ICE-Werk

Aus für ICE-Werk in Nürnberg? Befremden über Söders Aussage

11.6.2021, 13:43 Uhr
In Altenfurt könnte der anhaltende Protest gegen den Bau eines ICE-Werks auf Bannwald-Gebiet gewirkt haben.

© Stefan Hippel In Altenfurt könnte der anhaltende Protest gegen den Bau eines ICE-Werks auf Bannwald-Gebiet gewirkt haben.

250 Menschen haben zuletzt in Feucht gegen den Bau eines ICE-Werks auf dem Gelände der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (Muna) demonstriert.

Dass der Protest gegen das Projekt hier in den letzten Wochen leiser als in den Nürnberger Stadtteilen Fischbach und Altenfurt gewesen wäre, stimme in keinem Fall, sagt der Feuchter Bürgermeister Jörg Kotzur (parteilos).

Entsprechend befremdlich fand er die öffentliche Äußerung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der auf einer Talkveranstaltung der Nürnberger Nachrichten erklärt hatte, er sei sich "relativ sicher", dass das neue Werk nicht am Standort in Fischbach/Altenfurt entstehen werde.

Söder äußerte zudem "großes Bauchgrimmen mit dem Standort" und meinte, es werde sich ein besserer finden.

"Mehr Solidarität"

In den Augen von Kotzur war das eine "einseitige Unterstützung", vom Ministerpräsidenten hätte er sich "mehr Solidarität" auch mit anderen möglichen Standorten wie eben Feucht erwartet. "Da fühle ich mich alleine gelassen".

Zwar könne nicht wegdiskutiert werden, dass die Bodenbelastung durch das mit Kampfmitteln verseuchte Muna-Gelände bei der Weisensee-Siedlung südlich des Gewerbeparks Nürnberg-Feucht-Wendelstein ein Problem sei.

Dennoch gehe es auch hier um 40 Hektar Bannwald und Natura 2000-Schutzgebiet. "Die Meinung der Bürger ist eindeutig", so Kotzur: Die grüne Lunge hat Vorang und muss erhalten bleiben.

Zudem sei die Marktgemeinde bereits genug belastet. Die Juraleitung des Übertragungsnetzbetreibers TenneT könnte hier verlaufen, hierfür hat bereits das Raumordnungsverfahren begonnen. "Da haben die Bürger schon Schaum vor dem Mund".

Dazu steht auch noch die sechsspurige Erweiterung der A 6 im Raum, die ebenfalls das Gemeindegebiet tangieren würde.

Entsprechend findet es Kotzur auch "befremdlich", dass nach den Äußerungen Söders von Seiten der Nürnberger Stadtspitze aus erneut das Feuchter Muna-Gelände als Standort für das neue ICE-Werk ins Spiel gebracht wurde. Das sei "kein guter Stil", so Kotzur.

Heinz Meyer als christsozialer Bürgermeister von Burgthann will Söders alleinige Positionierung gegen einen möglichen Standort Altenfurt hingegen nicht kommentieren.

Raumordnungsverfahren abwarten

"So emotional sehe ich das nicht", sagt er. "Wir stehen vor einem Raumordnungsverfahren", so Meyer. Es bleibe abzuwarten, was dabei herauskomme.

In jedem Fall sei ein ICE-Werk mit einer Investitionssumme von 400 Millionen Euro und 450 neuen Arbeitsplätzen für die Region wichtig, auch wenn er es vor allem als Aufgabe der Stadt Nürnberg sieht, das Werk auf einer geeigneten Fläche nahe des Hauptbahnhofs anzusiedeln.

"Das Werk brauchen wir, aber nicht in Burgthann". Er persönlich könne sich nicht vorstellen, dass der Standort Ezelsdorf/Oberferrieden entlang der "Langsamfahrstrecke" zwischen Nürnberg und Neumarkt Sinn mache.

"Das Wort des Ministerpräsidenten hat Gewicht, daraus kann man schon schließen, dass es jetzt nur noch um acht mögliche Standorte geht", sagt der Schwarzenbrucker Bürgermeister Markus Holzammer (CSU).

"Schlinge wird enger"

Entsprechend werde da "die Schlinge um den eigenen Hals" gefühlt ein wenig enger. Insofern sei er "schon erstaunt" über die Worte Söders vor Beginn eines Raumordnungsverfahrens durch die Regierung von Mittelfranken gewesen.

Wie in Fischbach/Altenfurt wäre schließlich auch bei einem Standort in Mimberg/Schwarzenbruck der Eingriff in die Natur "riesig", müssten ebenfalls rund 40 Hektar Wald gerodet werden.

Dennoch sei es natürlich das Recht des Ministerpräsidenten, sich explizit gegen ein ICE-Werk bei Fischbach auszusprechen, "das ist ja auch sein Wahlkreis."

In jedem Fall werde man aber auch in Schwarzenbruck weiter gegen ein ICE-Werk auf die Straße gehen. "Man muss kämpfen."

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