Lesung in Nürnberg

Das irdische Ende von Dürers Nashorn: Jan Wagner präsentiert im Literaturhaus seine neuen Gedichte

Wolf-Ulrich Ebersberger

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21.1.2024, 11:00 Uhr
Er bekam auch schon den Büchnerpreis: Alltags-Lyriker Jan Wagner.

© Nadine Kunath/Hanser Er bekam auch schon den Büchnerpreis: Alltags-Lyriker Jan Wagner.

Mit Gedichten, so ist es leider, lockt man auf dem Literaturmarkt meist keinen alten Hund hinter dem Ofen hervor. Es geht aber auch anders, manchmal zumindest. Und Jan Wagner, alle Achtung, schaffte es mit seinen „Regentonnenvariationen“ ja sogar, 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse zu ergattern – was sonst nur Romanen gelingt.

Der Blick nach unten

„Regentonnenvariationen“: schon der Titel zeigte den Mut des Dichters, den Blick ganz unten, ganz auf das für andere triste und banale Leben der Alltagsdinge gerichtet zu halten. Unvergessen der Augenblick, als der ausgezeichnete Autor, 1971 in Hamburg geboren, dann sogar in den Spätnachrichten auftauchte und seine Ode an den von allen Gärtnern heißgehassten Giersch selbst in die Kamera rezitieren durfte... ein Meisterschüler mit Humor!

Er ist sich treu geblieben. Nächste Woche am 24. Januar 2024, 19 Uhr, stellt Wagner im Nürnberger Literaturhaus seinen neuen Band mit Lyrik vor, und der heißt ebenso schlicht wie programmatisch „Steine & Erden“ (Hanser Berlin, 22 Euro). Geht‘s noch tiefer, irdischer, elementarer?

Bis in den Himmel hoch

Natürlich ist das eine Steilvorlage für Wagner, der 2017 dann auch noch den Büchnerpreis gewann, und ganz genau weiß, wie sich aus einfachster Materie feine Bilder, Erkenntnisse und Gedanken schürfen lassen, die hell im Kopf leuchten und mitunter himmelhoch ausgreifen.

Sommerlich summen „wespen“ und „fliegen“ (Wagner schreibt alles klein) durch seine Verse, klappert ein „streichholz“ einsam in der Schachtel und flackert kurz auf – wie ein Menschenleben.

Jan Wagner (rechts) hat es auch in Michael Krügers schönen Autoren-Erinnerungsband "Männer, die Rosen schneiden" geschafft, wie das Foto von Isolde Ohlbaum belegt.

Jan Wagner (rechts) hat es auch in Michael Krügers schönen Autoren-Erinnerungsband "Männer, die Rosen schneiden" geschafft, wie das Foto von Isolde Ohlbaum belegt. © Ohlbaum/Schirmer/Mosel

Da muss ein alter Herr auf der Parkbank blitzartig niesen, worauf seine Frau ihm wie der Donner folgt, „neben ihm, aber drei kilometer entfernt“ – und löst so die Erinnerung an ein Gewitter in den Bergen aus, klatschnass und erotisch, man war ja zu zweit.

Ende als Lumpensack

Nürnberger wiederum dürfen sich über den Auftritt von „dürers rhinozerus“ freuen, das der Künstler bekanntlich nie sah – und dessen bizarre Geschichte Jan Wagner schier barock referiert... bis zum lumpigen Ende, ausgestopft und ausgedient.


Karten vorab nur online unter www.literaturhaus-nuernberg.de

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