Das sollten Sie in diesem Monat lesen

Menasse, Ernaux & Wulf: Unsere Buchtipps für einen stürmischen November!

23.11.2022, 09:20 Uhr
Ach, wie wir ihr es gönnen! Kaum war der Nobelpreis verkündet, war die Nachfrage nach Annie Ernaux' neuem Buch so groß, dass die Auflage vergriffen war...  Aber es lohnt sich in jedem Fall, auf "Das andere Mädchen" zu warten, das die Stärken der französischen Autorin wieder in aller Kürze auf den Punkt bringt. Es ist ein Brief an eine Unbekannte, die doch nicht unwichtig war im Leben der Familie: eine Schwester, die bereits zwei Jahre vor Annies Geburt gestorben war, noch als kleines Kind. Nur durch Zufall erfuhr sie von deren Existenz - und spürt ihr hier, als deren Ersatz und Wiedergängerin sie sich begreift, ganz unsentimental und doch bewegend nach. (Suhrkamp, 18 Euro) Wolf Ebersberger
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Ach, wie wir ihr es gönnen! Kaum war der Nobelpreis verkündet, war die Nachfrage nach Annie Ernaux' neuem Buch so groß, dass die Auflage vergriffen war...  Aber es lohnt sich in jedem Fall, auf "Das andere Mädchen" zu warten, das die Stärken der französischen Autorin wieder in aller Kürze auf den Punkt bringt. Es ist ein Brief an eine Unbekannte, die doch nicht unwichtig war im Leben der Familie: eine Schwester, die bereits zwei Jahre vor Annies Geburt gestorben war, noch als kleines Kind. Nur durch Zufall erfuhr sie von deren Existenz - und spürt ihr hier, als deren Ersatz und Wiedergängerin sie sich begreift, ganz unsentimental und doch bewegend nach. (Suhrkamp, 18 Euro) Wolf Ebersberger © Suhrkamp/Montage: Sabine Schmid

Der Name "Erdogan" fällt kein Mal, und trotzdem macht Lucy Fricke sich den autokratischen türkischen Präsidenten zum Feind. In der Türkei darf sich die deutsche Autorin (mit "Töchter" landete sie 2018 einen Heiterkeitserfolg) nach diesem Roman, der auch noch auf ein Schreibstipendium in Istanbul zurückgeht, vorerst nicht mehr blicken lassen. In "Die Diplomatin" erzählt sie anhand der Konsulin Friederike Andermann aktualitätskritisch, wie kleinteilig und auf welchem Boden der Tatsachen das Auswärtige Amt in der Welt arbeiten muss. Und dann hat die Hauptfigur auch noch ihre eigene Identitätskrise zu managen. Eine reife Leistung, auch dank des herrlich lakonischen Humors. (Claassen, 22 Euro) Isabel Lauer
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Der Name "Erdogan" fällt kein Mal, und trotzdem macht Lucy Fricke sich den autokratischen türkischen Präsidenten zum Feind. In der Türkei darf sich die deutsche Autorin (mit "Töchter" landete sie 2018 einen Heiterkeitserfolg) nach diesem Roman, der auch noch auf ein Schreibstipendium in Istanbul zurückgeht, vorerst nicht mehr blicken lassen. In "Die Diplomatin" erzählt sie anhand der Konsulin Friederike Andermann aktualitätskritisch, wie kleinteilig und auf welchem Boden der Tatsachen das Auswärtige Amt in der Welt arbeiten muss. Und dann hat die Hauptfigur auch noch ihre eigene Identitätskrise zu managen. Eine reife Leistung, auch dank des herrlich lakonischen Humors. (Claassen, 22 Euro) Isabel Lauer © Claassen/Montage: Sabine Schmid

