Skurrile Methode

Bessere Milchproduktion durch Virtual Reality? Das sagt ein Experte dazu

Nina Eichenmüller arbeitet als Volontärin im Verlag Nürnberger Presse.
Nina Eichenmüller

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13.1.2022, 21:00 Uhr
Der türkische Bauer Izzet Kocak setzt seinen Kühen VR-Brillen auf, um ihre Milchproduktion zu steigern.

Der türkische Bauer Izzet Kocak setzt seinen Kühen VR-Brillen auf, um ihre Milchproduktion zu steigern. © Izzet Kocak/dpa, NN

Im Internet kursierten in den vergangenen Tagen Bilder und Videos von Kühen, die sogenannte Virtual-Reality-Brillen (VR-Brille) tragen. Veröffentlicht wurden die Szenen von dem türkischen Bauern Izzet Kocak, der meint, damit die Milchproduktion seiner Tiere ankurbeln zu können. Die Kühe stehen zwar im Stall, doch durch die VR-Brille wird ihnen vorgegaukelt, sie würden auf einer saftig grünen Wiese stehen. Angeblich habe diese skurrile Methode dazu geführt, dass die Kühe am Tag fünf Liter mehr Milch gegeben haben, so der Bauer.

Ganz neu sind die Bilder nicht: Bereits 2019 sorgte ein Bauer aus Russland mit diesem Vorgehen für Schlagzeilen. Doch kann durch eine virtuelle Realität tatsächlich die Milchproduktion einer Kuh optimiert werden und wie geht das mit dem Wohl des Tieres überein? Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer des Verbandes für Milcherzeuger in Bayern, hat die technischen Entwicklungen verfolgt und zeigt sich skeptisch.

"Ich nehme erstmal alles ernst und bewerte es ehrlich und fair. Aber natürlich bin ich auch vorsichtig, wenn neue Technik am Tier angewandt wird. In diesem Fall kenne ich keine Studien, die annähernd wissenschaftlich belegen, dass diese VR-Brillen einen positiven Einfluss auf die Milchproduktion einer Kuh haben könnten", so Seufferlein. Von solchen Methoden hält der Experte auch generell eher wenig, wichtiger sei es erstmal alle anderen Faktoren um das Tier herum zu verbessern. Dazu zählen vor allem Aspekte wie das Stallklima, also ob ausreichend Frischluft und angenehmes Licht vorhanden sind. Außerdem sollte den Kühen jederzeit Futter und frisches Wasser zur Verfügung stehen und zuletzt natürlich auch Auslauf und Bewegungsmöglichkeiten geboten werden - nicht nur in der virtuellen Realität.

Ganz ohne Technik läuft es in deutschen Kuhställen allerdings auch nicht mehr. Dadurch sollen, so Seufferlein, allerdings nicht die Kühe und ihre Milchproduktion optimiert werden, sondern das Umfeld. "Entscheidend ist für ein Tier, dass es sich wirklich wohlfühlt. Technische Entwicklungen können dahingehend schon positive Auswirkungen haben. In der Fütterung hat es beispielsweise den Vorteil, dass den Tieren das Futter immer wieder automatisch hingefahren wird. Die Roboter, die regelmäßig die Laufflächen der Kühe reinigen, wirken sich positiv auf das Stallklima aus. Das ist Technik, die um das Tier herum passiert, die auch sinnvoll ist", erklärt der Experte.

Eingriffe an der Kuh selbst, wie beispielsweise die VR-Brille, braucht es seiner Meinung nach nicht. Nur eine Sache gibt es, die er da befürworten kann: "Tiere, die in Laufställen untergebracht sind, haben häufig einen Transponder dran, um die Kuh identifizieren zu können. Hier macht die Digitalisierung meiner Meinung nach Sinn, denn dadurch bekommt man direkt Daten an den Computer geliefert, die zeigen, ob es dem Tier gut geht."

Laut dem Experten braucht es also keine virtuelle Realität, um die Kühe zu optimieren. Besser sollte das Wohl des Tieres optimiert werden, denn daraus folge automatisch auch die bessere Milchproduktion.

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