Wirre Tweets, antisemitische Codes

Ein Mann driftet ab: Warum Maaßen in der CDU nichts mehr verloren hat

WoMa..Foto: Guenter Distler Motiv: Autoren Jahresrückblick
Manuel Kugler

Redaktion Politik und Wirtschaft

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13.1.2022, 08:51 Uhr
Hans-Georg Maaßen hat den demokratischen Konsens schon lange verlassen. Zeit, dass das endlich auch die CDU-Spitzen erkennen.

Hans-Georg Maaßen hat den demokratischen Konsens schon lange verlassen. Zeit, dass das endlich auch die CDU-Spitzen erkennen. © Michael Kappeler, dpa

Die Bühnen, auf denen Hans-Georg Maaßen auftritt, sie haben schon mal mehr hergemacht. Ein ehemaliger Verfassungsschutzpräsident, so sollte man jedenfalls meinen, hätte es sicher nicht nötig, in obskuren Internet-Sendungen aufzutreten. Und doch ist Maaßen inzwischen Dauergast bei „Hallo Meinung“, einer Plattform, die der Schwarzenbrucker Peter Weber ins Leben gerufen hat. Und über deren Amateurhaftigkeit man sich amüsieren könnte, bliebe einem das Lachen nicht im Halse stecken angesichts der einfältigen Einigkeit der Nutzer darüber, woran das Land krankt (Grüne und Migranten) und wer es retten könnte (die AfD).

„Alternative Medien“ nennen deren Fans so etwas, was nichts anderes meint, als dass es für jede abstruse Ansicht inzwischen eine Anlaufstelle im Internet gibt. Das Traurige: Maaßen, dessen früherem Amt man noch einen gewissen Respekt hätte entgegenbringen können, ist dort inzwischen gut aufgehoben.

Denn auch Maaßen weiß ja, dass man sich über Deutschland nur noch über alternative oder ausländische Medien („Für mich so etwas wie Westfernsehen“) informieren kann. Zum Beispiel darüber, ob es „Zufall oder Chiffre“ (ebenfalls Maaßen) sei, dass Annalena Charlotte Alma Baerbocks Name den Anfangsbuchstaben von „All Cops Are Bastards“ entspricht. Oder ob die Corona-Impfungen nicht Erschießungen gleichkämen, wie ein "bewegender Appell" (schon wieder Maaßen) des Mediziners Sucharit Bhakdi behauptet.

Das ist, in wenigen Tweets, das Weltbild Maaßens, und man wünscht sich einen Psychotherapeuten herbei, um das Abdriften dieses Mannes zu erklären. Kämpft da einer gegen die drohende Bedeutungslosigkeit an?

Man kann natürlich auch sagen, da stelle jemand "seinen eigenen Standpunkt dar", wie das die Thüringer CDU getan hat, für die sich Maaßen noch für den Bundestag bewerben durfte. Oder wie Parteichef Armin Laschet sinngemäß den Zirkelschluss ziehen, Maaßen könne kein Antisemit sein, weil Antisemiten in der CDU ja keinen Platz hätten. Dabei hatte Maaßen in Beiträgen über eine angeblich orchestrierte Zerstörung von Nationalkulturen Codes wie "Globalisten" verwendet, die auch die CDU-Parteistiftung als rechtsextremistisch einstuft.

Opfermythos befeuert

Schon klar: Schmeißt die CDU Maaßen raus, befeuert sie den Opfermythos all derer, die behaupten, man könne ja nicht mehr seine Meinung sagen (wo sie doch in Wahrheit wollen, dass ihnen einfach niemand widerspricht). Für eine Volkspartei, die den Kampf gegen Antisemitismus zu einem ihrer Grundprinzipien erklärt hat, ist Aussitzen aber eine ziemlich feige Reaktion.

Hans-Georg Maaßen hat den demokratischen Konsens schon lange verlassen. Zeit, dass das endlich auch die CDU-Spitzen erkennen. Sie wären damit so ziemlich die letzten in Deutschland.