Fall 9 der Weihnachtsaktion

Im Medizindschungel: Mutter sucht nach Therapie für ihren Sohn - und der Vater macht sich davon

Ressort: Lokales Online..Datum: 18.10.16..Foto: Edgar Pfrogner..Motiv: Kreatives Frühstück, Porträt Wolfgang Heilig-Achneck, Mitarbeiterportrait
Wolfgang Heilig-Achneck

Lokalredaktion

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22.11.2022, 11:45 Uhr
Musste schon einige Operationen überstehen - die nächste steht kurz vor Weihnachten an: der zweijährige Tarek. 

© Wolfgang Heilig-Achneck, NNZ Musste schon einige Operationen überstehen - die nächste steht kurz vor Weihnachten an: der zweijährige Tarek. 

Der kleine Wuschelkopf ist gerade mal zwei Jahre alt, musste aber schon mehr als ein halbes Dutzend Operationen überstehen. Die erste noch im Mutterleib, denn bei Untersuchungen während der Schwangerschaft war bei dem Embryo eine überdimensionierte Blase entdeckt worden.

Kaum auf der Welt, musste Tarek (alle Namen geändert) noch viele Wochen lang in Kliniken bleiben. Eine Behandlung rund um Blase, Harnleiter und Nieren folgte auf die nächste - doch die Ursache für die Fehlbildungen und die Probleme der Harnableitung ist bis heute nicht gefunden. Und so kam es, berichtet die Mutter, dass sich die Mediziner, auch von namhaften Kliniken in unserer Region, in ihren Ansichten, wie das Kind zu behandeln sei, vollkommen widersprachen.

Nur ein Beispiel: Die einen schlossen es an Dialysegeräte an, die anderen lehnten das als überflüssig und grundverkehrt ab. Was im deutschen Gesundheitssystem vor allem zähle, fasst die Mutter ihre Erfahrungen zusammen, seien anscheinend doch Operationen, die gute Einnahmen versprechen. „Ich weiß einfach nicht mehr, wem ich glauben soll und was Tarek wirklich hilft.“

Ohne Spielkameraden

Zum Glück kann der Junge nun weitgehend zuhause aufwachsen und betreut werden. Freilich fehlen ihm Spielkameraden; und in der Sprachentwicklung hinkt er, wohl bedingt durch die vielen Monate in Krankenhäusern, auch deutlich hinterher. Unermüdlich hält Samira T. weiter Ausschau nach Spezialisten, die ihrem Sohn und damit auch ihr vielleicht doch noch nachhaltig helfen könnten.

Inzwischen ist sie im benachbarten Österreich fündig geworden - nachdem sie bei etlichen renommierten Adressen in Deutschland angeklopft hatte. Doch mehr als nur einmal bekam sie zu hören: „Es tut uns leid, aber wir können uns da nicht einmischen.“ Offenkundig, folgert die Frau, die in der Altenpflege tätig ist, wollte keiner der Mediziner einem Fachkollegen zu nahe treten oder womöglich gar Fehler nachweisen. Doch für lange Auseinandersetzung, womöglich Klagen, fehlen ihr dann doch die Kraft und das Geld.

Ermutigung vom eigenen Vater

Den Weg durch den Medizin-Dschungel hat sie sich bisher ganz ohne Unterstützung gebahnt. Und sie hatte auch immer den Ehrgeiz, es irgendwie aus eigener Kraft zu schaffen und nicht als Bittstellerin bei einem Amt oder einer Organisation aufzutreten. „Das habe ich von meinem Vater, der immer gesagt hat: Mädchen, Du kannst arbeiten und Du schaffst das.“ In seinen letzten Jahren hatte sie ihn gepflegt, als ihn eine Krebserkrankung zwang, sein Lokal aufzugeben, das er als Koch aufgebaut und betrieben hatte.

Als wäre sie mit der Betreuung von Tarek nicht genug eingespannt, hat sie ganz akut noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Hals über Kopf entschloss sich der Vater des Kindes, sie und den Sohn zu verlassen. Angeblich fühlte er sich von den Problemen und mit der Betreuung des Sohnes überfordert. Damit nicht genug: Er verschwand mit Geld und Papieren. So stand Samira T. plötzlich nahezu mittellos da.

Die zuständige Mitarbeiterin im Bezirkssozialdienst des Fürther Jugendamts konnte wenigstens dafür sorgen, damit es Mutter und Kind bis zum Monatswechsel schaffen sollten. Bis weitere Hilfen greifen, wird es eine Weile dauern; für eine Überbrückung will „Freude für alle“ sorgen.


Die „Freude für alle“-Spendenkonten: Sparkasse Nürnberg: DE 63 7605 0101 0001 1011 11; Sparkasse Erlangen: DE 28 7635 0000 0000 0639 99; Sparkasse Fürth: DE 96 7625 0000 0000 2777 72. Sachspenden können aus organisatorischen Gründen leider nicht angenommen und vermittelt werden. Alle Spendernamen werden veröffentlicht – wer das nicht wünscht, versieht seine Überweisung bitte mit dem Vermerk „anonym“. Alle Fälle zum Nachlesen finden Sie im Internet unter nn.de

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