Steuervergünstigung verpufft

Homeoffice-Pauschale: Nur wenige profitieren davon

Stefanie Banner
Stefanie Banner

Politik und Wirtschaft

E-Mail zur Autorenseite

13.1.2022, 05:58 Uhr
Homeoffice wirkt sich nur bedingt steuerlich entlastend aus - trotz Homeoffice-Pauschale.

Homeoffice wirkt sich nur bedingt steuerlich entlastend aus - trotz Homeoffice-Pauschale. © Jens Kalaene, dpa

Bereits von Ende Januar und Ende Juni 2021 wurden Beschäftigte verpflichtend ins Homeoffice geschickt, sofern das möglich war. Die für die Jahre 2020 und 2021 eingeführte Pauschale soll dabei helfen, die Kosten zu Hause zu begrenzen. Doch Steuerberater haben da ihre Zweifel.

"Die Homeoffice-Pauschale ist ein Witz", sagt Steuerberaterin Raphaela Hallermeier, die eine Kanzlei in Altdorf führt. Sie kritisiert vor allem die Deckelung der Pauschale bei 600 Euro. Wenn jemand das ganze Jahr im Homeoffice arbeite, könne er so aber trotzdem nur 120 Tage von der Steuer absetzen - das sind fünf Euro pro Tag. Zudem zähle die Pauschale zu den Werbungskosten, die bei der Steuererklärung sowieso pauschal mit 1000 Euro angesetzt werden. "Wer die Werbungskosten nicht überschreitet, bei dem geht die Homeoffice-Pauschale komplett ins Leere", so Hallermeier.

Doch wie schafft man es, über die Werbungskosten-Pauschale zu kommen, wenn die Arbeit fast nur von zu Hause aus erledigt wird? Ein Großteil der Werbungskosten entfällt normalerweise auf die Pendlerpauschale - die kann aber nur für die Tage angesetzt werden, an denen die Beschäftigten zu ihrem Arbeitsplatz fahren. Als Werbungskosten können zudem PC-Kosten, pauschale Telefonkosten, Fachliteratur, die Einrichtung des heimischen Arbeitsplatzes oder eine spezielle Fortbildung angesetzt werden. Laut Hallermeier ist das eine individuelle Sache.

Wer nicht über Werbekostenpauschale kommt, hat Pech

Was aber ist mit Strom-, Heiz- und Wasserkosten, die sonst im Unternehmen anfallen, nun aber privat getragen werden müssen? Das Vergleichsportal Check24 hat berechnet, dass sich die Stromrechnung durch das Homeoffice um bis zu 94 Euro im Jahr erhöht - Tendenz angesichts der hohen Energiepreise steigend. Der Beispielrechnung werden folgende Parameter zugrunde gelegt: die Nutzung eines Laptops, eines Monitors und einer LED-Schreibtischlampe an arbeitstäglich acht Stunden und zudem der kurze Gebrauch eines Wasserkochers oder einer Kaffeemaschine, eines Elektroherdes oder einer Mikrowelle bei einem durchschnittlichen Strompreis von 33,9 Cent pro Kilowattstunde. Die Kosten sollen laut Bundesregierung mit der Homeoffice-Pauschale, die bisher nur 2020 und 2021 gilt, abgedeckt sein. Wer jedoch bei seinen Werbungskosten nicht über die 1000 Euro kommt, der bleibt auf diesen Kosten sitzen.

Die Pauschale kann auch nicht angesetzt werden, wenn ein Arbeitszimmer bei der Steuer geltend gemacht wird. Dieses wirkt sich noch günstiger auf die Steuer aus, weil ein Teil der Miete absetzbar ist. Allerdings gelten bei Arbeitszimmern strikte Vorgaben. "Es wird in vielen Fällen abgelehnt, wenn eigentlich ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht", sagt Hallermeier. Wie diese Frage im Zusammenhang mit einer Homeoffice-Pflicht beurteilt wird, ist allerdings unklar.

CSU fordert Aufstockung und dauerhafte Fortführung der Pauschale

Ende Dezember forderte der bayerische Finanzminister Albert Füracker die neue Bundesregierung auf, die Homeoffice-Pauschale dauerhaft fortzuführen. Die Bürger wollten wissen, "auf was sie sich im nächsten Jahr einstellen können oder müssen", sagte der CSU-Politiker. Bayern setze sich für eine Pauschale von 1000 Euro im Jahr ein, denn die Arbeitswelt habe sich durch die Pandemie gewandelt.

Die Erhöhung findet Hallermeier gut, sie fordert aber auch: "Der Weg zur digitalen Arbeit ist unumkehrbar, deswegen müssen gangbare Steuerentlastungen für die Arbeitnehmer geschaffen werden, zum Beispiel dass die Regelungen zum Arbeitszimmer endlich vereinfacht werden. Der bürokratische Aufwand zum Nachweis der Notwendigkeit und der Kosten sollte komplett entfallen."