Ein Jahr nach dem Aus für Center-Parcs

Enttäuschung beim Tourismus-Chef sitzt weiterhin sehr tief

Matthias Oberth
Matthias Oberth

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15.6.2022, 12:16 Uhr

Rund ein Jahr ist es jetzt her, dass eine knappe Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger von Pfofeld die Ansiedlung von Center Parcs verhindert hat. Beim Geschäftsführer des Tourismusverbands Fränkisches Seenland, Hans-Dieter Niederprüm, sitzt der Stachel der Enttäuschung auch heute noch tief. Im Podcast "Horch amol" sagt er aber auch, dass im vergangenen Jahr . trotz der "Wunden, die noch sehr offen waren" - versucht wurde, das Tourismus-Konzept für das Fränkische Seenland fortzuschreiben.

Statt 800 Appartements, die Center Parcs errichten wollte und damit den Ganzjahres-Tourismus angekurbelt hätten, geht es nun in kleineren Schritten weiter. "Hilft ja nix", sagt Niederprüm und verweist auf Einrichtungen wie die "Büchelbergerei", einem Luxus-Chalet-Ressort in einem Ortsteil von Gunzenhausen mit elf unterschiedlich großen Häusern oder auf die "Brombachseezeit" in Pleinfeld mit seinen 44 Appartements. Es werden also momentan kleinere Brötchen im Fränkischen Seenland gebacken, der große Wurf ist für Niederprüm derzeit nicht in Sicht.

Ohne Konzepte, keine Investoren

"Natürlich hat das Seenland das Potenzial, um Investoren anzulocken", so der Tourismus-Chef. Kontakte zu Investoren kämen aber nur zustande, wenn "Konzepte vorhanden sind". Das Muna-Gelände fällt dabei als Fläche für eine zukünftige Entwicklung erst einmal aus. "Ich denke, dass das Gelände für die nächsten Jahre schön eingezäunt bleibt und vor dem Zutritt gewarnt wird", lautet seine Prognose. Das Ziel, Drei- oder Vier-Sterne-Hotels im Seenland anzusiedeln, hat Niederprüm dennoch nicht aus den Augen verloren.

Er weist jedoch darauf hin, dass es mehrere Jahre dauern kann, bis die Gespräche zu einem konkreten Ergebnis führen. "Wenn uns vorgeworfen wird, wir würden nur wieder Jagd auf Vier-Sterne-Hotels machen, dann zeigt das, dass manche Leute nichts verstanden haben", macht der Touristiker seinem Unmut Luft. Eine Saisonverlängerung, um die Abhängigkeit von den "Boom-Monaten" Juni, Juli, August zu verringern, sei nur mit entsprechenden Hotelkapazitäten erreichbar.

Altbekannte Probleme

Denn schon in den Pfingstferien haben sich sich die altbekannten Probleme des Seenlands wieder gezeigt: Starke Besucherströme führen zu Verkehrsproblemen und zugeparkten Flächen allerorten. Hans-Dieter Niederprüm setzt sich deshalb für die "Förderung vielfältiger Mobilitätsangebote" ein, auch wenn dies nicht die Kernaufgabe des Tourismusverbands sei. Die Hesselbergbahn soll 2024 wieder fahren und Niederprüm wünscht sich dazu "gleich noch einen Radl-Anhänger". Da der Rad-Tourismus im Seenland eine wichtige Rolle spielt, müsse auch ein entsprechend gutes Transport-Angebot gemacht werden, um von den Gästen angenommen zu werden, sagt Niederprüm.

Den Touristik-Chef treibt zudem der Rückgang des gastronomischen Angebots im Seenland um. "Corona war eine Art Brandbeschleuniger", so seine Beobachtung. Für Gastwirtschaften, die vielleicht mit einer Schließung in vier oder fünf Jahren geliebäugelt hätten, war die Pandemie ein Grund, um den Betrieb schon jetzt aufzugeben. Mit weitreichenden Konsequenzen: "Wir verlieren dadurch ein wichtiges, fränkisches Angebot. Dass ich mein Schäuferle oder meine Bratwürste nicht mehr bekomme, das macht mir Sorgen", so Niederprüm.

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