Ob es die Fortsetzung eines guten Romans wirklich braucht? Man zweifelt ein wenig, wenn man nach dem leidenschaftlichen Europa-Bekenntnis, das Robert Menasse in "Die Hauptstadt" kundgetan hat, nun "Die Erweiterung" nach 650 Seiten etwas müde aus der Hand legt. Menasse konstruiert hier, freilich penibel recherchiert und glänzend fabuliert, eine grenzüberschreitende Geschichte über den verzweifelten Versuch Albaniens, Mitglied im Staatenbund zu werden. Mit (zu) viel Personal, Histörchen und Hinterzimmer-Geplauder gelingt ihm hier aber mehr eine ausufernde Anekdotensammlung denn eine schlüssige Erzählung. Trotzdem: Spaß macht diese europäische Irrfahrt dennoch über weite Strecken (Suhrkamp, 28 Euro) Bernd Noack
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Ob es die Fortsetzung eines guten Romans wirklich braucht? Man zweifelt ein wenig, wenn man nach dem leidenschaftlichen Europa-Bekenntnis, das Robert Menasse in "Die Hauptstadt" kundgetan hat, nun "Die Erweiterung" nach 650 Seiten etwas müde aus der Hand legt. Menasse konstruiert hier, freilich penibel recherchiert und glänzend fabuliert, eine grenzüberschreitende Geschichte über den verzweifelten Versuch Albaniens, Mitglied im Staatenbund zu werden. Mit (zu) viel Personal, Histörchen und Hinterzimmer-Geplauder gelingt ihm hier aber mehr eine ausufernde Anekdotensammlung denn eine schlüssige Erzählung. Trotzdem: Spaß macht diese europäische Irrfahrt dennoch über weite Strecken (Suhrkamp, 28 Euro) Bernd Noack © Suhrkamp/Montage: Sabine Schmid

Barbados, Paradies in der Karibik? Das mag für die Menschen stimmen, die hier Urlaub machen oder ein paar Monate im Jahr in ihren Luxusvillen Hof halten. Wer hier aufwächst und zum Bleiben verurteilt ist, muss die höllischen Seiten der Insel ertragen. Vor allem die Frauen. Gewalt, Erniedrigung und Missbrauch sind für sie allgegenwärtig. Auch für Lala, die Hauptfigur in Cherie Jones' Debütroman "Wie die einarmige Schwester das Haus fegt". Diese Geschichte hat eine enorme Wucht und führt in eine Welt, die kein Scheinwerferlicht bisher so eindringlich ausgeleuchtet hat wie dieses Buch. (Culturbooks, 25,70) Gabi Eisenack
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Barbados, Paradies in der Karibik? Das mag für die Menschen stimmen, die hier Urlaub machen oder ein paar Monate im Jahr in ihren Luxusvillen Hof halten. Wer hier aufwächst und zum Bleiben verurteilt ist, muss die höllischen Seiten der Insel ertragen. Vor allem die Frauen. Gewalt, Erniedrigung und Missbrauch sind für sie allgegenwärtig. Auch für Lala, die Hauptfigur in Cherie Jones' Debütroman "Wie die einarmige Schwester das Haus fegt". Diese Geschichte hat eine enorme Wucht und führt in eine Welt, die kein Scheinwerferlicht bisher so eindringlich ausgeleuchtet hat wie dieses Buch. (Culturbooks, 25,70) Gabi Eisenack © CulturBooks Verlag/Montage: Sabine Schmid

