Erziehung

Pädagoge kritisiert "U-Boot-Eltern": Das steckt hinter dem Begriff

27.7.2022, 09:26 Uhr

Fachleute prägten in der Vergangenheit gerne bildhafte Begriffe, um bestimmte Erziehungsstile beziehungsweise Elterntypen zu beschreiben. Sogenannte Helikopter-Eltern kreisen beispielsweise mit einem Übermaß an Fürsorge andauernd um ihre Kinder herum, um diese zu überwachen und zu beschützen. Sogenannte Rasenmäher-Eltern mähen potentielle Probleme ihrer Kinder gleich weg, noch bevor der Nachwuchs überhaupt die Chance gehabt hätte, das Hindernis selbst zu überwinden. Und sogenannte U-Boot-Eltern?

Während bei den ersten beiden Erziehungsmethoden zu viel Aufmerksamkeit das Problem ist, ist bei den U-Boot-Eltern das Gegenteil der Fall. Sie tauchen ab, schenken ihren Kindern zu wenig Aufmerksamkeit. Wenn es dann bei einem Kind nicht so gut läuft, bekommen es U-Boot-Eltern zunächst nicht mit. Der oder die Kleine gerät dann möglicherweise in eine Situation, die mit entsprechender Aufmerksamkeit durch die Eltern vermieden werden könnte.

U-Boot-Eltern tauchen erst dann auf, wenn das eigene Kind ein Problem hat, wo es ohne Hilfe nicht mehr herauskommt. Die Lösung des Problems sollen dem Elterntyp nach wieder andere übernehmen, beispielsweise Lehrerinnen und Lehrer oder gar Anwältinnen und Anwälte.

In einem Gespräch mit Focus Online beschrieb Schulrechtsexperte Thomas Böhm 2020 den Elterntyp eingehend. U-Boot-Eltern würden Elternsprechtagen fernbleiben, nicht mit den Lehrern sprechen. "Erst wenn die Versetzung gefährdet ist, fahren sie schwere Geschütze auf", so Böhm damals. "Jemand, der glaubt, er hätte nur Rechte und keine Pflichten, hat alle Verantwortung an die Schule abgegeben. Diese Haltung kann nicht funktionieren", warnt der Schulrechtler.

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