Angebot am 25. Januar

Behandlungschancen bei der Volkskrankheit Parkinson: Experten beraten am Lesertelefon

Isabel Lauer
Isabel Lauer

Lokalredaktion Nürnberg

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22.1.2023, 17:01 Uhr
Eine Frau hält ein Glas fest. Eine Parkinson-Erkrankung zeigt sich oft als erstes an zitternden Händen.

© Astrid08, Imago Images Eine Frau hält ein Glas fest. Eine Parkinson-Erkrankung zeigt sich oft als erstes an zitternden Händen.

Eine zittrige, kleiner werdende Handschrift kann ein erstes Anzeichen sein. Oder eine monotone, leise Sprechweise, ein verschwundener Geruchssinn. Die Deutsche Parkinson-Vereinigung listet bei ihrem Selbsttest zehn Symptome auf, an denen sich eine Parkinson-Erkrankung zeigen kann, aber nicht muss.

Parkinson ist das Thema an unserem Gesundheits-Lesertelefon am Mittwoch, 25. Januar. Von 17 bis 19 Uhr stehen zwei Ärztinnen der Bezirkskliniken Mittelfranken und zwei Mediziner aus Erlangen für alle Fragen rund um die Erkennung und Behandlung dieser im höheren Lebensalter verbreiteten neurologischen Erkrankung bereit.

Da Ärzte sie anhand ihrer Symptome diagnostizieren und ihre verschiedenen Erscheinungsformen nicht durch eine bestimmte Untersuchung nachweisen können, gibt es eine Dunkelziffer. Während die Parkinson-Vereinigung von 240.000 bis 280.000 Betroffenen in Deutschland ausgeht, schätzt die Deutsche Parkinson-Gesellschaft die Zahl mit 400.000 höher ein. Nach der Alzheimer-Demenz ist es demnach die weltweit zweithäufigste fortschreitende Erkrankung des Nervensystems.

Parkinson muss niemand "durchstehen"

Etwa 20 von 1000 Menschen über 70 Jahre sind daran erkrankt. Die Patientenzahlen steigen, weil die Bevölkerung im Durchschnitt älter wird. Unter-50-Jährige sind nur in Ausnahmefällen betroffen.

Niemand müsse Parkinson "einfach durchstehen", sagt Privatdozentin Dr. Christine Kiphuth, die an der Aktion beteiligte Neurologie-Chefärztin des Erlanger Klinikums am Europakanal. Im Gegenteil: "Gerade am Anfang der Erkrankung lässt sie sich sehr gut behandeln und man gewinnt viele Jahre mit guter Lebensqualität." Immer wieder trifft sie auf Betroffene, die ihr Familien- und Berufsleben voll weiterführen können. Das Vorurteil, die frühzeitige Einnahme von Medikamenten verschlechtere die Prognose, sei falsch.

Von Medikamentenpumpe bis Physiotherapie

Zum einen helfen Medikamente dabei, die Hauptursache zu bekämpfen: einen Mangel an dem Nervenbotenstoff Dopamin durch das Absterben bestimmter Hirnzellen. Was genau im Körper dazu führt, wird immer noch erforscht. Aber: "Wir haben inzwischen ein breites Spektrum von Wirkungs- und Darreichungsformen", sagt Kiphuth. Tabletten, Spritzen, Pflaster, Pumpen unter der Haut oder Sprays lindern die Symptome zuverlässig. "Für fast jeden Patienten gibt es das Richtige, wichtig ist nur, dass man beim Ausprobieren den Mut nicht verliert."

Ebenso wichtig ist die Begleitung durch Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie, um je nach Bedarf die Einschränkungen beim Sprechen und in der Motorik zu lindern. Kiphuth rät außerdem grundsätzlich zu leichtem Sport: "Ausdauersport verlangsamt den Verlauf."

"Komplex-Therapie" im Krankenhaus

Doch die Suche nach der passenden Behandlung erfordert Geduld und geht oft mit Rückschlägen und Unsicherheiten einher. So kann zum Beispiel die sogenannte Tiefe Hirnstimulation – dabei wird in einer Operation eine Art "Hirnschrittmacher" im Kopf implantiert – für Ängste sorgen; dabei kann die Methode, die sich allerdings nur für wenige Betroffene ohne bestimmte Begleiterkrankungen eignet, gut helfen.

Parkinson-Patienten sind bei Hausärzten und Neurologen ambulant gut aufgehoben. Ein Krankenhausaufenthalt kann aber sinnvoll sein, um die Therapie genauer anzupassen. Am Europakanal nehmen jährlich rund 150 Menschen an einer sogenannten "Parkinson-Komplex-Behandlung" teil. Sie bleiben für zwei bis drei Wochen stationär; in dieser Zeit betreut sie ein ganzes Team und arbeitet zusammen mit Angehörigen an Lösungen für die persönlichen Beschwerden.

In jedem Stadium der Erkrankung könne man an so einem Intensiv-Programm teilnehmen, betont Christine Kiphuth; nötig sei nur eine Einweisung durch den Haus- oder Facharzt.


- Am Lesertelefon von Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung informiert die Chefärztin PD Dr. Christine Kiphuth am 25. Januar von 17 bis 19 Uhr unter der Nummer (0911) 216-2195.

- Ihre Kollegin, Oberärztin Dr. Raluca Modreanu, ist erreichbar unter (0911) 216-2196.

- Der in Erlangen niedergelassene Neurologe Dr. Matthias Dütsch hat die Nummer (0911) 216-2197.

- Prof. Jürgen Winkler, der Leiter der für Parkinson-Patienten zuständigen Molekularen Neurologie am Universitätsklinikum Erlangen, ist unter (0911) 216-2198 zu sprechen.

Über die wichtigsten Fragen der Anrufer berichten wir wie gewohnt dann im Anschluss.

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