Neue Studie

Verblüffende Entdeckung von Forschern: Schützt Kaffee wirklich vor einer Corona-Infektion?

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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29.11.2022, 15:11 Uhr
Die Inhaltsstoffe einer Tasse Kaffee sollen Wissenschaftlern zufolge vor einer Corona-Infektion schützen.

© Christin Klose/dpa-tmn Die Inhaltsstoffe einer Tasse Kaffee sollen Wissenschaftlern zufolge vor einer Corona-Infektion schützen.

Der Konsum von Kaffee könnte die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus mindern - zumindest legt ein Laborversuch dies nahe. Entsprechende Hinweise fanden Forschende der Jacobs Universität in Bremen in einer Studie heraus. Ihre Ergebnisse veröffentlichen sie im Fachblatt Royal Society of Chemistry.

Professor Nikolai Kuhnert und sein Team führen ihre Erkenntnis auf die Inhaltsstoffe von Kaffee zurück. Die chemische Verbindung "5-Caffeoylchinasäure" soll das Andocken des Spike-Proteins an die menschlichen Zellen hemmen. In Laborversuchen stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass Kaffee die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion mindern kann. Das Problem dabei: Die Studie wurde nicht bei Menschen oder Tieren durchgeführt, sondern lediglich im Labor simuliert. Es bleibt offen, ob sich die Beobachtungen aus dem Labor auf den menschlichen Körper übertragen lassen.

Der Versuch wurde mit einer Tasse Filterkaffee mit 200 Milliliter Inhalt durchgeführt. Darin befanden sich etwa 100 Milligram Caffeoylchinasäure. Die Konzentration dieser einen Tasse sei hoch genug gewesen, um das Andocken des Spike-Proteins zu verhindern, so die Forschenden.

Wie lange die Wirkung jedoch in der Praxis anhält, ist unklar. In einer Pressemitteilung erklärt Professor Nikolai Kuhnert selbst: "Als Chemiker können wir die praktische Frage nicht beantworten, ob Kaffeetrinken wirklich als vorbeugende Maßnahme zum Schutz vor Infektionen dienen könnte. Aber wir können sagen, dass es plausibel ist."

Auch Virologe Friedemann Weber warnt im Gespräch mit Focus Online vor zu großen Erwartungen hinsichtlich der Forschungsergebnisse. "Das ist es eine reine in-vitro-Studie", betonte er. "Es wurde nur biochemisch gezeigt, dass Kaffee-Inhaltsstoffe die Bindung des Spike-Proteins an den ACE2-Rezeptor hemmen können. Es gibt keine Daten mit echten Viren, und schon gar nicht mit Tierexperimenten." Demnach sei die Studie lediglich "ein Anfang". Die Forschenden der Jacobs Universität wollen das Thema allerdings weiter verfolgen und noch mehr dazu herausfinden.

Kaffee hat zudem weitere positive Auswirkungen auf den Körper, unter anderem soll er das Leben verlängern und vor Diabetes Typ 2 schützen. Doch gleichzeitig ist auch Vorsicht geboten: Laut dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung sollten Erwachsene die 400 Milliliter Grenze pro Tag nicht überschreiten. Dies entspricht vier großen Tassen. Die tödliche Dosis Kaffee am Tag beträgt Experten zufolge 100 Tassen.

Auch Menschen, bei denen Herzrhythmusstörungen im Zusammenhang mit Kaffeekonsum auftreten, sollten besser auf den Muntermacher verzichten. Ebenso können Schweißausbrüche, Zittern, Nervosität und Schlafstörungen eine Folge des Kaffeekonsums sein. Die enthaltenen Bitterstoffe können zudem die Magenschleimhaut angreifen. Über diese Nebenwirkungen berichtet unter anderem die Apotheken Umschau.

Wer bei der Vorbeugung einer Corona-Infektion lieber auf Nummer sicher gehen will, der sollte besser auf wissenschaftliche bestätigte Maßnahmen wie das Tragen von FFP2-Masken oder das Lüften von geschlossenen Räumen zurückgreifen und sich nicht auf den Kaffeekonsum verlassen.

Anmerkung der Redaktion: Die Jacobs University Bremen wurde in früheren Zeiten von der Jacobs Stiftung unterstützt, deren Stiftungsrats-Präsident Christian Jacobs geschäftsführender Teilhaber des Kaffee-Unternehmens Joh. Jacobs & Co ist. Seit dem Jahr 2020 ist die Stiftung jedoch nicht mehr an der Finanzierung der Universität beteiligt.

Dieser Artikel wurde am 29.11.2022 um 15.10 Uhr aktualisiert.

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