Verein lädt zur Geburtstagsfeier

Lahma-Bräu aus Langenzenn: Das ist handgemachtes Bier

Harald Ehm
Harald Ehm

Fürther Nachrichten

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8.5.2022, 09:59 Uhr

© Foto: Harald Ehm

Welches Bier servieren Sie denn den Besuchern Ihres Brauereifestes am 21. Mai, Herr Marschall?

Wolfgang Marschall: Normalerweise machen wir helles und dunkles Bier. An unserem Fest gibt es aber auch Spezialbiere, die wir in kleinen Gläsern ausschenken: etwa das Schlotfegerla mit einer rauchigen Note und ein kaltgehopftes Helles mit einem fruchtigen Geschmack. Dabei wird der Hopfen nicht gekocht, sondern bei der Gärung kalt zugesetzt, dabei entwickelt er keine bitteren Aromen, was er sonst ja soll, sondern fruchtige.

Wie läuft das mit dem Brauen?

Wolfgang Marschall: Wir haben verschiedene Gruppen, die aber für unsere Feste nach einheitlichen Rezepten brauen. Wir machen kein Industriebier. Das ist immer individuell. Denn im Gegensatz zu Großbrauereien haben wir beispielsweise keine Rohstoffüberwachung und jede Abweichung, ob beim Malz oder beim Hopfen, verändert die Geschmacksnuancen. Wir können keine Analysen betreiben, um Schwankungen auszugleichen. Das brauchen wir auch nicht, unser Bier ist schließlich handgemacht.

Haben Sie sich als Biertrinker verändert, seit Sie selbst brauen?

Wolfgang Marschall: Wenn ich früher in die Fränkische Schweiz gefahren bin, war ich meistens von den Bieren begeistert – egal, wie die im Glas geglotzt haben. Jetzt denke ich mir manchmal: Das hätten wir besser hingekriegt.

Aus den Erfahrungen bei Lahma-Bräu: Welches Bier stellt die größten Herausforderungen an den Brauer?

Wolfgang Marschall: Ich finde, Weizen. Wir haben 2019 mal eines mit weichem Geschmack und einer Bananennote gebraut. Aber den Gästen hat es nicht so geschmeckt. Außerdem verliert es innerhalb weniger Wochen an Aroma. Aktuell hat Klaus Kozlovsky aber eine kleine Charge gebraut. Er ist unser Mann, der sich in die Rezepte hineinfuchst. Wenn uns das Weizen schmeckt, dann nehmen wir es natürlich bei einer der nächsten Gelegenheiten ins Programm.

Warum sind die Brauer in Langenzenn überhaupt in einem Verein organisiert?

Wolfgang Marschall: Begonnen hat alles Ende der 90er Jahre mit einem Braukurs in der Volkshochschule, den Braumeister Walter Simon gehalten hat. Da haben sich ein paar Leute, darunter auch ich, angemeldet. Hinterher trafen wir uns lose und brauten – in Gärten, Garagen, Schuppen und Carports. Das sind dann jeweils 60 bis 70 Liter herausgekommen. Es war immer sehr lustig, denn oft wurde mehr Bier getrunken, als wir gebraut haben. Gemerkt hat man das am Brauprotokoll, das dabei geführt wurde. Je länger der Tag, desto unleserlicher wurde es. Und vermutlich wäre das bis heute so geblieben . . .

Wenn nicht was passiert wäre?

Wolfgang Marschall: Ich bin auch bei der Hans-Sachs-Spielgruppe aktiv. Wir, die Brauer, hatten im heutigen Kulturhof, der früheren Brauerei Zum Schwan, auch ab und zu gebraut. Als klar war, dass das Areal saniert und umgebaut würde, kam die Idee auf, dass wir in den Räumlichkeiten, wo jetzt die Gaststätte ,Otto I‘, untergebracht ist, eine Schaubrauerei einrichten. Das stand sogar in einem Nutzungskonzept. Doch um das umzusetzen, mussten wir ein Verein sein, den haben wir im Februar 2012 gegründet.

