Experiment im Josephs

Mit VR-Brillen: Nürnberger Künstlerin erforscht das Schwindelgefühl

Isabella Fischer
Isabella Fischer

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23.5.2022, 09:21 Uhr
Beim Einsatz von Virtual-Reality entsteht oft eine Diskrepanz zwischen der Bewegung des eigenen Körpers und der visualisierten Umgebung. Beim Experiment "Motion Sickness Exercise" dagegen wird der ruhende Körper, in einem gespannten Tuch liegend, in virtuelle Welten versetzt.

© Isabella Fischer Beim Einsatz von Virtual-Reality entsteht oft eine Diskrepanz zwischen der Bewegung des eigenen Körpers und der visualisierten Umgebung. Beim Experiment "Motion Sickness Exercise" dagegen wird der ruhende Körper, in einem gespannten Tuch liegend, in virtuelle Welten versetzt.

Das Schwindelgefühl - dieses unangenehme Gefühl des Kontrollverlusts über den eigenen Körper und die damit verbundene kurzzeitige Ohnmacht. Nach dem zu schnellen Aufstehen, einer Fahrt in der Achterbahn oder auf dem Rücksitz eines Autos, wenn es sich durch Serpentinen schlängelt. Der Schwindel kommt und geht und ist ein Zustand, in den man sich ungerne freiwillig begibt. Nicht so für die Künstlerin Angela Stiegler, die in München und Berlin lebt und an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg arbeitet. In ihrem Projekt "Motion Sickness Exercise", das in Kooperation mit dem Innovationszentrum Leonardo entstanden ist, geht sie dem Schwindel auf die Spur.

Gemeinsam mit Prof. Susanne Kühn von der AdBK, Shila Rastizadeh von der Fakultät der Elektro- und Feinwerkmechanik, Pascal Karg und Prof. Timo Götzelmann von der Fakultät Informatik der Technischen Hochschule Nürnberg sowie Kamerafrau Julia Swoboda entwickelte sie das künstlerische Projekt, das jetzt im Josephs im Augustinerhof auszuprobieren ist.

Für Angela Stiegler hat das Schwindelgefühl verschiedene Komponenten. "Es ist keine Emotion sondern ein Symptom und kann viele unterschiedliche Auslöser haben. Niemand ist davor gefeit", sagt sie. Oft ist es schwierig nachzuvollziehen, was der Auslöser für einen Schwindelanfall war. "Dieses Mysterium wollte ich erkunden."

© Antonia Merkler

Stiegler beschäftigt sich seit Jahren mit dem Zusammenhang zwischen Körper und Technologien. Beispielhaft dafür ist die Virtual-Reality-Technik. Mit einem Controller in der Hand und einer VR-Brille auf dem Kopf kann sich durch computergenerierte Wirklichkeit bewegt werden. Viele Protagonisten verspüren danach ein Schwindelgefühl, das aufgrund einer Diskrepanz zwischen der Bewegung des eigenen Körpers und der visualisierten Umgebung entsteht. Bei "Motion Sickness Exercise" dagegen wird der ruhende Körper, in einem gespannten Tuch liegend, in virtuelle Welten versetzt.

Der Controller wird dabei durch einen Drucksensor ersetzt, der an einem Brustgurt angebracht ist. Der Sensor nimmt wahr, wie stark sich die Bauchdecke hebt und senkt und passt die Geschwindigkeit, mit der man durch die virtuelle Welt reist, an. "Anhand von verschiedenen Übungen wird Wissenserweiterung durch den Körper als Innovationsform erprobt", erklärt Stiegler.

Der Selbstversuch zeigt: Liegt man in diesem weiten Tuch, mit der VR-Brille auf dem Kopf, taucht man ziemlich schnell in die virtuelle Welt ein, fliegt durch das Weltall und über Ozeane. Durch die Geschwindigkeitssteuerung - und Anpassung durch die Atmung - erlangt der Körper die Hoheit über die Technologie. Ein spannendes Projekt.


Bis zum 5. Juni läuft "Motion Sickness Exercise" noch im Josephs, Augustinerstraße 19. Am Mittwoch, 25. Mai sind Angela Stiegler und Shila Rastizadeh von 17-19 Uhr vor Ort, um ihr Projekt vorzustellen.

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