Behauptungen kursieren im Netz

Manipulierte Bilder von den Anti-AfD-Demos? Was an den Vorwürfen dran ist

Manuel Kugler

Leitung Newsdesk

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23.1.2024, 13:11 Uhr
15.000 Menschen nahmen an der Demonstration gegen Rechtsextremismus am Samstag in Nürnberg teil. Die Zahl stammt von der Polizei.

© Franziska Holzschuh, NNZ 15.000 Menschen nahmen an der Demonstration gegen Rechtsextremismus am Samstag in Nürnberg teil. Die Zahl stammt von der Polizei.

Ob in Hamburg, München oder Nürnberg: Deutschlandweit sind am Wochenende Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um sich gegen Rechtsextremismus zu positionieren. In Nürnberg waren es nach Polizeiangaben 15.000 Demonstranten.

Vorwürfe gegen ZDF: Foto der Hamburger Anti-AfD-Demo manipuliert?

Bereits am Freitag musste wegen des großen Andrangs eine Demonstration in Hamburg abgebrochen werden. Im Netz kursieren seitdem zahlreiche Aufnahmen der Versammlung am Jungfernstieg.

Am 19.1.2024 haben in Hamburg rund 50.000 Menschen gegen Rechtsextremismus demonstriert. Auf Social Media wurden die Zahlen und Bilder zum Teil angezweifelt. Doch sie wurden schlichtweg aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert.

Am 19.1.2024 haben in Hamburg rund 50.000 Menschen gegen Rechtsextremismus demonstriert. Auf Social Media wurden die Zahlen und Bilder zum Teil angezweifelt. Doch sie wurden schlichtweg aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert. © WDR/Hamburger Senat/dpa, NNZ

Ein bestimmtes Foto, das von "ZDF heute" verbreitet worden war, nehmen User nun zum Anlass, um dem Sender Bildmanipulation zu unterstellen. Die Begründung: Auf dem Bild sehe es so aus, als stünden Menschen im Wasser der Kleinen Alster - was ja wohl nicht sein könne. Das Bild müsse also manipuliert worden sein. Sind diese Vorwürfe gerechtfertigt?

Das Bild wurde von "ZDF heute" als Vorschaubild für einen Artikel verwendet. Das Bild stammt aber nicht vom ZDF, sondern wurde von einem Fotografen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aufgenommen.

Dass die Wasseroberfläche der Kleinen Alster auf dem dpa-Bild nicht zu sehen ist, dafür gibt es eine einfache Erklärung: die Perspektive. Der dpa-Fotograf hat das Foto nach eigenen Angaben aus der Filiale des Buchhändlers Thalia in der Europa-Passage am Jungfernstieg gemacht. Bei Google Maps lässt sich ein Foto aus der Thalia-Filiale mit einer sehr ähnlichen Bildperspektive finden. Auch darauf ist die Kleine Alster aufgrund der Perspektive nicht vollständig zu erkennen - obwohl nur wenige Personen davorstehen.

Das Bild der dpa ist von einem niedrigeren Ort aus aufgenommen

Einige User verweisen im Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen auf eine andere Aufnahme, die als Beweis dienen soll: Der Hamburger Senat hat auf der Plattform X (vormals Twitter) ebenfalls ein Foto der Versammlung am Jungfernstieg veröffentlicht. Darauf ist die Kleine Alster klar zu erkennen. Bei einem Vergleich mit der dpa-Aufnahme wird allerdings schnell klar: Das Bild des Senats ist an einem höheren Ort aufgenommen worden, da man über das gegenüberliegende Gebäude an den Alsterarkaden hinübersehen kann.

Stichwort Frosch- und Vogelperspektive: Die Kamerahöhe hat einen entscheidenden Einfluss auf den Betrachtungswinkel und damit darauf, welche Details der Umgebung sich auf einem Foto wiederfinden lassen und welche nicht.

AfD-Politiker Björn Höcke verbreitete die falschen Vorwürfe gegen das ZDF auf X weiter. Zuvor hatte der Nutzer Ali Utlu, der sich selbst als "Influencer" bezeichnet, eine Gegenüberstellung der Beiträge vom Hamburger Senat und "ZDF heute" gepostet - mit dem Kommentar: "Wie viele von denen sind eigentlich ertrunken?". Sein Post ist mittlerweile von der Plattform gelöscht. Die Gegenüberstellung wurden später von weiteren Nutzern aufgegriffen.

60 Euro Gage für die Teilnahme an der Demo?

Ebenfalls auf X kursieren Posts auf, die auf eine brisante Stellenanzeige verwiesen. Via Annonce seien gegen Bezahlung Teilnehmer für die Anti-AfD-Kundgebung in Hamburg gesucht worden - mit dem Ziel, die Demonstration voller wirken zu lassen. Tatsächlich existiert die besagte Ausschreibung auf dem Portal JOBWRK, dort heißt es: "Statist:innen (m/w/d) als 'Demoteilnehmer' für eine Videoaufnahme" in Hamburg gesucht, 60 Euro Gage. Darüber berichtet nordbayern.de.

Wie nordbayern.de weiter schreibt, stammt das Inserat aber bereits aus dem Jahr 2022. Mit der Anzeige seien damals lediglich Statisten für einen Film gesucht worden, in dem eine Demonstration gezeigt wurde.

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