Bundeswettbewerb

Erneut: Deutschlands beste Klavierbauerin kommt aus Fürth

11.1.2022, 15:30 Uhr
 „Die Entscheidung für diesen Beruf war die beste, die ich bis heute getroffen habe“: Tanja Meier ist Auszubildende bei Klavier Kreisel in Fürth und neuerdings auch stolze Siegerin beim Bundeswettwerb der Klavierbauer.

 „Die Entscheidung für diesen Beruf war die beste, die ich bis heute getroffen habe“: Tanja Meier ist Auszubildende bei Klavier Kreisel in Fürth und neuerdings auch stolze Siegerin beim Bundeswettwerb der Klavierbauer. © Ron Hübner

"„Was machst du? Krass! Davon habʼ ich ja noch nie gehört." Tanja Meier kennt solche Reaktionen, wenn die Rede auf ihre Arbeit kommt. Die 25-Jährige ist Klavierbauerin und sagt: "Die Entscheidung für diesen Beruf war die beste, die ich bis heute getroffen habe." Nicht nur das. Die Auszubildende von Klavier Kreisel in den Fürther Malzböden ist in Deutschland auch die Beste in ihrem Metier. Gerade hat sie den ersten Platz beim Bundeswettbewerb der Handwerksjugend im Klavierbau belegt.

Dabei galt ihre Begeisterung in Kindertagen zunächst dem Saxophon. "Als ich in der dritten Klasse der Grundschule war, bekam meine beste Freundin so ein Instrument", erinnert sich die junge Fürtherin. "Ich durfte es ausprobieren und wollte auch eines."

Ihre Mutter reagierte diplomatisch: "Sie meinte, ich soll erst einmal Blockflöte lernen." Tanja Meier bewies, dass es ihr Ernst ist und brachte sich selbst das Flötespielen bei. "Dann habe ich tatsächlich ein eigenes Saxophon bekommen, das am Anfang fast so groß war wie ich, und bekam Unterricht."

"Natürlich denke ich darüber nach, den Meister zu machen": Dafür aber müsse sie noch mehr Erfahrung sammeln, sagt Tanja Meier. © Ron Hübner

Nach dem Abitur engagierte sie sich in einem freiwilligen sozialen Jahr in der Fürther Musikschule und bereitete sich währenddessen auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vor. "Ich wollte Saxophon studieren, aber irgendwann hat sich das nicht mehr richtig angefühlt, und Gott sei Dank hat es dann nicht geklappt." Ein anderes Studium war auch nicht wirklich ihr Ding. "Da muss man ja wieder sitzen, lernen, Prüfungen schreiben – wie in der Schule."

Auch ihr Kollege holte den Titel

Sie sah sich lieber nach einer Ausbildung um und entdeckte einen Artikel in den FN. Es ging um Felix Eul, der heute ihr Kollege ist und damals als Auszubildender bei Klavier Kreisel den gleichen Wettbewerb gewonnen hatte wie sie jetzt. "Ich habʼ das gelesen und dachte, das klingt cool und könnte genau das sein, was mir Spaß macht."

Damit lag sie goldrichtig. Sie bewarb sich zunächst um ein Praktikum und durfte dann die Ausbildung in dem renommierten Traditionsbetrieb beginnen, der seit sechs Generationen in Familienhand ist. Ihre Erwartungen, sagt sie, wurden erfüllt: "Es war richtig gut, der Chef und die Kollegen haben sich immer Zeit genommen, mir alles erklärt und Schritt für Schritt so gezeigt, dass ich es nachvollziehen konnte."

Die dreieinhalbjährige Ausbildung ist breitgefächert: "Die enorme Bandbreite macht den Beruf abwechslungsreich." Die bundesweit einzige Berufsschule für Klavier- und Cembalobau ist in Ludwigsburg bei Stuttgart. Im Blockunterricht geht es dort neben dem Werkstattunterricht zum Beispiel um Materiallehre, Musikgeschichte, Mathe oder um die Kunst, ein Klavier zu stimmen.

Um nach der Ausbildung überhaupt an dem Wettbewerb, dessen Endstufe Tanja Meier auf Bundesebene gewonnen hat, teilnehmen zu dürfen, ist die Abschlussnote entscheidend. Als Prüfungsaufgabe musste sie dann "einen Resonanzboden, Bodenlager und zwei Rippen anfertigen und zusammensetzen".

Hat die 25-Jährige jetzt neue Pläne für die Zukunft? "Natürlich denke ich darüber nach, den Meister zu machen." Ihre Tendenz, verrät sie, sei "eher so, dass ich es mache". Aber Tanja Meier weiß, dass für diesen Schritt zunächst "noch viel mehr Erfahrung" wichtig ist: "Da lernt man einfach noch mal auf einem ganz anderen Niveau." Ihre Entscheidung muss sie nicht sofort treffen, der nächste Meister-Lehrgang beginnt erst in anderthalb Jahren.

Ihr Hobby? Tische bauen

Tanja Meiers Antwort auf die Frage nach Hobbys ist auch ziemlich ungewöhnlich, sie lautet: "Tische bauen." Soll heißen: "Alles was in Richtung handwerkliches Basteln mit Holz geht, macht mir Spaß." Sie lacht: "Für Silvester habe ich am Vormittag noch eine Etagere gebaut, damit wir unser Essen gut auf den Tisch stellen konnten."

Natürlich spielt Musik für die junge Frau auch im Privatleben eine Rolle: "Ich höre eigentlich alles, von Pop bis Klassik, Metal bis Jazz." Eine Ausnahme gibt es: Techno oder Electro mag sie nicht. Und dann ist da natürlich das Saxophon, das sie nach wie vor gerne spielt. Inzwischen hat sie sich der Metropol Philharmonic Big Band angeschlossen, weil "das Spielen zusammen viel mehr Spaß macht".

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