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Streik bei Ikea in Fürth: Protest bei Eiseskälte geht auch am Samstag weiter

Luisa Degenhardt

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Hans-Joachim Winckler

Redaktion Fürth

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16.12.2022, 11:31 Uhr
"Ene mene meck, dein Arbeitsplatz ist weg?" Am 16. Dezember wird vor der Fürther Ikea-Filiale gestreikt. 

© Hans-Joachim Winckler, NN "Ene mene meck, dein Arbeitsplatz ist weg?" Am 16. Dezember wird vor der Fürther Ikea-Filiale gestreikt. 

Die Angestellten sind wütend und fordern gesunde Arbeit in Zeiten der Digitalisierung. Verlangt wird ein Tarifvertrag, der mehrere Bereiche abdeckt, darunter Gesundheitsschutz, Digitalisierung und Qualifizierung. Der weltweit agierende Möbelhändler weigere sich grundsätzlich, über einen solchen Tarifvertrag zu verhandeln, so die Gewerkschaft Verdi.

Deshalb streikten die Ikea-Angestellten in Fürth am 16. Dezember unter dem Motto "Auch wir ver.dienen gesunde Weihnachten." Von 8 bis 10 Uhr fand am Parkplatz an der Hans-Vogel-Straße die Kundgebung statt. Am Morgen entschied man sich dann dazu, den Streik auch am Samstag fortzusetzen.

Die ersten Mitarbeitenden trafen sich am Freitag bereits um 2.30 Uhr zum Protest am Rand des Parkplatzes, den ihnen die Geschäftsleitung zugewiesen hatte. Am Morgen waren noch etwa 20 Mitarbeitende übrig, die bei Eiseskälte ihren Unmut mit Transparenten, Fahnen und Worten kundtaten. Wenigstens konnten sie sich ein wenig aufwärmen: Bei Vroni - The Vintage Van gab es heiße Getränke.

Schon jetzt arbeiten die Beschäftigten Verdi zufolge in völliger Unterbesetzung. "Wir schaffen unsere eigene Arbeit nicht mehr und sind nur noch am Springen in andere Abteilungen" so ein Mitarbeiter. Die Unzufriedenheit ist groß. Die Krankenquote steigt kontinuierlich aufgrund von Überlastung durch den chronischen Personalmangel.

„Frustration und Ausweglosigkeit sind mittlerweile leider Alltag“, sagte Felix Grabe, der vor Jahren bei Ikea mit seiner Ausbildung begonnen hatte. Mirza Jukic, seit über 25 Jahren dabei, pflichtete ihm bei: „Es gibt viele Missstände bei uns, manche habe wir sehr lange ertragen.“ Daher sei es nun umso wichtiger, für die Rechte der Beschäftigen einzustehen.

Jaana Hampel, zuständig bei Verdi Mittelfranken für Ikea, hält fest: "Wir sind für Digitalisierung. Diese muss aber mit den Menschen gemacht werden und nicht gegen sie. Schon jetzt spüren unsere Kolleg*innen hier den ungemeinen Personaldruck und werden krank durch die Folgen. Ikea muss sich an den Verhandlungstisch setzen."

Aus Sicht der Gewerkschaft müssen in einem Zukunftstarifvertrag unter anderem nachhaltige Maßnahmen zum Gesundheitsschutz, Beschäftigungssicherung und ein Anspruch auf Qualifizierung bei Änderung von Arbeitsplätzen vereinbart werden. Die Tatsache, dass sich das Unternehmen den Verhandlungen entzieht, zwinge die Beschäftigten, auf die Straße zu gehen, um öffentlich Druck zu machen.

Hintergrund: Bereits 2020 hat Verdi Ikea laut eigenen Angaben zu Verhandlungen über einen Digitalisierungstarifvertrag aufgefordert. Bis jetzt habe es hierzu keinerlei Bewegung bei der Unternehmensleitung gegeben. Im November 2022 habe sie ihre Position bekräftigt und angekündigt, keine Verhandlungen über einen Digitalisierungstarifvertrag führen zu wollen. Ob der Streik zum Erfolg führt, bleibt abzuwarten.

Bundesweit finden dieser Tage Streiks in den Ikea-Einrichtungshäusern statt. Für Kunden könnte es wegen des Streiks an beiden Tagen Einschränkungen geben.

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