Rechte wollen in Oberfranken aufmarschieren

Neonazi-Aufmarsch in Franken: Antifaschisten schreiten zur Gegendemo

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Elke Graßer-Reitzner

Politikredaktion und Rechercheteam

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11.11.2021, 05:50 Uhr
Von den Rechten wollen sich die Bürger von Wunsiedel nicht einschüchtern lassen. Seit es die Aufmärsche der Neonazis gibt, gibt es auch massive Gegenwehr.

© Elke Graßer-Reitzner Von den Rechten wollen sich die Bürger von Wunsiedel nicht einschüchtern lassen. Seit es die Aufmärsche der Neonazis gibt, gibt es auch massive Gegenwehr.

"Nicht lange Fackeln": Am Samstag mobilisiert die Fichtelgebirgsstadt alle verfügbaren demokratischen Kräfte, um sich dem Aufmarsch an Rechtsextremen in den Weg zu stellen. Die Neonazi-Partei "Der III.Weg" hat erneut zum "Heldengedenken" aufgerufen, um den Akteuren des Nationalsozialismus zu huldigen.

Konsens der Demokraten

Katrina Krantz, Sprecherin des antifaschistischen Bündnisses "Nicht lange Fackeln" (eine Anspielung an den martialischen Auftritt der Rechtsextremisten im Fackelschein) sagt, man fordere den Konsens der Demokraten ein: "Wir wollen protestieren und uns den Nazis in den Weg stellen - laut, gemeinsam, vielfältig und kreativ." Dem Aufmarsch, "den rechten Traditionen und ihrer Selbstermächtigung" wolle man ein Ende setzen.

Seit Jahrzehnten pilgern die Braunen jährlich nach Wunsiedel zum ehemaligen Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß, das seit 2011 aufgelöst ist. Im Jahr 2004 suchten noch über 7000 Neonazis die Stadt heim, später ging die Zahl deutlich zurück.

Katrina Krantz weist darauf hin, dass Anfang der 2000er Jahre, als die rechte Terrorzelle des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Nürnberg die ersten Morde verübt hatte, auch das NSU-Kerntrio an den "Rudolf-Heß-Gedenkmärschen" in Wunsiedel teilgenommen hatte.

Vergangenes Jahr verzichteten die Rechtsextremisten wegen der hohen Corona-Auflagen auf einen Aufmarsch. Die Initiative "Wunsiedel ist bunt" organisierte dennoch vielfältige Aktionen unter dem Motto: "Abstand halten - vor allem nach rechts".

Vergangenes Jahr verzichteten die Rechtsextremisten wegen der hohen Corona-Auflagen auf einen Aufmarsch. Die Initiative "Wunsiedel ist bunt" organisierte dennoch vielfältige Aktionen unter dem Motto: "Abstand halten - vor allem nach rechts". © Elke Graßer-Reitzner, NN

2005 wurde die Kundgebung verboten. In den Jahren danach versammelten sich die Rechtsextremen regelmäßig zu Märschen bei Dunkelheit in der Stadt. Zuletzt kamen auch immer wieder - inzwischen verurteilte - Rechtsterroristen wie Karl-Heinz Statzberger und Thomas S., die ein Sprengstoffattentat auf ein jüdisches Gemeindezentrum geplant hatten.

Dabei waren auch Maik Eminger, führendes Mitglied der rechtsextremen Kameradschaftsszene in Brandenburg, und sein Zwillingsbruder André Eminger, der sich mit Beate Zschäpe im NSU-Prozess wegen der Mordserie verantworten musste.

Auch Susanne G. aus dem Nürnberger Land, die im Sommer dieses Jahres wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde, hatte in Wunsiedel für die Neonazi-Partei "Der III. Weg" Ordner-Dienste übernommen. Susanne G. hatte sowohl dem Landrat des Nürnberger Landes als auch dem Schnaittacher Bürgermeister anonym Morddrohungen und eine scharfe Patrone geschickt.

Die Neonazi-Aktivistin könne immer noch auf Unterstützung aus der Szene bauen, sagt Clemens Köhring vom Bündnis. Die Bedeutung der Aufmärsche dürfe man nicht unterschätzen, warnt er. Sie dienten dem weiteren Vernetzen der Rechten. Deswegen müsse man sich heuer, im zehnten Jahr der Selbstenttarnung des NSU, den Staatsfeinden in den Weg stellen.

Die Demonstration des antifaschistischen Bündnisses beginnt um 14.30 Uhr am Bahnhof und geht von dort in die Innenstadt.

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