Mietmarkt

Vonovia und Deutsche Wohnen: Was die Fusion für Frankens Mieter bedeutet

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Verena Litz

Leiterin Redaktion Politik und Wirtschaft

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26.5.2021, 05:50 Uhr
Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn und der Vonovia-Vorstandsvorsitzende Rolf Buch (v. re.) informierten bei einer Pressekonferenz über die geplante Fusion der Immobilienkonzerne.

 

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn und der Vonovia-Vorstandsvorsitzende Rolf Buch (v. re.) informierten bei einer Pressekonferenz über die geplante Fusion der Immobilienkonzerne.   © Christoph Soeder, dpa

Vonovia - Deutschlands größtem Immobilienkonzern gehören rund 415.000 Wohnungen, das Gros davon befindet sich hierzulande - will mit der Deutschen Wohnen fusionieren und dafür rund 18 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Entstehen würde dadurch ein europäischer Riese mit mehr als 500.000 Wohnungen.

Deutsche Wohnen: Im Städtedreieck nicht präsent

Ein kleiner Teil davon befindet sich in der Region. In Nürnberg gehören Vonovia rund 2220 Wohnungen, in Fürth 310 und in Erlangen 245, wie das Unternehmen auf Nachfrage unserer Redaktion auflistete. Die Deutsche Wohnen habe im Städtedreieck "keine Bestände", so ein Firmensprecher.

Bei einem Zusammenschluss erwarten die beiden Noch-Rivalen eigenen Angaben zufolge durch die gemeinsame Bewirtschaftung ihrer Wohnungsbestände Kosteneinsparungen von 105 Millionen Euro im Jahr.

Eine Zahl, die Gunther Geiler aufmerksam registriert: "Da äußere ich doch mal die kecke Erwartungshaltung: Die Synergieeffekte und Einsparungen führen hoffentlich dazu, dass der neue Konzern seine Mieten länger stabil halten wird und nicht anheben muss", stichelt der Geschäftsführer des Mieterbundes Nürnberg und Umgebung. Grundsätzlich wünsche er sich mehr Wohnungen in öffentlicher Hand, "nicht in der von Aktiengesellschaften".

Hannes B. Erhardt, Geschäftsführer des Evangelischen Siedlungswerks (ESW) in Nürnberg und Vorsitzender der Vereinigung der Wohnungsunternehmen in Mittelfranken e.V, sieht die geplante Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen kritisch. Zwar sei der Wohnungsmarkt in Bayern noch recht heterogen, es gebe etliche Anbieter, darunter die sozial orientierte Wohnungswirtschaft. Aber "grundsätzlich finde ich so riesige Tanker schwierig", sagt Erhardt und ergänzt:"In Berlin wird`s schon spannend".

In der Bundeshauptstadt sind beide Konzerne präsent, für die Deutsche Wohnen ist es der Kernmarkt: Rund 70 Prozent ihres Immobilienbestandes befinden sich in Berlin.

Müssen sich Mieter Sorgen machen?

Und was bedeutet die Fusion der beiden Wohnungsriesen, so sie denn über die Bühne geht, für die Mieter, müssen sie sich Sorgen machen? Gerhard Frieser winkt ab: "Sollte es zum Wechsel des Eigentümers im Wohnungsbestand beider Firmen kommen, ändert dies an den aktuellen Rechten der Mieter erst einmal gar nichts. Die neuen Eigentümer treten in die Rechtsverhältnisse ein, so wie sie vertraglich vereinbart wurden", erklärt der Jurist und Chef des Eigentümerverbandes Haus & Grund Nürnberg.

Nach den Worten Friesers sind Mieter vor Kündigungen sehr gut geschützt, "gerade bei größeren Unternehmen", da etwa Eigenbedarfsgründe grundsätzlich nicht greifen: "Für den Fall der Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen sind Mieter zum Beispiel in Bayern bis zu elf Jahre vor Eigenbedarfskündigungen wirksam geschützt." Auch danach oder im Falle des Verkaufes seien Eigenbedarfskündigungen grundsätzlich nur schwer "und immer nur unter Abwägung der sozialen Härtegründe" möglich.

Und wie sieht es mit Mieterhöhungen aus? Auch sie seien durch bundesrechtliche Regelungen bei Neuvermietung – Stichwort Mietpreisbremse – wie auch während laufender Mietverhältnisse durch die ortsübliche Vergleichsmiete und die Kappungsgrenzen „hinreichend eingeschränkt“, sagt Frieser.

Jurist sieht mit Blick auf kleine Vermieter schwarz

Gleiches gelte für Mieterhöhungen im Zuge von Modernisierungen, so der Jurist. Und er fügt an: „Die Unternehmen wären jetzt auch schlecht beraten, gerade im Genehmigungsverfahren der Fusion Gerüchte über Mieterhöhungen oder Kündigungen aufkommen zu lassen.“

Frieser treibt mit Blick auf das Mietrecht allerdings etwas ganz anderes als die mögliche Fusion um: nämlich die Zukunft der kleinen Vermieter. Da sieht er ein Stück weit schwarz. Warum?

"Grundsätzlich gilt, dass die oben genannten Einschränkungen im Mietrecht wie auch die noch weiter geplanten Eingriffe in das Eigentum - zum Beispiel die CO2-Preisteilung zwischen Vermieter und Mieter bei den Energiekosten und die Abschaffung der Umlagefähigkeit von Kabelgebühren - gerade die kleinen Vermieter vom Markt vertreiben und Fusionen von Großunternehmen zur Steigerung der Rentabilität fördern."

Plädoyer für Kleinvermieter

Für ihn steht fest: "Der beste Mieterschutz sind Wohnungen in der Hand von Kleinvermietern, da diese überwiegend die gesetzlichen und rechtlichen Möglichkeiten gerade bei Mieterhöhungen zum Vorteil der Mieter nicht ausschöpfen."

Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch - er soll den Plänen zufolge das fusionierte Unternehmen führen - zeigt sich derweil mieter- wie auch problemorientiert: "Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche Stabilität bilden ohne Abstriche die Grundlage unserer Arbeit, denn Wohnen ist für die Menschen ein Grundbedürfnis." Gleichzeitig stehe der Wohnungsmarkt vor allem in der Bundeshauptstadt vor großen Aufgaben, so der Manager weiter, es fehlten bezahlbare und altersgerechte Wohnungen, viele Gebäude müssen energetisch saniert werden "und wir brauchen eindeutig mehr Neubau von bezahlbaren Wohnungen. Der Zusammenschluss mit Deutsche Wohnen gäbe uns jetzt die Möglichkeit, diese Herausforderungen kraftvoll anzugehen."