Sanierung

Marstall: So plakativ wehrt sich das Fürther Frauenmuseum gegen das drohende Aus

Matthias Boll
Matthias Boll

Lokalredaktion Fürth

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12.1.2022, 09:00 Uhr
Anschaulich: Eine Ausstellung des Frauenmuseums 2020 widmete sich dem Thema Frauen und Technik in der Metropolregion.

Anschaulich: Eine Ausstellung des Frauenmuseums 2020 widmete sich dem Thema Frauen und Technik in der Metropolregion. © Foto: Hans-Joachim Winckler

"Es war absehbar", verlautet aus dem Leitungsteam der bayernweit einzigartigen Kulturinstitution, wo kurz vor Weihnachten weniger die Nachricht über den Verkauf der Barock-Immobilie für Fassungslosigkeit sorgte, als der Stil der Übermittlung.

"Wir haben es aus der Zeitung erfahren dürfen", berichtet Ariane Niehoff vom Vorstand des Museums Frauenkultur Regional-International. Nämlich dies: Die Stadt, nicht imstande, rund acht Millionen Euro Sanierungskosten für den baufälligen Marstall zu stemmen, veräußert, wie berichtet, den 1734 errichteten Sandsteinquaderbau an den Fürther Investor MIP. Das Museum, das im Erdgeschoss rund 200 Quadratmeter Ausstellungs- und Tagungsfläche sowie ein Lager im Dachgeschoss nutzt, zieht den Kürzeren.

"Diese Nicht-Kommunikation bestätigt, wie man in Fürth mit Kultur umgeht", meint Niehoff. Ein Kalenderjahr, 2022, bleibt den Frauen noch laut einer Zusage von OB Thomas Jung, dann muss aller Voraussicht nach ein neues Domizil her – voraussichtlich, weil es, bedingt durch die Feiertage, bislang keinen Kontakt zwischen MIP-Chef Philipp Streng und dem Museumsteam gab.

Schlusstag 31. Dezember?

Das soll sich rasch ändern, die Vorständlerinnen wollen Streng noch in dieser Woche einen Brief schreiben und Fragen stellen. "Wir wüssten gern, ob wir 2022 zu den aktuellen Konditionen im Marstall bleiben können, und ob unser Schlusstag wirklich der 31. Dezember ist", so Niehoff. Es nütze ja wenig, wenn das Museum – nächster Vernissage-Termin: 6. Mai – vor sich hin arbeite, während ab Frühjahr oder Sommer ringsum die Baumaschinen toben.

Zerschlagen hat sich derweil der Plan, abermals in Burgfarrnbach Unterschlupf zu finden. Der in Nürnberg gegründete Verein "Frauen in der Einen Welt", dessen Museum 2006 in den Marstall zog, hatte im Herbst durch Vermittlung des dritten Bürgermeisters Dietmar Helm eine Scheune an der Würzburger Straße in Aussicht gestellt bekommen.

Niehoff: "Erstens hat die Scheune weder ein Lager noch Wasser oder Strom. Und von der riesigen Umbausumme abgesehen: Wir sind ein Frauenmuseum, keine Bauherren." Der Stadt gehöre die Scheune, es läge an ihr, zumindest finanziell den Weg fürs Museum zu ebnen. Ein weiteres Gespräch mit Helm ist zwar für diesen Donnerstag anberaumt, so richtig glaubt jedoch niemand mehr an die Scheune.

Kooperation mit dem Frauenhaus

Auch die alte Poppenreuther Dorfscheune sei dem Verein vorgeschlagen worden. Obwohl die deutlich besser in Schuss sei als jene in Burgfarrnbach, scheitere auch dieses Vorhaben am Geld, so Niehoff, die ihrerseits einen Plan verfolgt. "Es wäre grandios, wenn die Stadt ein Haus fände, das wir gemeinsam mit dem Frauenhaus betreiben könnten." Wie berichtet, sucht auch das Frauenhaus neue Räume und möchte mit einem offenen Konzept seine Adresse nicht mehr geheim halten.

Und jetzt? "Wir wollen ein bisschen Tamtam machen, auch wenn es wenig nützen wird", sagt Niehoff über die soeben angelaufene Plakataktion. Künstlerinnen und Kreative sollen mit "anregenden und aufregenden Postern" für den Erhalt des Museums eintreten. Aus allen Einsendungen will der Verein ab 8. März, dem internationalen Frauentag, mindestens acht Plakatwände im Fürther Stadtbereich gestalten und weitere 15 Plakate an anderen öffentlichen Orten platzieren. Eine Sonderausstellung mit den Arbeiten soll es im Juli geben. Im Museum.

Alle Informationen zur Plakataktion gibt es unter www.frauenindereinenwelt.de

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