Vielleicht nicht die glücklichste Kindheit, damals in der New Yorker Sozialwohnung. Mit dem chinesischen Vater, der nicht richtig Englisch spricht und mit seinen drei Töchtern schon gar nicht. Mit der leidenden Mutter, die vor Heimweh nach Süddeutschland weint (und wohl auch wegen dem Vater). Die US-Autorin Sigrid Nunez ("Der Freund") erzählt in ihrem wunderbaren Buch "Eine Feder auf dem Atem Gottes" von den Eltern und ihrer Misere, vom vergeblichen Wunsch, Balletttänzerin zu werden, und einer ersten großen Liebe - nun ja, zu einem kriminellen Russen. Das ist aber alles so messerscharf und milieugenau, dabei herzzerreißend komisch, dass man es mit Genuss liest (Aufbau, 22 Euro). Wolf Ebersberger
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Vielleicht nicht die glücklichste Kindheit, damals in der New Yorker Sozialwohnung. Mit dem chinesischen Vater, der nicht richtig Englisch spricht und mit seinen drei Töchtern schon gar nicht. Mit der leidenden Mutter, die vor Heimweh nach Süddeutschland weint (und wohl auch wegen dem Vater). Die US-Autorin Sigrid Nunez ("Der Freund") erzählt in ihrem wunderbaren Buch "Eine Feder auf dem Atem Gottes" von den Eltern und ihrer Misere, vom vergeblichen Wunsch, Balletttänzerin zu werden, und einer ersten großen Liebe - nun ja, zu einem kriminellen Russen. Das ist aber alles so messerscharf und milieugenau, dabei herzzerreißend komisch, dass man es mit Genuss liest (Aufbau, 22 Euro). Wolf Ebersberger © Aufbau/Montage: Sabine Schmid

"Der Mensch", rief Johann Gottlieb Fichte in seiner Antrittsvorlesung, "soll sich selbst bestimmen und nie durch etwas Fremdes bestimmen lassen." Damit lieferte der "Bonaparte der Philosophie", wie ihn ein Student nannte, das Leitmotiv für eine Gruppe von Intellektuellen, die Jena in den Jahren um 1800 zum Zentrum der deutschen Geistesgeschichte machen sollten - und die das Individuum in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellten. Andrea Wulf, die zuletzt eine Biografie über Alexander von Humboldt vorlegte, hat sich auf Spurensuche begeben. Ihr Buch "Fabelhafte Rebellen. Die frühen Romantiker und die Erfindung des Ich" erzählt die Geschichte jener wilden Jahre. Goethe, Schiller, Novalis, Schelling, Hegel, die Schlegel-Brüder und Caroline Schlegel - die Liste prominenter Namen, denen Wulf einen Auftritt gönnt, ist lang. Fabelhafte Rebellen? Jedenfalls ein fabelhaftes Buch. (C. Bertelsmann, 30 Euro) Marco Puschner      
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"Der Mensch", rief Johann Gottlieb Fichte in seiner Antrittsvorlesung, "soll sich selbst bestimmen und nie durch etwas Fremdes bestimmen lassen." Damit lieferte der "Bonaparte der Philosophie", wie ihn ein Student nannte, das Leitmotiv für eine Gruppe von Intellektuellen, die Jena in den Jahren um 1800 zum Zentrum der deutschen Geistesgeschichte machen sollten - und die das Individuum in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellten. Andrea Wulf, die zuletzt eine Biografie über Alexander von Humboldt vorlegte, hat sich auf Spurensuche begeben. Ihr Buch "Fabelhafte Rebellen. Die frühen Romantiker und die Erfindung des Ich" erzählt die Geschichte jener wilden Jahre. Goethe, Schiller, Novalis, Schelling, Hegel, die Schlegel-Brüder und Caroline Schlegel - die Liste prominenter Namen, denen Wulf einen Auftritt gönnt, ist lang. Fabelhafte Rebellen? Jedenfalls ein fabelhaftes Buch. (C. Bertelsmann, 30 Euro) Marco Puschner       © C. Bertelsmann/Montage: Sabine Schmid

