Studie soll Szenarien durchspielen

Umbau bis 2029: So geht es mit dem Nürnberger Stadion weiter

11.1.2022, 19:04 Uhr
Bürgermeister Christian Vogel (vorne) präsentierte die Pläne gemeinsam mit Sportreferentin Cornelia Trinkl und Detlef Stenger, Zweiter Werkleiter des städtischen Eigenbetriebs Franken-Stadion. 

Bürgermeister Christian Vogel (vorne) präsentierte die Pläne gemeinsam mit Sportreferentin Cornelia Trinkl und Detlef Stenger, Zweiter Werkleiter des städtischen Eigenbetriebs Franken-Stadion.  © Michael Matejka, NNZ

Wenn Bürgermeister Christian Vogel (SPD) über das Max-Morlock-Stadion redet, wählt er gerne den Vergleich mit einem in die Jahre gekommenen Auto: „Es ist fahrtüchtig und kommt durch den Tüv.“ Aber auf dem neuesten Stand sei es eben nicht mehr. „Und irgendwann kommt der Moment, an dem man sich entscheiden muss.“ Dieser rückt nun näher.

Vorgehen wie beim Volksbad

Am 26. Januar wird der Stadtrat darüber befinden, ob die Stadt eine Machbarkeitsstudie für die Zukunft der Spielstätte des 1. FC Nürnberg in Auftrag gibt. Es gilt als sicher, dass der Rat grünes Licht gibt. In der Studie sollen dann analog zum Volksbad verschiedene Szenarien durchgespielt und vorgestellt werden, wie es mit dem Stadion weitergehen könnte. Die Ergebnisse erwartet Vogel für Ende 2022. Anschließend liegt der Ball wieder beim Stadtrat, der sich im ersten Quartal 2023 für einen der vorgeschlagenen Wege entscheiden soll.

"Kreative Offenheit"

Welche Varianten dies sein könnten, darüber bleibt Vogel bei der Pressekonferenz zur Zukunft des Stadions bewusst im Vagen. Man wolle potenziellen Autoren der Studie, die nach der Stadtratsentscheidung ausgeschrieben wird, nicht vorgreifen. Vogel, der auch als Erster Werkleiter des Eigenbetriebs Franken-Stadion Nürnberg (FSN) fungiert, spricht von einer „kreativen Offenheit“, die man sich bewahren möchte.

Bleibt die Leichtathletik-Bahn?

Lediglich ein Neubau an anderer Stelle ist ausgeschlossen, zudem stehen Teile der Haupttribüne unter Denkmalschutz. Aber wie tiefgreifend die Umbauten an dem 1928 eröffneten Stadion ausfallen werden, stehe nicht fest, so Vogel. Möglich sei eine Sanierung oder ein Teil-Neubau. Die achteckige Architektur, laut dem Zweiten FSN-Werkleiter Detlef Stenger neben der Fassade der Haupttribüne das letzte Relikt aus dem Ursprungsbau, steht ebenso zur Disposition wie die Bahn für die Leichtathletik.


Schul- und Sportreferentin Cornelia Trinkl (CSU), die bei der Pressekonferenz den erkrankten Oberbürgermeister Marcus König (CSU) vertritt, erläutert das Dilemma: Wenn man die Bahn erhalte, bleibe man attraktiv für Nutzergruppen über den Fußball hinaus. „Aber wenn man diese Infrastruktur hat, muss sie auch genutzt werden.“ Der 1. FC Nürnberg, Hauptmieter des Stadions, wünscht sich freilich eine reine Fußballarena. Weil aber ohnehin schon viel mehr im Stadion stattfindet als nur Fußball, gebe es einen enormen „Bedarf an Verwaltungsgebäuden“, erläutert Stenger. Dies soll genauso Thema der Studie sein wie die Frage der künftigen Zuschauerkapazität. Der Bestand an VIP-Plätzen (derzeit sind es 1300) müsse ausgebaut werden, um für die Vergabe von Länderspielen attraktiv zu bleiben. Zudem dürfe das Stadion nicht isoliert betrachtet werden, betont Vogel.

Stadionbad spielt eine Rolle

Er erwartet sich vielmehr von der Studie Aussagen darüber, wie das Umfeld rund um das Stadiongelände einbezogen werden kann, um zum Beispiel über gemeinsame Veranstaltungen Synergien zu schaffen. Trinkl erinnert an den Neubau der Bertolt-Brecht-Schule, einer Eliteschule des Sports. Vogel verweist auf das ebenfalls nahe gelegene Messegelände. Auch das Stadionbad spielt eine Rolle in den Überlegungen, denn es müsse nicht sieben Monate im Jahr leer stehen, argumentiert der Bürgermeister.
Mit einem solchen Gesamtkonzept hofft Vogel angesichts der Sorgen um den städtischen Haushalt auch, dass das Projekt für Investoren interessant wird. Denn eines sei klar: „Die Stadt ist nicht in der Lage, für das Stadion 120 Millionen Euro hinzulegen.“ Er sei optimistisch, dass Unternehmen aus der Region ins Boot kommen und das Projekt gemeinsam mit der Stadt und dem Club stemmen. An einer Stelle nennt er die Firma adidas, relativiert dies aber wieder: „Ich hätte auch Puma sagen können.“

Verkauf ist ausgeschlossen

Der Bürgermeister betont auch, dass die Stadt bereit wäre, in die zweite Reihe zurückzutreten. Man werde das Stadion nicht verkaufen, aber man müsse es nicht – wie es derzeit der Fall ist – selbst betreiben. Was den 1.FC Nürnberg angeht, betont Vogel den „guten Austausch“ mit den amtierenden Vorständen Dieter Hecking und Niels Rossow; eine solche Basis habe es mit früheren Verantwortungsträgern des Clubs nicht gegeben, sagt Vogel, der seit 2014 für die Stadionbelange zuständig ist.

Die Einweihung der sanierten oder neu gebauten Spielstätte terminiert Vogel für das Jahr 2029. Doch investiert werden muss nicht nur für die geplante Generalsanierung, sondern auch, um das Stadion in Schuss zu halten. Die größtenteils in den Jahren 1988 bis 1990 entstandenen Tribünenbauwerke müssen instand gehalten werden; vergangenes Jahr investierte man Stenger zufolge hierfür eine Million Euro, 2022 und in den Folgejahren werden es jeweils zwei Millionen sein.

Teure Instandsetzungen

In den kommenden zehn bis 15 Jahren kämen so 30 Millionen Gesamtkosten zusammen. Als Beispiel nennt Stenger die maroden Treppenaufgänge der Oberrangtribünen, in die fünf Millionen fließen. Je früher man wisse, wohin die Reise gehe, desto besser wäre es möglich, diese Kosten zu drosseln, argumentiert der Zweite Werkleiter. Es soll aber auch wieder Geld in die Kasse hineinkommen – und zwar über die Verpachtung der Namensrechte.

Wer wird Namenspatron?

Ziel sei es, hierfür einen Sponsor zu gewinnen. Der 2017 abgeschlossene Vertrag mit der Consorsbank, die die Benennung nach Club-Legende Morlock ermöglicht hat, ist bereits 2019 ausgelaufen. Zwei Jahre habe man überbrücken können, für 2022 sei man aber wieder auf die Einnahme von rund 600 000 Euro pro Jahr angewiesen, so Vogel. Nach Möglichkeit solle das Stadion seinen Namen behalten: „In Stein gemeißelt ist das aber nicht.“

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