"Uns läuft die Zeit davon"

Klimaschützer blockieren Straßen in Berlin - Nürnberger Jesuitenpater Alt verteidigt die Aktivisten

24.1.2022, 11:07 Uhr
 Klimaschützer haben am Morgen versucht, Straßen in Berlin zu blockieren. Sie fordern von der Bundesregierung ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung und Entscheidungen für eine verträglichere Landwirtschaft. 

© Paul Zinken, dpa  Klimaschützer haben am Morgen versucht, Straßen in Berlin zu blockieren. Sie fordern von der Bundesregierung ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung und Entscheidungen für eine verträglichere Landwirtschaft. 

Klimaschützer haben am Montagmorgen versucht, Straßen in Berlin zu blockieren. Betroffen waren nach Angaben der Organisatoren die Auffahrten zu der Autobahn A103 in Steglitz sowie der A114 in Pankow. Die Polizei bestätigte, dass sie wegen der Aktionen an beiden Orten im Einsatz sei. Fotos auf Twitter zeigten einige Personen in Warnwesten, die auf der Fahrbahn saßen.

Dahinter stehen einige der Aktivisten, die kurz vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr wochenlang im Hungerstreik waren. Nun fordern sie von der Bundesregierung ultimativ ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung und Entscheidungen für eine verträglichere Landwirtschaft.

Zehn Millionen Lebensmittel für den Müll

Die Begründung: In Deutschland würden jährlich etwa zehn Millionen Lebensmittel weggeworfen, was 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid verursache. Diese Emissionen könnten leicht reduziert werden, erklärte die Gruppe, die sich Aufstand der letzten Generation nennt.

"Uns läuft die Zeit davon: Die Wissenschaft belegt, dass in den kommenden vier bis zehn Jahren die entscheidenden Weichen gestellt werden müssen, um das ,Weiter-So' in eine drei Grad heißere Welt mit unvorstellbaren Katastrophen noch aufhalten zu können", sagt der Nürnberger Jesuitenpater Jörg Alt. Er hatte jüngst bundesweit Aufmerksamkeit erregt, als er sich beim Containern erwischen ließ. Von der Polizei erhielt er in der Folge eine Vorladung wegen „besonders schweren Diebstahls“ bekommen.

"Die Störungen des Aktivist:innen kosten lediglich Zeit, machen aber darauf aufmerksam, dass der Klimawandel schon jetzt Menschenleben kostet. Leben sind wichtiger als Zeit", so Alt weiter. "Die Störungen wollen andere Bemühungen der Klimagerechtigkeitsbewegung nicht ersetzen, sondern komplementär ergänzen. Es geht darum, Politik und Gesellschaft aufrütteln, nachdem andere Mittel – Demonstrationen, Petitionen, Appelle, Konferenzen – damit gescheitert sind."

Mit ihrem Hungerstreik hatten zwei junge Aktivisten ein öffentliches Gespräch mit dem damaligen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD) über die Klimakrise erreicht. Das Treffen fand im November statt.

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