Etliche Kostenvorteile

Elektroauto: So hilft es beim Sparen

Ulla Ellmer

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24.12.2021, 11:08 Uhr
Im Unterhalt kommen Elektroautos mitunter günstiger als vergleichbare Verbrenner.

© ampnet/ADAC Im Unterhalt kommen Elektroautos mitunter günstiger als vergleichbare Verbrenner.

Was noch vor rund zwei Jahren kaum jemand für möglich gehalten hat, ist inzwischen eingetreten: Immer mehr Autofahrer trauen sich den Umstieg zu und stromern inzwischen mit einem Elektroauto über die Straßen. Das lässt sich auch in Zahlen belegen: Während die Novemberzahlen des Kraftfahrtbundesamt (KBA) gegenüber dem Vorjahresmonat 2020 einen starken Rückgang der Pkw-Neuzulassungen insgesamt ausweisen (-31,7 Prozent), haben rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) um 39 Prozent zugelegt und erreichen bereits einen Marktanteil von rund einem Fünftel (20,3 Prozent).

Ursächlich ist sicherlich das inzwischen breiter aufgestellte Angebot. Auch die Erkenntnis, dass Freunde oder Nachbarn gut mit einem BEV zurechtkommen, dürfte Vorbehalte abbauen. Und: Obwohl die Stromer noch immer vergleichsweise teuer sind, gibt es doch diverse Sparmöglichkeiten:

Umweltbonus

Die gemeinsam von Bund und Herstellern gewährte Innovationsprämie ist aktuell bis zum 31. Dezember 2022 verlängert worden. Somit können Käufer von E-Autos bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro weiterhin 6000 Euro vom Bund und 3000 Euro netto vom Hersteller in Anspruch nehmen, brutto ergeben sich somit 9570 Euro. Für Modelle im Preisspektrum zwischen 40.000 und 65.000 Euro gibt es 5000 plus 2500 Euro (7500 Euro bzw. 7975 Euro brutto).

Auch der Kauf und das Leasing junger gebrauchter E-Pkw wird unter Umständen unterstützt, sofern die Erstzulassung nach dem 4.11.2019 erfolgt ist, das Fahrzeug nicht länger als 12 Monate auf seinen ersten Besitzer zugelassen war und noch keine Förderung beantragt worden ist.

Dienstwagen

Wer sein Firmenfahrzeug auch privat nutzt, muss ein Prozent vom Bruttolistenpreis als geldwerten Vorteil versteuern. Beim BEV reduziert sich das auf 0,25 Prozent. Voraussetzung: Der Bruttolistenpreis liegt nicht höher als 60.000 Euro.

Kfz-Steuer

Reine Elektroautos, die vom 18. Mai 2011 bis zum 31. Dezember 2025 ihre Erstzulassung erfahren haben, sind für maximal zehn Jahre vollständig von der Kfz-Steuer befreit. Die Regelung gilt bis zum 30. Dezember 2030. Wer jetzt kauft, kann den Steuervorteil also noch acht Jahre lang nutzen.

Kfz-Versicherung

Eine Tarifauswertung des Vergleichsportals Verivox hat ergeben, dass Elektroautos in der Versicherung bis zu einem Drittel günstiger kommen als vergleichbare Verbrenner-Modelle. Obwohl die Stromer in der Anschaffung teurer sind, liegt der Jahresbeitrag um bis zu 242 Euro niedriger. „Um sich in dem neuen Wachstumsmarkt zu positionieren, gewähren einige Anbieter attraktive Preisnachlässe“, sagt Verivox-Geschäftsführer Wolfgang Schütz. Das heißt aber auch, dass sich die Situation ändern kann, wenn Elektroautos noch mehr vom Sonder- zum Regelfall auf dem Markt werden.

Treibhausgas-Minderungsquote (THG)

Eine neue Sparmöglichkeit, die sich ab Jahresbeginn 2022 ergibt. Dann können private Elektroauto-Besitzer oder -Leasingnehmer ihre eingesparten CO2-Emissionen an Mineralölunternehmen weiterverkaufen. Sie müssen eine bestimmte THG-Quote einhalten, ansonsten drohen Strafen. Um das vielfache Verkaufsprozedere zu vereinfachen, gehen die einzelnen Quotenscheine nicht direkt an Shell, Aral & Co., sondern an Vermittler. Sie bündeln die Zertifikate und veräußern sie dann gemeinsam weiter. Dabei fällt allerdings eine Provision an. Entsprechende Plattformen wie Carbonify, Smartificate oder Maingau Energie finden sich im Internet. Der Erlös ist marktabhängig, „tendenziell steigend“, wie der Auto Club Europa (ACE) prognostiziert. Für 2022 ist mit Jahresprämien in Höhe von 250 bis 350 Euro zu rechnen.

Auch private und gewerbliche Betreiber von Ladepunkten (Wallboxen) können eine THG-Quote weiterverkaufen.

Wallbox-Förderung

Noch bis vor kurzem hat der Bund den Erwerb und die Installation einer privaten Ladestation mit bis zu 900 Euro unterstützt, sofern die Ladeleistung 11 kW betrug, der Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen kam und eine „intelligente Steuerung“ gegeben war. Inzwischen sind die Fördertopfe allerdings leer, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, www.kfw.de) nimmt keine Anträge mehr entgegen. Denkbar ist allerdings, dass die Kontingente wieder neu befüllt werden, es lohnt sich also, die Situation im Auge zu behalten. Zudem gibt es regionale Programme, die sich über Förderdatenbanken im Internet abrufen lassen. Auch Energieversorger wie die NErgie leisten Zuschüsse.

Wartung

Elektroautos besitzen nicht die üblichen Verschleißteile wie Getriebe oder Zahnriemen, das häufige Rekuperieren (Bremsenergierückgewinnung) führt dazu, dass die Bremsen weniger beansprucht werden. Auch Ölwechsel und die Abgasuntersuchung (AU) entfallen, die Serviceintervalle verlängern sich.

Verbrauch

Ein VW Golf 1.5 TSI (96 kW/130 PS) verbraucht nach WLTP-Norm 5,1 l S/100 km, macht bei einem Spritpreis von 1,62 Euro also 8,26 Euro. Das elektrische Pendant ID.3 (107 kW/146 PS) konsumiert 15,4 kWh auf die Distanz, bei einem Hausstrompreis von 0,32 Ct/kWh entspricht das 4,93 Euro. An öffentlichen Ladesäulen, speziell Schnellladern, kann das allerdings anders aussehen. Und abzuwarten bleibt, ob sich der Staat die zunehmend entgehende Mineralölsteuer nicht irgendwann an der Strom-Tankstelle zurückholt.

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