Umstrittene Pläne

40 Prozent weniger Gesang? Protest gegen Kürzungen im Chor der Bayreuther Festspiele

Thomas Heinold

Kultur/ Leben

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24.11.2023, 13:28 Uhr
Stehen hier bald 54 Leute weniger auf der Bühne? Laut Plänen der Bayreuther Festspiele soll beim Festspielchor 40 Prozent der Stellen abgebaut werden. Szene aus dem "Fliegenden Holländer" der Bayreuther Festspiele im Jahr 2018. 

© Enrico Nawrath/dpa, NNZ Stehen hier bald 54 Leute weniger auf der Bühne? Laut Plänen der Bayreuther Festspiele soll beim Festspielchor 40 Prozent der Stellen abgebaut werden. Szene aus dem "Fliegenden Holländer" der Bayreuther Festspiele im Jahr 2018. 

Soll die Festwiesenszene der "Meistersinger von Nürnberg" in Zukunft mit 54 Sängerinnen und Sängern weniger bestritten werden? Rein rechnerisch könnte man dies annehmen, nachdem die Leitung der Bayreuther Festspiele die Absicht bekanntgab, den weltberühmten Bayreuther Festspielchor um 40 Prozent von 134 auf 80 Stellen zu kürzen.

In einer ersten Reaktion haben sich der Chorvorstand und die Vertreter der Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles (VdO) deutlich gegen eine solche Reduzierung ausgesprochen.

VdO und Chorvorstand äußerten ihr Unverständnis über die geplanten drastischen Einschnitte und fordern von der Festspielleitung konkrete Zahlen und Begründungen für diese Entscheidung. Sie hinterfragen die Einsparpläne und betonen die Notwendigkeit belastbarer Zahlen, um eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden. Sie fordern Antworten auf Fragen zur geplanten Budgetkürzung, Einblicke in die Wirtschaftspläne der kommenden Jahre sowie die Gründe für das Defizit und die angestrebten Einsparungen.

Viele von Richard Wagners Opern zeichnen sich durch monumentale Chorszenen aus, für die viele Sängerinnen und Sänger benötigt werden. Der Bayreuther Festspielchor hat einen Ruf von Weltrang. Umso stärker ist der Protest, der sich jetzt gegen die Sparpläne richtet.

Viele von Richard Wagners Opern zeichnen sich durch monumentale Chorszenen aus, für die viele Sängerinnen und Sänger benötigt werden. Der Bayreuther Festspielchor hat einen Ruf von Weltrang. Umso stärker ist der Protest, der sich jetzt gegen die Sparpläne richtet. © Enrico Nawrath/dpa, NNZ

Gerade künstlerische Gründe sprechen laut der Stellungnahme gegen einen Stellenkahlschlag: "Der besondere Chorklang, der - weltweit einzigartig - traditionell zu den Bayreuther Festspielen gehört, kann bei einer Reduktion auf 80 Mitglieder nicht in gleichem Maße erzeugt werden."

Die Festspielleitung wurde darauf hingewiesen, dass die vorgeschlagene Chorstärke nicht den künstlerischen Anforderungen entspricht und die Qualität der Aufführungen beeinträchtigen wird. Die vorgesehene Reduktion der tarifvertraglich fixierten Größe des Chores um 40 Prozent bzw. 54 Personen hätte erhebliche Auswirkungen, die nicht berücksichtigt wurden. So besteht der Festspielchor circa zur Hälfte aus freischaffenden Sängerinnen und Sängern, für die das Engagement bei den Bayreuther Festspielen ein wichtiger Grundstock des Jahreseinkommens darstellt.

Die Festspielleitung wurde aufgefordert, nicht nur über Einsparungen nachzudenken, sondern auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen, wie erweitertes Sponsoring oder Unterstützung aus politischen Kreisen, insbesondere nach dem Statement des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zugunsten der Festspiele während der Festspielsaison 2023.

VdO und Chorvorstand betonen die Bereitschaft zu konstruktiven Gesprächen unter der Voraussetzung, dass konkrete Zahlen und Pläne für die angestrebten Maßnahmen vorgelegt werden. Die Bayreuther Festspielleitung wurde um eine Stellungnahme, insbesondere zur behaupteten Finanzierungslücke sowie sonstigen Einsparmöglichkeiten, gebeten, hat jedoch bis dato nicht geantwortet.

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