"Kleine Dinge wie diese": Der Titel gilt auch für das Buch selbst, den kürzesten Roman, der für den renommierten englischen Booker Prize nominiert wurde. Die Irin Claire Keegan, 54, nähert sich darin einem finsteren Heimatkapitel - den mörderischen Magdalenen-Wäschereien der katholischen Kirche, in denen minderjährige Mütter landeten - auf elegant-klassische Weise. Billy Furlong, der Kohlenhändler, der auch das Nonnenkloster des Dörfchens beliefert, wird Zeuge einer grausamen Szene, die er nicht vergisst. Wird er, der selbst unehelich zur Welt kam und nun Vater von fünf Mädchen ist, einschreiten und helfen? Ein spannendes Kleinod über Risiko, Moral und Menschlichkeit. (Steidl, 18 Euro) Wolf Ebersberger
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"Kleine Dinge wie diese": Der Titel gilt auch für das Buch selbst, den kürzesten Roman, der für den renommierten englischen Booker Prize nominiert wurde. Die Irin Claire Keegan, 54, nähert sich darin einem finsteren Heimatkapitel - den mörderischen Magdalenen-Wäschereien der katholischen Kirche, in denen minderjährige Mütter landeten - auf elegant-klassische Weise. Billy Furlong, der Kohlenhändler, der auch das Nonnenkloster des Dörfchens beliefert, wird Zeuge einer grausamen Szene, die er nicht vergisst. Wird er, der selbst unehelich zur Welt kam und nun Vater von fünf Mädchen ist, einschreiten und helfen? Ein spannendes Kleinod über Risiko, Moral und Menschlichkeit. (Steidl, 18 Euro) Wolf Ebersberger © Steidl/Montage: Sabine Schmid

Schön, dass zur Frankfurter Buchmesse mit Spanien als Gastland auch Rafael Chirbes große Trilogie über seine Heimat im Schatten Francos wieder herauskam: "Der lange Marsch", "Der Fall von Madrid" und "Alte Freunde" als Broschuren im Schuber zu haben. Dem unvergessenen Autor (1949-2015) noch näher, mit all seinen künstlerischen Zweifeln, schwulen Ausschweifungen, einer tragischen Liebe und den literarischen Befruchtungen durch konstante Lektüre kommt man freilich in seinem nun veröffentlichten Tagebuch "Von Zeit zu Zeit" aus den Jahren 1984 bis 2005: ein Dokument schweißtreibender Arbeit an sich selbst. (Kunstmann, 34 Euro) Wolf Ebersberger
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Schön, dass zur Frankfurter Buchmesse mit Spanien als Gastland auch Rafael Chirbes große Trilogie über seine Heimat im Schatten Francos wieder herauskam: "Der lange Marsch", "Der Fall von Madrid" und "Alte Freunde" als Broschuren im Schuber zu haben. Dem unvergessenen Autor (1949-2015) noch näher, mit all seinen künstlerischen Zweifeln, schwulen Ausschweifungen, einer tragischen Liebe und den literarischen Befruchtungen durch konstante Lektüre kommt man freilich in seinem nun veröffentlichten Tagebuch "Von Zeit zu Zeit" aus den Jahren 1984 bis 2005: ein Dokument schweißtreibender Arbeit an sich selbst. (Kunstmann, 34 Euro) Wolf Ebersberger © Verlag Antje Kunstmann/Montage: Sabine Schmid

Achtung, Kitsch-Alarm! Dieser preisgekrönte Episodenroman aus Japan hat nicht nur ein liebenswürdiges Tier zur Hauptfigur – den Schäferhundmischling Tamon –, sondern drückt auch kräftig Herzschmerz-Knöpfe vor dem Hintergrund der Fukushima-Katastrophe und des Tohoku-Erdbebens von 2011. Trotzdem ist "Tamons Geschichte" von Seishu Hase ein Märchen mit Unterhaltungswert. Der Hund bringt Menschen dazu, ihrem Instinkt zu folgen und über ihren Schatten zu springen; letztlich schreibt der Autor über das brüchige Miteinander in seinem gebeutelten Land. Sympathisch sentimental. (Hoffmann und Campe, 24 Euro) Isabel Lauer
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Achtung, Kitsch-Alarm! Dieser preisgekrönte Episodenroman aus Japan hat nicht nur ein liebenswürdiges Tier zur Hauptfigur – den Schäferhundmischling Tamon –, sondern drückt auch kräftig Herzschmerz-Knöpfe vor dem Hintergrund der Fukushima-Katastrophe und des Tohoku-Erdbebens von 2011. Trotzdem ist "Tamons Geschichte" von Seishu Hase ein Märchen mit Unterhaltungswert. Der Hund bringt Menschen dazu, ihrem Instinkt zu folgen und über ihren Schatten zu springen; letztlich schreibt der Autor über das brüchige Miteinander in seinem gebeutelten Land. Sympathisch sentimental. (Hoffmann und Campe, 24 Euro) Isabel Lauer © Hoffmann und Campe/Montage: Sabine Schmid

