Tödliche Fütterung

Findlinge muss man vorsichtig aufpäppeln

26.1.2022, 10:37 Uhr
Ein junger Braunbrustigel ist zwischen Gehweg und Gebüsch unterwegs. Kein gutes Zeichen - er sollte bereits im Winterschlaf sein.

© Jonas Walzberg/dpa Ein junger Braunbrustigel ist zwischen Gehweg und Gebüsch unterwegs. Kein gutes Zeichen - er sollte bereits im Winterschlaf sein.

"Bloß nicht!", rät Dr. Tina Hölscher, Tierärztin von Aktion Tier. "Das kann das ausgehungerte Tier umbringen." Das, wovor die Veterinärin warnt, wird in der Fachsprache Refeeding-Syndrom genannt. Es handelt sich hierbei um eine Entgleisung des Stoffwechsels aufgrund der plötzlich einsetzenden Stoffwechselprozesse, wenn das Tier nach längerem Hungern Futter erhält.

Abbauvorgänge wandeln sich schlagartig in Aufbau-Sequenzen um, wofür jedoch aufgrund des tagelangen Futterentzugs die lebenswichtigen Mineralstoffe im Körper fehlen, um diese Kaskade fehlerfrei ablaufen zu lassen. "Meist treten die ersten Anzeichen des Syndroms drei bis fünf Tage nach der ersten Fütterung auf", berichtet Hölscher aus der Praxis. Es kommt zum allgemeinen Organversagen und der Schützling verstirbt.

Ration langsam steigern

Will man dies vermeiden, sollte zunächst ganz vorsichtig angefüttert werden. Je stärker der Abmagerungsgrad des Tieres, umso vorsichtiger muss die Fütterung eingeleitet werden. Zunächst sollten nur etwa zehn Prozent des täglichen Futterbedarfs verabreicht werden. Im Laufe der ersten zwei Wochen wird auf 100 Prozent gesteigert. Darüber hinaus muss der Versorgende darauf achten, dass das Futter eher arm an Kohlehydraten ist. So kann der Glukosestoffwechsel Fahrt aufnehmen, ohne zu entgleisen. Werden diese Hinweise beachtet, kommt der Findling allmählich zu Kräften und erholt sich dabei – zwar langsam, aber dafür stetig.

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