Treuchtlinger sammelt Wecker, Autos und Zinnkrüge

16.11.2018, 06:00 Uhr

© Micha Schneider

Es will einfach nicht mehr aufhören. Schon im Flur im Eingangsbereich hängen große Wecker an der Wand, doch das ist erst der Anfang. Wer die Wohnung von Johann Bernhard betritt, weiß: Das hier ist keine normale Wohnung. Denn hier wimmelt es nur so von Weckern. Auch die Küche ist voll von Weckern unterschiedlichster Couleur, auch das Wohnzimmer ist vollgepackt mit Weckern – in offenen Schränken, an der Wand und auf der Fenstersims.

Immer wieder öffnet Bernhard Schubladen. Darin zu sehen? Natürlich: weitere Wecker. Große, kleine, bunte Wecker, Marmorwecker, Reisewecker und sogar antike, teilweise bis zu 100 Jahre alte Wecker. Selbst auf der Toilette hängen zwei Wecker an der Wand. „Das Sammeln macht mir einfach viel Spaß“, sagt Bernhard trocken. Insgesamt stehen oder hängen nun schon an die 500 Wecker in seiner Wohnung. Irgendwie hat er Spaß daran gefunden, als er einmal ein paar schöne Wecker gesehen habe, berichtet Bernhard. Über Inserate in Wochenblättern oder der Zeitung wurden es dann über die Jahre immer mehr. Auch auf Flohmärkten trieb der Rentner öfter mal sein Unwesen. „Wenn die mich sehen, kennen die mich alle schon und sagen: ‚Jetzt kommt wieder der Wecker-Mann.‘“, sagt Bernhard und grinst.

In seiner Wohnung standen zunächst in der Garderobe und in der Küche viele Wecker, nach und nach musste er allerdings auch im Wohnzimmer immer mehr Platz freischaufeln. „Das Aquarium musste irgendwann weichen“, sagt Bernhard. Einen „Notplatz“ habe er noch in den Schubladen im Schlafzimmer für Wecker, die nicht ganz so schön oder wertvoll sind. „Da sind eigentlich ausschließlich Reisewecker drin“, sagt Bernhard.

Alte Wecker zu finden, werde mit der Zeit immer schwieriger, so Bernhard, der die Wecker aber nicht nach Sorten oder Größe ordnet, sondern ganz gemischt in der Wohnung verteilt. Auch in der Küche, wo es während des Gesprächs ständig tickt. Und das nicht im Takt. „Ich habe mich an das Geräusch aber gewöhnt. Mir macht das gar nichts aus“, sagt Bernhard. Die Wecker seien auch mittlerweile nicht mehr so oft aufgezogen. Bei den batteriebetriebenen Wecker müsse er das aber immer mal wieder tun, denn sonst könne es passieren, dass die Batterien oxidieren, so Bernhard. Und für den Termin habe er eben extra mal wieder einige aufgezogen. Tick, tack, tick, tack. Irgendwann fängt es dann auch im Wohnzimmer an zu bimmeln.  Und die Tour durch die Wohnung  von Johann Bernhard ist noch nicht vorbei. Im zweiten Stockwerk gibt es dann aber tatsächlich auch andere Dinge zu sehen: Modellautos.

© Micha Schneider

Alles begann mit einem Opel

Damit hat die Sammel-Leidenschaft vor 18 Jahren nämlich einst begonnen. Ein Raum ist komplett zugestellt mit Autos. „Ich fahre seit 54 Jahren Opel, deshalb habe ich mir damals ein Opel-Modellauto geholt. Und daraus ist dann die Sammlung entstanden“, sagt Bernhard, der dann aber aus Platzgründen die Wecker-Leidenschaft für sich entdeckt hat. Doch nicht nur das: Auch Zinnkrüge sammelt Bernhard seit Langem. Vor drei oder vier Jahren kam dann noch eine Leidenschaft für Legosteine dazu. Hier steht als nächstes ein Legohausbau-Projekt an, die Steine für die Dächer will er sich bei einem Playmobil- und Legomarkt besorgen.

Aufhören kommt also nicht in Frage. Auch Wanduhren gehören zu seinem Sammel-Repertoire. Rechnet man die Wecker und Wanduhren zusammen, kommt er auf ungefähr 750 Stück.  Und dass er an jedem einzelnen von ihnen hängt, bewies Bernhard erst jüngst durch seinen Besuch beim neuen Repair-Cafe im Kulturladen. Einer seiner 500 Wecker hatte den Geist aufgegeben, doch auch die reparaturerfahren ehrenamtlichen Helfer konnten ihn nicht mehr zum Laufen bringen.

Wenn er die Anzahl von 1000 Weckern und Uhren knacke, woller er das Gespräch mit der Stadt Treuchtlingen suchen, berichtet Bernhard. „Dann würde ich die Wecker kostenlos abgeben. Vielleicht kann man ja ein kleines Museum daraus machen“, sagt er.

Ein Rentner aus Treuchtlingen hilft dem 73-Jährigen bei seinem liebgewonnen Hobby, denn längere Autofahrten zu Flohmärkten in anderen Städten könne er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so gut machen. Bernhard, der 1982 mit seiner Familie nach Treuchtlingen kam und jahrelang als Bäcker in Pappenheim gearbeitet hatte, ist an Parkinson erkrankt. „Wenn es gesundheitlich geht“, sagt Bernhard deshalb zum Schluss, „würde ich aber noch gerne weiterhin alte Stücke sammeln.“

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