Schutz vor Corona

Testpflicht in Kitas sorgt bei Eltern für Kritik

Foto: Eduard Weigert Datum: 9.11.16..Mitarbeiterportrait....Silke Roennefahrt
Silke Roennefahrt

Lokalredaktion

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1.1.2022, 05:52 Uhr
Noch sind sie freiwillig, ab 10. Januar sind Corona-Schnelltests für Kinder, die eine Betreuungseinrichtung besuchen, drei Mal pro Woche Pflicht.

Noch sind sie freiwillig, ab 10. Januar sind Corona-Schnelltests für Kinder, die eine Betreuungseinrichtung besuchen, drei Mal pro Woche Pflicht. © Sebastian Gollnow, dpa

Die katholischen Kitas in Nürnberg machen es schon seit Ende November vor: Einmal pro Woche müssen Eltern nachweisen, dass bei ihren Kindern keine Corona-Infektion vorliegt - und zwar immer montags oder dienstags mit einem zertifizierten Nachweis aus einem Testcenter. Dass die Vorgabe Knall auf Fall eingeführt wurde und Mütter und Väter sich mit ihrem Nachwuchs in die Schlangen vor den damals noch völlig überfüllten Teststationen einreihen mussten, hatte für viel Kritik gesorgt. Mittlerweile hat sich das Procedere eingespielt, doch die nächsten Neuerungen stehen, nicht nur in den kirchlichen Einrichtungen, schon ab 10. Januar an: Dann nämlich müssen sich in allen Kitas auch die Kleinsten, ab dem 1. Geburtstag, drei Mal pro Woche testen lassen - so fordert es der Freistaat. Allerdings muss es nicht unbedingt ein Test aus einem Testzentrum sein, auch Selbsttests, die die Staatsregierung den Eltern auch jetzt schon kostenlos zur Verfügung stellt, reichen aus. Mit einem Berechtigungsschein der Kita können sich die Familien diese Tests auch künftig in den Apotheken abholen.

Dennoch stoßen die neuen Regelungen auf Kritik bei Eltern und Trägern. Vor allem die Zahl der Tests sorgt für Debatten. Dass gleich drei Nachweise pro Woche verlangt werden, sei überzogen, findet Uwe Kriebel, Vorsitzender des Gesamtelternbeirates der Kindertagessstätten in Nürnberg. "Eltern von kleinen Kindern sind schon genug gefordert", heißt es auch in einer Stellungnahme des Evangelischen Kita-Verbandes Bayern, der seinen Sitz in Nürnberg hat. Schon jetzt sei zudem immer wieder das Testmaterial knapp. Vor allem kindertaugliche Tests seien immer mal wieder Mangelware in den Apotheken, so Christiane Münderlein vom Vorstand des Verbandes.

Verwirrung um Booster-Regeln

Weder Eltern noch Träger lehnen die Testpflicht grundsätzlich ab, im Gegenteil: Da es für Kinder unter fünf Jahren nach wie vor keinen zugelassenen Impfstoff gibt, sei es wichtig, Infektionen so schnell wie möglich zu erkennen, betont Münderlein. Dafür sprechen aus Sicht der Beteiligten auch die Zahlen, laut Amt für Stadtforschung und Statistik lag die Inzidenz bei den Null- bis Vierjährigen, die derzeit noch selten getestet werden, Anfang Dezember bei rund 380, am 21. Dezember bei 280 und ist erst über die Feiertage auf 160 gesunken. In Nürnberg waren vor den Weihnachtsferien in den Kitas rund 230 Fälle bekannt - es gab zwar keine größeren Ausbrüche, aber immerhin 90 Einrichtungen waren betroffen. Zwar sind die Zahlen leicht rückläufig, doch von einem "echten Absinken" könne noch keine Rede sein, so die Chefin des Nürnberger Jugendamtes, Kerstin Schröder. "Außerdem wissen wir nicht, was Omikron bringt."

Auch Kriebel hält deshalb eine Testpflicht grundsätzlich für sinnvoll, die Mehrheit der Eltern stehe dieser aufgeschlossen gegenüber. Nur müssten die Schutzmaßnahmen "transparent, nachvollziehbar und verhältnismäßig" sein. Zudem hätte er sich eine Einbindung der Elternvertretungen in die Entscheidungsfindung auf Landesebene gewünscht. "Doch das geschieht zu unserem großen Bedauern immer noch nicht." Dementsprechend unzufrieden ist Kriebel mit der Umsetzung.

Zwei Varianten gibt der Freistaat vor, welche sie wählen, bleibt den Trägern überlassen: Entweder können sie fordern, dass Eltern an den Testtagen Montag, Mittwoch und Freitag die Testkassette vorlegen. Oder sie lassen sich die Tests samt Datum und Unterschrift auf speziellen Formularen von den Eltern dokumentieren. Die Versicherung der Erziehungsberechtigten, dass das Kind getestet wurde, müsse "glaubhaft" sein, so das Sozialministerium. Auch diese Formulierung sorgt für Kritik, "damit werden jede Menge Konflikte in die Kita getragen", fürchtet Münderlein. Zudem werde eine Bürokratie geschaffen, "die Eltern und Kindern viel Arbeit macht". Immerhin: Teilweise erleichtern Apps die Zettelwirtschaft. Der Nürnberger Sebastian Kopp, selbst als Vater betroffen, hat schon vor Jahren die App "Stramplerbande" entwickelt, um die Kommunikation zwischen Kita und Eltern zu vereinfachen - und hat jetzt umgehend das Testnachweisformular integriert. "Das erleichtert die Organisation enorm." Auch die katholischen Kitas setzen auf eine App, mit deren Hilfe die Eltern das Ergebnis übermitteln können.

Kriebel hätte eine einheitliche Lösung besser gefunden, "das wirft weniger Fragen auf, als wenn jeder Träger seinen eigenen Weg gehen muss". Vor allem müsse die Regierung dafür sorgen, dass auch genügend Tests zur Verfügung stünden und die Verteilung des Materials organisieren. "Wenn der Freistaat einen Nachweis fordert, muss er sich auch um die Umsetzung kümmern." Eine Elterninitiative aus der Region geht noch weiter und fordert PCR-Pool-Tests, wie sie an den Schulen üblich sind, auch für die Kitas. Die Selbsttests seien zu fehleranfällig, wenn der Freistaat daran festhalte, gefährde er "die gesamte Kita-Familie" und lege den Grundstein für Schließungen ganzer Einrichtungen und Arbeitsausfälle unter den Eltern. Im Internet sammeln die Initiatoren Stimmen für ihr Anliegen, mehr als 3700 Menschen haben die Petition schon unterschrieben.