Wie kam es eigentlich zu dem Namen?

Wolfgang Marschall: Langenzenn ist eine Ton-Stadt. In der Hochzeit gab es hier einmal vier Ziegeleien. Früher wurde der Ton mit den Füßen eingestampft – und zwar von den Lahma-Tretern.

Der Kulturhof ist saniert, eine Schaubrauerei gibt es aber nicht, warum?

Wolfgang Marschall: Bürgermeister Jürgen Habel ist auf uns zugekommen. Er hat uns nicht nur darauf hingewiesen, dass es noch lange mit dem Kulturhof dauern würde – am Ende waren es ja rund zehn Jahre –, sondern er hat uns auch noch das alte Milchhaus als Quartier angeboten, nachdem der Weltladen Caracol in die Rosenstraße umgezogen war. Als wir das erste Mal hier drinnen waren, haben wir glänzende Augen bekommen und gesagt: ,Hier bleiben wir.‘ Angefangen haben wir mit einer Holzfeuerung unter dem Braukessel und einem Schornstein aus dem Fenster, dann kamen Propangasflaschen, später ein Gasanschluss – alles, auch unsere Gerätschaften, wurde immer professioneller.

Wenn man sich hier umschaut: die Theke, die Zapfanlage, die Tische – wie in einer kleinen Wirtschaft. Schenken Sie bei Lahma-Bräu auch aus?

Wolfgang Marschall: Ja, wir haben eine Schankerlaubnis. Das war mein Ziel, denn es kamen und kommen immer wieder Leute vorbei, wenn wir brauen, und wollen gerne ein Seidla. Aber das war ein langer Prozess, ich habe vor der Corona-Pandemie einen Antrag gestellt. Nach einem Jahr haben wir sie dann bekommen.

Warum dauerte das so lange?

Wolfgang Marschall: Ich brauchte: ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Gesundheitszeugnis, einen Gewerbeschein und einen Crashkurs für Gastwirte bei der IHK. Dann mussten wir eine Umnutzung beantragen, weil das ein Milchhaus und keine Wirtschaft bzw. Brauerei mit Schankrecht war. Dazu benötigten wir einen Bauplan vom Gebäude. Schließlich kam das technische Umweltamt und wollte unser Brauverfahren erläutert haben. Obwohl uns die Stadt und das Landratsamt sehr gut unterstützt haben, hat es sich gezogen. Aber jetzt sind wir eine Brauerei mit Schankerlaubnis, an allen Samstagen.

Haben Sie schon erste Erfahrungen gemacht und wie oft wollen Sie die Erlaubnis überhaupt nutzen?

Wolfgang Marschall: Vergangenes Jahr zwei Mal und heuer im April. Mir war die Nachfrage dabei fast ein bissl zu arg. Der Grundgedanke war einmal, das jeden zweiten Samstag im Monat zu machen. Aber wir sind wetterabhängig und wollen weder unsere Vereinsmitglieder noch die Nachbarschaft über Gebühr strapazieren. Wir sind auch kein gewerblicher Betrieb, sondern machen das aus Spaß.

Und was erwartet die Besucher nun zum Brauereifest am 21. Mai?

Wolfgang Marschall: Es geht ab 13 Uhr los. Wir haben ein Musikprogramm, unter anderem mit der Stadtkapelle und Alphornbläsern aus dem Allgäu, die hat unser 2. Vorstand Jürgen Schramm aufgetan. Sie waren schon bei unserem Fünfjährigen dabei und haben sich jetzt wieder von selbst gemeldet. Wir haben sogar eine Bierprinzessin, Eva I. Und weil Bier Hunger macht, gibt es neben Bratwürsten fränkische Pizza mit Backstaakäs. Das Backhaus der Hans-Sachser ist dafür in Betrieb, da bin ich ja auch Backmeister. Ich kann also frei nach Rumpelstilzchen sagen: ,Heute back ich, morgen brau ich . . .‘

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