Altes geht, Neues kommt

Ist Erlangens Ruf als Bierstadt Geschichte? Diese neuen Brauereien geben Hoffnung

Markus Hörath
Markus Hörath

Erlanger Nachrichten

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9.1.2022, 17:30 Uhr
Die Brauerei Entla's Keller kam als Neuling in die Erlanger Brauerszene - und hat sich längst etabliert.

Die Brauerei Entla's Keller kam als Neuling in die Erlanger Brauerszene - und hat sich längst etabliert. © Harald Sippel, NN

Die Lage für kleine und mittelständische Brauereien in Deutschland ist dramatisch. Seit Jahren sinkt der Bierdurst der Verbraucher kontinuierlich und dann kam noch Corona, das die Umsätze ins Bodenlose fallen lässt. Jüngstes Opfer vor Ort: Die Gastronomie- und Hausbrau-Genossenschaft Thalermühle (Weller), die aktuell ums Überleben kämpft, weil das Bier wegen der Pandemie zu wenig Käufer findet.

Bierkonsum zurückgegangen

Laut Statistischem Bundesamt ist der Bierkonsum im ersten Jahr der Corona-Pandemie kräftig zurückgegangen. Insgesamt verkauften die deutschen Brauereien und Bierlager 8,7 Milliarden Liter Bier und damit 5,5 Prozent weniger als 2019. Das war der niedrigste Wert seit der Neufassung des Biersteuergesetzes im Jahr 1993.

Verluste schon vor der Pandemie

Der Trend ist dabei nicht erst durch die Pandemie rückläufig. Im Jahr 1993 hatte der Absatz noch bei 11,21 Milliarden Litern gelegen. Seitdem hat sich die Menge des abgesetzten Bieres um 2,5 Milliarden Liter oder 22,3 Prozent verringert.

Traditionsbrauereien schließen

Kein Wunder, dass in der Vergangenheit so manche Traditionsbrauerei ihre Pforten schließen musste. Prominentestes Beispiel in der Stadt Erlangen: Die Privatbrauerei Kitzmann, die 2018 nach über 300 Jahren ihren Braubetrieb einstellte.

Ein Nackenschlag für die einstmalige Bierstadt Erlangen. Kitzmann-Bier gibt es zwar nach wie vor. Gebraut wird es aber in Kulmbach, wo ein Großbrauer die Markenrechte übernahm.

Misstrauisch beäugter Start

Doch wo Altes geht, kommt auch Neues. Der Brauerei, der das zweifellos (und noch zu Glanzzeiten von Kitzmann) gelungen ist, an die glorreiche Tradition in Erlangen anzuknüpfen, ist die Brauerei Steinbach, die bereits 1995 - noch unter Senior Dieter Gewalt, aber bereits mit Unterstützung seiner Söhne Jörg (als Mälzer in Zirndorf) und Christoph (als Braumeister) - einen anfangs misstrauisch beäugten Neustart hinlegte und alle Skeptiker längst überzeugt hat.

Feste Größe in der Stadt

Mittlerweile ist die Brauerei in der Vierzigmannstraße eine feste Größe in der Stadt; die Promi-Treffs auf dem Steinbach-Keller während der Bergkirchweih Legende. Und Steinbach ist Inkubator für ganz neue Entwicklungen im Brauwesen. Anschubhilfe gab's zum Beispiel für die Klein-Brauerei „German Kraft Beer Brewery“ im Londoner Stadtteil Elephant and Castle, die sich binnen kürzester Zeit zur Erfolgsgeschichte entwickelte.

Eckentalerin in London

Mitinhaberin der „German Kraft Beer Brewery“ ist Silvia Bollen, die ursprünglich aus Eckental stammt und in Erlangen das Christian-Ernst-Gymnasium besuchte. Seit dieser Zeit kennt sie über Freunde Christoph Gewalt, der am Fridericianum die Schulband drückte.

Neugründungen in Erlangen

Während die Brauerei Steinbach sich längst etabliert hat, müssen sich zwei Neugründungen in Erlangen noch ihre Meriten verdienen. Da ist zum einen die Entla's Bräu auf dem Bergkirchweihgelände, wo sich Vincenz Schiller, Sohn von Entlas-Keller-Wirt Fritz Engelhardt, einen Lebenstraum verwirklicht hat.

In den Burgberg gebaut

Die Besonderheit: Schillers Brauerei wurde quasi in den Burgberg hineingebaut. Gär- und Lagertanks im Neubau befinden sich neben dem als "Kessel" bekannten Bergabschnitt. Verkosten lässt sich das süffige Bier vor der Haustür auf dem eigenen Keller, dem einzigen, der während der Saison auf dem Bergkirchweihgelände betrieben wird.

Bier und Karpfen

Eine Erfolgsgeschichte mit Bier und Karpfen made in Erlangen wird darüber hinaus in der Kosbacher Fischerei Oberle, wo seit 2020 ein "Hofbräu" gebraut und ausgeschenkt wird. Die Idee zu diesem Konzept kam Peter Oberle ausgerechnet am anderen Ende der Welt, als er in Australien ein Fischerei-Praktikum machte. Angeregt durch einen Bekannten der Familie beschloss er, nach seiner Rückkehr in die "Fischerei" im Erlanger Ortsteil Kosbach selbst Bier zu brauen.

Erster Sud im Waschbottich

Los ging es mit einem großen Waschbottich, in dem der erste Sud eingemaischt wurde.

Mittlerweile verfügt Oberle über eine veritable Brauanlage, die in der Scheune der Fischerei untergebracht ist und einen Durchsatz von bis zu 600 Liter pro Sud hat.

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