Zwei Frauen, zwei Flucht-Schicksale, in Madrid vereint, obwohl sie sich – das ist die Tragik der Familie – gar nicht kennen: Werden sich Maria und Alicia, Großmutter und Enkelin, je persönlich treffen? Elena Medel, 1985 geboren, schrieb Lyrik, bis sie mit dem Debüt "Die Wunder" in Spanien auch als Romanautorin, mehr noch: als Sensation gefeiert wurde. Sehr kühl, direkt, analytisch umkreist Medel in Momentaufnahmen zwei traumatisierte Seelen (Trennung von der Tochter, Selbstmord des Vaters) und ihren täglichen Kampf, auch finanziell über Wasser zu bleiben... Starke Prosa. (Suhrkamp, 23 Euro). Wolf Ebersberger
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Zwei Frauen, zwei Flucht-Schicksale, in Madrid vereint, obwohl sie sich – das ist die Tragik der Familie – gar nicht kennen: Werden sich Maria und Alicia, Großmutter und Enkelin, je persönlich treffen? Elena Medel, 1985 geboren, schrieb Lyrik, bis sie mit dem Debüt "Die Wunder" in Spanien auch als Romanautorin, mehr noch: als Sensation gefeiert wurde. Sehr kühl, direkt, analytisch umkreist Medel in Momentaufnahmen zwei traumatisierte Seelen (Trennung von der Tochter, Selbstmord des Vaters) und ihren täglichen Kampf, auch finanziell über Wasser zu bleiben... Starke Prosa. (Suhrkamp, 23 Euro). Wolf Ebersberger © Suhrkamp/Montage: Sabine Schmid

Eigentlich schade, dass es so gänzlich aus der Mode gekommen ist: das Duell. Nach Rayk Wielands herrlich komischem Roman "Beleidigung dritten Grades" wünscht man sich fast ein wenig die Zeiten zurück, in denen Beleidigungen, Verführungen und andere gesellschaftliche Verfehlungen noch ausgefochten wurden, Auge in Auge. Dieses "letzte Gespräch zwischen zwei Leuten, die sich nichts zu sagen haben", variiert der (satirisch bei "Titanic" in die Lehre gegangene) Autor unter aktuellen und historischen Aspekten. Politische Verwicklungen einst (das letzte Duell in Deutschland fand 1937 statt) und private Händel in unserer leider duelllosen Zeit verbinden sich zu einer köstlichen literarischen Melange, bei der einer ganz sicher nicht auf der Strecke bleibt: der Leser! (Kunstmann, 24 Euro) Bernd Noack   
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Eigentlich schade, dass es so gänzlich aus der Mode gekommen ist: das Duell. Nach Rayk Wielands herrlich komischem Roman "Beleidigung dritten Grades" wünscht man sich fast ein wenig die Zeiten zurück, in denen Beleidigungen, Verführungen und andere gesellschaftliche Verfehlungen noch ausgefochten wurden, Auge in Auge. Dieses "letzte Gespräch zwischen zwei Leuten, die sich nichts zu sagen haben", variiert der (satirisch bei "Titanic" in die Lehre gegangene) Autor unter aktuellen und historischen Aspekten. Politische Verwicklungen einst (das letzte Duell in Deutschland fand 1937 statt) und private Händel in unserer leider duelllosen Zeit verbinden sich zu einer köstlichen literarischen Melange, bei der einer ganz sicher nicht auf der Strecke bleibt: der Leser! (Kunstmann, 24 Euro) Bernd Noack    © Verlag Antje Kunstmann/Montage: Sabine Schmid

