Lieber Landstraße als Autobahn

Mautfrei in die Ferien reisen: So sparen Sie auf Europas Straßen viel Geld

Reiseredakteur Matthias Niese
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10.8.2022, 10:03 Uhr
Jetzt wird's teuer: Eine mautpflichtige Landstraße in den Alpen.

© imago images/CHROMORANGE, NN Jetzt wird's teuer: Eine mautpflichtige Landstraße in den Alpen.

Wir Deutschen ärgern uns immer wieder, dass vermeintlich ganz Europa kostenlos über unsere Autobahnen fahren darf, während wir im Auslandsurlaub bei der schnellen Fahrt über Fernstraßen überall zahlen müssen. Das stimmt aber nur zum Teil.

Autobahngebühren auch für PKW werden vor allem in unseren beliebtesten Urlaubsländern im Süden Europas wie Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, aber auch in Österreich, der Schweiz und im Osten in Polen oder Tschechien erhoben. In sehr vielen Ländern aber nicht. Dazu gehören etwa die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Finnland, Dänemark, Schweden, die baltischen Staaten und natürlich Deutschland.

Wer sich bei der Reise durch oder in südliche Länder Gebühren sparen will, findet fast überall alternative Routen, die entweder billiger oder ganz umsonst sind. Wir sagen, wo wichtige günstigere Strecken sind und wie Sie diese etwa mit ein paar Einstellungen an ihrem Navigationsgerät finden.

Die folgenden besonders häufig genutzten Beispiele sind exemplarisch auch für andere Routen. Wie Sie konkret mautfrei oder günstiger an Ihr Ziel kommen, finden Sie auch mit Hilfe einer Suchmaschine wie Google oder Bing auf speziellen Seiten oder in Forenbeiträgen im Internet. Geben Sie in die Suchmaske etwa "mautfrei nach Spanien" ein. Konkrete Mautgebühren der europäischen Länder und Tipps finden Sie unter anderem auch auf dieser Seite des ADAC.

Alternativrouten nach Italien

Beispiel Italien mit Fahrt durch Österreich. Sie können auf dem Weg ab/über Nürnberg etwa an die obere Adria nach Lido di Jesolo 680 Kilometer über Innsbruck und den Brenner fahren oder 720 Kilometer über die Tauernautobahn via Salzburg. Fahren Sie über den Brenner, zahlen Sie mit einem PKW laut Mautrechner ADAC-Maps einfach 31,10 Euro für die österreichische Vignette (auch "Pickerl" für "Aufkleber" genannt, 10 Tage für 9,60 Euro), Europabrücke und italienische Autobahn. Fahren Sie hingegen die Tauernautobahn via Salzburg, sind es mit Pickerl und Tauerntunnel sowie italienischen Autobahngebühren 37,70 Euro.

Auf Transitreisende kommen während der Ferienzeit im österreichischen Bundesland Tirol erhebliche Einschränkungen zu. Seit dem 1. August gelten wieder Fahrverbote auf Landstraßen, die von Urlaubern zur Umfahrung der Staus oder zur Vermeidung der Maut auf den österreichischen Autobahnen genutzt werden.

Auf Transitreisende kommen während der Ferienzeit im österreichischen Bundesland Tirol erhebliche Einschränkungen zu. Seit dem 1. August gelten wieder Fahrverbote auf Landstraßen, die von Urlaubern zur Umfahrung der Staus oder zur Vermeidung der Maut auf den österreichischen Autobahnen genutzt werden. © Sven Hoppe, dpa

Alternativ gibt es in der Regel eine Landstraße parallel zur Autobahn, die nichts kostet und häufig in nervige Kurverei ausartet. In Österreich zum Beispiel verbietet man durchreisenden Touristen zu besonders verkehrsintensiven Urlaubszeiten das Verlassen der Autobahn, etwa in den Pfingstferien oder ab 1. August. So soll verhindert werden, dass Ausländer auf dem Weg in den Süden und zurück die Landstraßen verstopfen.

Das ist der kürzeste, günstigste Weg in den Süden

Sie dürfen aber die kürzeste, direkte Strecke 630 Kilometer über die meist einspurige, vor und nach dem Tunnel auch zweispurig ausgebaute Felbertauernstraße fahren - das dauert zwar länger, Sie sparen sich aber das Pickerl, denn ab Grenzübergang Kiefersfelden bis Kufstein Süd dürfen Sie mautfrei Autobahn fahren (ähnliche mautfreie Abschnitte gibt es bei Bregenz, eine mautfreie Durchreise in die Schweiz ist so möglich, und in der Steiermark in Grenznähe).

Mautstation auf der A4 bei Paris

Mautstation auf der A4 bei Paris © imago images/Ralph Peters, NNZ

Ab Kufstein Süd geht es allerdings Kurve um Kurve über die Landstraße via Kitzbühel, durch die Felbertauern und später noch über den serpentinenreichen Plöckenpass nach Italien. Mit der Mautgebühr für den Felbertauerntunnel (11 Euro) und der Restmaut in Italien via Udine und Tolmezzo kommen Sie auf nur 20,90 Euro bis ans Meer.

