Raum für Fahrradfahrer

Kidical Mass in Nürnberg: Spaßige Veranstaltung mit ernstem Hintergrund

Rurik Schnackig
Rurik Schnackig

Lokales

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21.9.2022, 13:37 Uhr
Mit Luftballons und jeder Menge Freude gingen die jungen Radfahrer bei der ersten Kidical Mass an den Start.

© Ludwig Eble/ADFC Mit Luftballons und jeder Menge Freude gingen die jungen Radfahrer bei der ersten Kidical Mass an den Start.

Die zweite Kinderfahrraddemo „Kidical Mass“ in Nürnberg wird bald für Aufsehen sorgen. Am Sonntag, 25. September, dürfen alle mitfahren, die können: Ob im Stauraum eines Lastenrades, mit dem Kinderradklassiker Pucky, mit dem Mountainbike oder auf dem Laufrad.

Treffpunkt für die knapp sieben Kilometer lange Strecke ist um 13.30 Uhr in der Norikus Bucht (Wöhrder See). Bei der Demo im Frühjahr radelten nach Angaben des ADFC in Nürnberg 850 Kinder und Erwachsene mit. Auch diesmal heißt es wieder: "Vorfahrt für die kleinen Radfahrer". Die Polizei wird die Hauptstraßen absperren, Autofahrer haben in dieser Zeit das Nachsehen. Natürlich werden Erwachsene mit dabei sein.

Erschreckende Brisanz

Der Hintergrund ist ein ernster: "Gehören Jung und Alt auf dem Fahrrad zum Straßenbild in Nürnberg?", fragen sich die Veranstalter. "Können wirklich alle Mitglieder der Gesellschaft ihren Alltag ohne Probleme oder gar Gefährdung mit dem Fahrrad bewältigen?" Angesichts des tödlich verlaufenen Fahrradunfalls am Dienstagvormittag in der Leyher Straße haben diese Fragen eine erschreckende Brisanz.

Gibt es nicht zunehmend Straßenmarkierungen und Straßenschilder, die Radfahrern mehr Verkehrsfläche zuteilen? Der ADFC bejaht dies zwar, sieht darin aber nicht die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern aller Altersstufen berücksichtigen. Denn in der Praxis falle negativ auf, wie viele ausgewiesene Fahrradstraßen nach wie vor von Autos stark befahren werden, dass schmale und ungeschützte Fahrradstreifen gerade so an parkenden Autos vorbeiführen oder an Kreuzungen in Mittellage platziert sind und dass zahlreiche Fahrradwege ausgerechnet an den gefährlichsten Stellen im Nichts enden. Der ADFC: "Kindgerechte Infrastruktur ist das nicht!" Die Kidical Mass adressiert mit ihren Forderungen diesmal nicht nur die Stadt Nürnberg, sondern auch die verantwortlichen Verkehrspolitiker im Bund und im Land Bayern.

Reform gefordert

Es brauche eine Reform des Straßenverkehrsrechts, fordert der ADFC: "Aktuell können Städte und Gemeinden kaum aus freier eigener Entscheidung Tempo 30 einführen, breite, baulich getrennte Radwege einrichten oder das Parken im öffentlichen Raum für kindgerechte Fahrradmobilität ausgestalten. Dazu müssen sie zeitaufwendig Begründungen finden oder es ist schlicht nach dem geltenden Straßenverkehrsrecht nicht erlaubt."

Hierfür laufen zum einen der „Radentscheid zur Stärkung der Fahrradmobilität in Bayern für mehr Verkehrssicherheit und Klimaschutz“ und zum anderen gibt es eine bundesweite Onlinepetition. In dieser wird gefordert, dass das neue Straßenverkehrsgesetz die Schutzbedürftigkeit von Kindern in den Mittelpunkt stellt und Kindern damit selbständige Mobilität zu Fuß und mit dem Rad ermöglicht. Städte und Gemeinden sollen demnach die Freiheit erhalten, kinder- und fahrradfreundliche Maßnahmen nicht nur an Gefahrenstellen umzusetzen, sondern im gesamten Stadtgebiet.

Nürnberg bleibt gefordert

Bis auf Bundes- und Landesebene die rechtlichen Ziele erreicht seien, bleibe Nürnberg als Kommune gefordert. Dazu gehört auch, entsprechenden politischen Druck auf Bundesebene auszuüben und sich der Initiative des Deutschen Städtetages „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ anzuschließen. Der ADFC ist sich sicher: "Solange der Einsatz von Schulweghelfern notwendig ist, ist kinderfreundliche Mobilität in weiter Ferne."

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