"Dann wäre auch bei uns Ende"

Nächste Traditionsbäckerei in Franken vor dem Aus: So viel müsste sein Brot kosten

Tobi Lang
Tobi Lang

Redakteur

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10.11.2022, 14:06 Uhr
Gerhard Rieß hat mit horrenden Stromrechnungen zu kämpfen. Der Bäcker aus Bechhofen im Landkreis Ansbach kämpft ums Überleben.

© vifogra Gerhard Rieß hat mit horrenden Stromrechnungen zu kämpfen. Der Bäcker aus Bechhofen im Landkreis Ansbach kämpft ums Überleben.

Wenn Gerhard Rieß über seine Öfen spricht, nennt er sie liebevoll "die Energiefresser". In Zeiten der Krise ist es eine teure Liebe, eine, die die kleine Bäckerei im mittelfränkischen Bechhofen im Landkreis Ansbach an den Rand des Ruins bringt. "Ja, das Problem ist, dass wir energieintensiv arbeiten", sagt Rieß gegenüber der Agentur Vifogra. Durch die explodierenden Stromkosten zahlt der Mittelständler jetzt fast 11.000 Euro - statt 2700. Und das im Monat.

Im Januar, erklärt Rieß, habe er einen neuen Tarif abgeschlossen. "Der Preis ist am Markt orientiert", sagt er - ein Genickbruch während der Energiekrise. "Das heißt, der Energielieferant kann den Preis anpassen, so wie der Markt ihm den Preis vorgibt", erklärt der Bäcker Vifogra. "Ein Festpreis wäre in dem Fall günstiger gewesen, aber das war zu Anfang des Jahres nicht abzusehen."

Traditionsbäcker knallhart: Brot müsste bis zu sechs Euro kosten

Die steigenden Energiepreise sind aber noch nicht alles. Weil auch Mehl und andere Rohstoffe deutlich teurer wurden, geht die Kalkulation vorne und hinten nicht mehr auf. Die Kosten, ist Rieß überzeugt, lassen sich nicht auf den Kunden umlegen. "Ich traue mich es nicht, das Brot für fünf oder sechs Euro anzubieten", sagt der Unternehmer. Genau das müsste es aber kosten.

So sieht die Bäckerei Rieß in Bechhofen aus - ein Betrieb, wie es Hunderte in Franken gibt. Zumindest noch. 

So sieht die Bäckerei Rieß in Bechhofen aus - ein Betrieb, wie es Hunderte in Franken gibt. Zumindest noch.  © vifogra

Bislang hat die Bäckerei Rieß in Bechhofen die Preise nur moderat erhöht. Zehn bis zwölf Prozent seien das Maximum, davon geht der Mittelständler zumindest aus. "Das Risiko ist natürlich, dass man im Wettbewerb vor allem mit den Discountern nicht mithalten kann und dass sich viele Leute dann den Bäcker einfach nicht mehr leisten können", sagt er Vifogra. Genau das gelte es zu verhindern.

Seit 230 Jahren wird in Bechhofen gebacken

Es ist ein Kampf ums Überleben, sagt Gerhard Rieß. Das klingt dramatisch, ist aber Fakt. Seit vier Generationen und 230 Jahren betreibt die Familie Rieß die Bäckerei. Ein Stück Geschichte. Damit sie weiter Brot produzieren kann, braucht es aber staatliche Hilfen, davon ist der Unternehmer überzeugt.

Eigentlich sei die Rechnung ganz einfach. "In dem Moment, wo die Kosten die Einnahmen übersteigen, kann man keinen Betrieb mehr führen", sagt Rieß Vifogra. "Es gibt Betriebe, die haben nicht nur eine Vervierfachung, die haben auch schon eine Verzehnfachung des Preises hinter sich. Und dann wäre auch bei uns Ende."