Das ist eine fast mautfreie Route nach Kroatien

Wer nach Kroatien fährt, muss sogar zwei Ländervignetten lösen, die für Österreich (9,60 Euro/zehn Tage, bei zwei Wochen Urlaub 19,20 Euro) und eine Vignette für Slowenien (PKW-Klasse 2A 15 Euro/7 Tage oder 30 Euro/Monat). Hinzu kommen Mautgebühren für Tauern- und Karawankentunnel sowie die Autobahngebühr für Kroatien.

Es gibt aber auch hier mindestens eine kostengünstige Alternative. Sie können etwa auf dem Weg an die Kvarner Bucht ebenfalls in Kufstein Süd abfahren, sparen sich beim Weg über den Felbertauerntunnel (11 Euro einfach) die Österreich-Vignette, zahlen in Italien via Udine nach Triest nur 7,20 Euro Maut und fahren dann oberhalb von Triest ein kurzes Stück über die Landstraße E61 mautfrei durch Slowenien bis zum Grenzübergang Pasjak und haben dann in Kroatien nur noch rund einen Euro Maut zu zahlen.

So führt Sie Ihr Navigationssystem sicher über kostenlose Straßen

In vielen Ländern und erst recht im zerklüfteten, karstigen Slowenien ist es nur mit Karte fast unmöglich, die Autobahn zur Durchreise zu vermeiden und die richtigen Abzweigungen auf die Landstraßen zu finden. Wer ohne Vignette dennoch auf der Autobahn landet und erwischt wird, zahlt hohe Strafen. Hier hilft uns inzwischen ganz einfach das Navigationssystem, ob eingebaut, als externes Gerät oder im Smartphone.

Meist können Sie die Strecke komplett mautfrei planen, aber auch einzelne Abschnitte. Gehen Sie dazu ins Menü und haken in der Regel unter dem Punkt Routenoptionen etwa "Autobahnen vermeiden" oder "Maut vermeiden" an. Schon führt Sie Ihr Gerät den richtigen Weg. Sie können sich auch erst die übliche, schnellste Strecke leiten lassen und diese Vermeidungs-Optionen kurz vor den entsprechenden Abschnitten einstellen - so erhalten Sie einen Mix aus Autobahn etwa in Deutschland und günstigen Landstraßen in mautpflichtigen Ländern.

Autobahn-ähnlich ausgebaute Straßen als kostenlose Alternative

Zudem haben viele Länder, die eigentlich Autobahngebühr erheben, kostenlose Alternativstrecken, die gut oder gar autobahn-ähnlich ausgebaut sind. Vor allem in Grenznähe, rund um große Städte oder in strukturschwachen Regionen werden manchmal gar keine Gebühren auf Autobahnen verlangt - etwa im französischen Elsass. Im armen Süditalien sind die Gebühren abhängig von der Strecke viel niedriger als im reichen Norden.

Wer mit dem Auto anreist und auf eine Fährfahrt verzichten will, fährt über die Öresundbrücke von Dänemark nach Schweden. Eine Überfahrt kostet 55 Euro Maut.

Wer mit dem Auto anreist und auf eine Fährfahrt verzichten will, fährt über die Öresundbrücke von Dänemark nach Schweden. Eine Überfahrt kostet 55 Euro Maut. © Marcus Brandt/dpa/dpa-tmn

Sie finden ebenfalls im Internet viele Karten, auf denen mautfreie Fern- oder Schnellstraßen je nach Land hervorgehoben sind. Geben Sie in die Maske einer Suchmaschine etwa "Karte mautfreie Strecke" und dann noch ihr Reiseland ein. Einen tollen Ratgeber mit entsprechenden Karten vieler Länder finden sie hier: www.allianz-autowelt.de/unterwegs/

Lohnt sich das billige Ausweichen auf die Landstraße?

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob sich die Kurverei über Nebenstraßen lohnt, um ein paar Euro zu sparen. Wollen Sie entspannt fahren und flott ans Ziel kommen, ist die Autobahn meist die bessere Wahl - selbst, wenn es moderate Staus gibt. Sie müssen abseits davon nämlich auch kleine Ortschaften und Städte durchfahren, juckeln Traktoren hinterher und stehen mit anderen Urlaubern, die ebenfalls sparen möchten, in langen Schlangen vor Ampeln.

Sie verbrauchen so unterm Strich wegen ständiger Stopps und Anfahrten mehr Sprit. Außerdem verschleißt Ihr Fahrzeug stärker. Ganz abgesehen von den Nerven, die Sie eine lange Landstraßenfahrt mit dem Drang, endlich ans Ziel zu kommen, kosten kann. Fahren Sie etwa quer durch Frankreich oder Spanien, werden sie einen Kreisverkehr nach dem anderen durchkurven. Viele verlassen dann bald genervt die Landstraße und biegen auf die nächste Autobahnauffahrt ein.

Haben Sie jedoch Zeit und bauen vielleicht noch eine Übernachtung in schöner Gegend ein, ist schon die Fahrt Teil des Ziels. Sie können sich ein paar Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke anschauen oder gar einen halben Tag etwa in den Bergen wandern gehen. So beginnt der Urlaub schon beim Losfahren.

Mehr Informationen:
Ein weiterer stets aktueller, detaillierter Überblick über die Mautregelungen aller europäischen Länder: www.kfz-auskunft.de/info/autobahngebuehr.html
Noch ausführlicher ist diese Seite von camperstyle.de, Land für Land von A-Z in Europa mit Zusatzinformationen für normale Autofahrer, aber auch Camper und Wohnmobilisten.

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