Vier Rehe gerissen

Rehe gerissen: Geht im Landkreis Erlangen-Höchstadt ein Wolf um? Jetzt spricht der Bürgermeister

Claudia Freilinger
Claudia Freilinger

Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt

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18.2.2022, 14:18 Uhr
 Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor. Es handelt sich um ein Symbolbild - nicht um das Tier, das womöglich bei Wachenroth aufgetaucht ist.

© Lino Mirgeler/dpa  Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor. Es handelt sich um ein Symbolbild - nicht um das Tier, das womöglich bei Wachenroth aufgetaucht ist.

Laut Bürgermeister Friedrich Gleitsmann verdichten sich aber wohl die Hinweise, dass der Wolf bleiben könnte. "Wir hatten schon öfter mal Tiere, die durchgezogen sind, aber jetzt zeigen sich über einen Zeitraum von einigen Wochen immer wieder Hinweise, dass der Wolf noch da ist."

Der Jagdpächter habe viele Spuren gefunden - unter anderem an den Rehkadavern - und Fußabdrücke (auch als ein bisschen Schnee lag). Weil auch Bilder aus Fotofallen die Anwesenheit belegten, habe sich der Mann an das Landratsamt gewandt. Die Mitarbeiter dort haben ihn weiter verwiesen an das Bayerische Landesamt für Umwelt, das für "Wolfsmonitoring" zuständig ist.

Außerdem war der Wolf Thema im Gemeinderat. "Wir haben entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen und zwar ganz ohne Hysterie", sagt Gleitsmann. "Obwohl Wölfe als äußerst menschenscheu gelten, möchten wir Sie dennoch bitten, vorsichtig zu sein", steht entsprechend im Amtsblatt. Wer weitere Beobachtungen macht, solle sich an die Gemeindeverwaltung wenden unter der Telefonnummer 09548/982026-0.

"Wir haben im Gemeindegebiet eigentlich wenig große, zusammenhängende Waldflächen", sagt Gleitsmann. Auch die Autobahn verlaufe durch das Gebiet. Deswegen müsse man abwarten, wie das Tier sich weiter verhalte. Schäden an Nutztieren hat es bislang nicht verursacht.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat Ende Dezember 2021 die offiziellen Zahlen zur Entwicklung der Wölfe in Deutschland veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Wolfspopulation wächst weiter. In Bayern lebt im Schnitt jeder dreißigste Wolf - viele davon in der Region Mittel- und Oberfranken sowie in der Oberpfalz. In Bayern gab es zwischen dem 1. Mai 2020 und dem 30. April 2021 13 territoriale Wölfe in acht Territorien. Außerdem einige wenige umherziehende Wölfe, die aber schwer zu erfassen sind.

Im vergangenen Monitoringjahr waren es in Bayern elf territoriale Wölfe, vor fünf Jahren nur vier. Wolfsrudel und -paare gibt es vor allem in Mittel- und Oberfranken, in der Oberpfalz und im Osten Bayerns. Die Gesamtzahl der territorialen Wölfe in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr von 361 auf 387 gestiegen.

Sensation in der Lausitz

Wölfe sind streng geschützt - nur in Ausnahmefällen dürfen bestimmte Tiere getötet werden - zuletzt wurde in Bayern ein Wolf 1882 im Fichtelgebirge erlegt. Deutschland galt lange als wolfsfrei. Es war eine Sensation, als 1996 in der Lausitz ein in freier Wildbahn lebender Wolf gesichtet wurde.

Aktuell erhitzt ein Tier in Oberbayern seit Wochen die Gemüter. Nun müssen bereits zum zweiten Mal Richter darüber entscheiden, ob es geschossen werden darf oder nicht.

Was tue ich, wenn ich einem Wolf begegne?

Das Bayerische Landesamt für Umwelt gibt folgende Tipps für Begegnung mit einem Wolf:

"Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Falls doch eine Begegnung stattfinden sollte, sind folgende Regeln zu beachten:

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie einen Hund dabeihaben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
  • Laufen Sie dem Wolf nicht hinterher.
  • Füttern Sie niemals Wölfe - die Tiere lernen sonst sehr schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen.

Viele weitere Informationen zum Thema Wolf finden Sie hier: Der Wolf in der Region | Nordbayern

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