Ihre "Eleganz des Igels" war ein Welterfolg und ein gelungenes Beispiel für einen Bestseller, der Sentimentalität und Anspruch kombiniert. Muriel Barbery, die scheue französische Philosophieprofessorin, meldet sich zurück. In "Eine Rose allein" erzählt sie von zwei einsamen Herzen in Trauer, die über die Kraft des Intellekts zueinander finden. Läuft vorhersehbar ab, ist auch kitschig. Aber: Die Autorin hat einen langen Aufenthalt in Japan schriftstellerisch genutzt. Ihre formstrenge Umsetzung des Romans, die blumensteckkunsthafte Sorgfalt bei den Details und ihre melancholischen Beschreibungen der Stadt Kyoto machen Freude beim Lesen. (List, 19,99 Euro) Isabel Lauer
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Ihre "Eleganz des Igels" war ein Welterfolg und ein gelungenes Beispiel für einen Bestseller, der Sentimentalität und Anspruch kombiniert. Muriel Barbery, die scheue französische Philosophieprofessorin, meldet sich zurück. In "Eine Rose allein" erzählt sie von zwei einsamen Herzen in Trauer, die über die Kraft des Intellekts zueinander finden. Läuft vorhersehbar ab, ist auch kitschig. Aber: Die Autorin hat einen langen Aufenthalt in Japan schriftstellerisch genutzt. Ihre formstrenge Umsetzung des Romans, die blumensteckkunsthafte Sorgfalt bei den Details und ihre melancholischen Beschreibungen der Stadt Kyoto machen Freude beim Lesen. (List, 19,99 Euro) Isabel Lauer © List/Montage: Sabine Schmid

Nein, man muss nicht alles im Kopf haben. Man muss nur wissen, wo es steht, also: wo man nachschlagen kann, damit man glänzt mit Wissen und Zitaten. Wer also klug ist oder zumindest sein will, der schlägt ein Buch hinten auf – und liest sich durch den "Index". In ihm versteckt sich ein schier unerschöpfliches Reich von Ehrgeiz und Obsessionen, von Streit, Politik, Vergnügen und Spiel. Das Register rauf und runter gelesen, ist schon die halbe Miete; es ist, wie der britische Autor Dennis Duncan in seinem so klugen wie amüsanten Buch über die Geschichte des Suchens und Findens schreibt, ein "unbesungenes, außergewöhnliches Alltagswerkzeug, eine geheime Welt mit einer ruhmreichen, kaum bekannten Vergangenheit." (Kunstmann, 30 Euro) Bernd Noack
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Nein, man muss nicht alles im Kopf haben. Man muss nur wissen, wo es steht, also: wo man nachschlagen kann, damit man glänzt mit Wissen und Zitaten. Wer also klug ist oder zumindest sein will, der schlägt ein Buch hinten auf – und liest sich durch den "Index". In ihm versteckt sich ein schier unerschöpfliches Reich von Ehrgeiz und Obsessionen, von Streit, Politik, Vergnügen und Spiel. Das Register rauf und runter gelesen, ist schon die halbe Miete; es ist, wie der britische Autor Dennis Duncan in seinem so klugen wie amüsanten Buch über die Geschichte des Suchens und Findens schreibt, ein "unbesungenes, außergewöhnliches Alltagswerkzeug, eine geheime Welt mit einer ruhmreichen, kaum bekannten Vergangenheit." (Kunstmann, 30 Euro) Bernd Noack © Verlag Antje Kunstmann/Montage: Sabine Schmid

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