sie weiter Ihren eigenen Wunsch nach Macht über das Leben unserer Kinder und das von Älteren und Kirchgängern stellen? Denn genau so sieht es aus.

Ich habe es satt. Wir werden heute Abend Basketball spielen. Aber ich möchte, dass jeder hier, der sich das anhört, an sein eigenes Kind oder Enkelkind denkt, an seine Mutter, seinen Vater, seine Schwester, seinen Bruder. Wie würden Sie sich fühlen, wenn das heute ihnen passiert wäre?

Das Spiel verloren Kerrs Golden State Warriors gegen Maxi Klebers Dallas Mavericks. Basketball aber war an diesem Tag in den USA nicht wichtig. 

Das Spiel verloren Kerrs Golden State Warriors gegen Maxi Klebers Dallas Mavericks. Basketball aber war an diesem Tag in den USA nicht wichtig.  © Tony Gutierrez, dpa

Wir können da nicht taub und stumm werden. Wir können nicht hier sitzen, eine Schweigeminute abwarten. Basketball spielen. Go Warriors rufen, go Mavs, während uns 50 Senatoren in Washington als Geiseln halten. Ist Ihnen klar, dass sich 90 Prozent der Amerikaner Hintergrundprüfungen wünschen – unabhängig von ihrer politischen Partei? Wir sind Geiseln von Senatoren, die sich weigern, darüber abzustimmen, was das Volk will, weil sie an ihrer eigenen Macht festhalten.

Es ist erbärmlich. Mir reicht’s.“

Steve Kerr stand auf und verschwand.

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