Versammlung der Kreisgruppe

Bund Naturschutz mit vielen Aktivitäten – trotz Corona

Matthias Oberth
Matthias Oberth

E-Mail zur Autorenseite

16.11.2022, 12:56 Uhr
Das Vorstandsteam der Kreisgruppe der Bundes Naturschutz.

© Matthias Oberth Das Vorstandsteam der Kreisgruppe der Bundes Naturschutz.

Die letzte BN-Versammlung dieser Art fand vor rund einem Jahr coronabedingt noch im Freien statt, erinnerte BN-Vorsitzende Karin Eigenthaler. Sozusagen ein Synonym für die schwierige Arbeit im Berichtszeitraum und gleichzeitig ein Zeichen, dass es beim Bund Naturschutz trotz aller Widrigkeiten weitergeht.

Die stellvertretende Vorsitzende Corinna Gräßel lieferte einen Überblick über die Aktivitäten und Veranstaltungen, die von der Amphibienzaunbetreuung bis hin zur Fukushima-Mahnwache in Neustadt/Aisch reichten. Wie fast in ganz Bayern ließ sich ein deutlicher Rückgang bei Zahl der Amphibien feststellen. „Der Klimawandel mit Hitze und Trockenheit zeigt hier seine Auswirkungen“, so Tom Knopoka, BN-Regionalreferent für Mittelfranken. Kritik übte Corinna Gräßel an der Umsetzung des Gewässerschutzstreifenprogramms, bei dem viele sogenannte „temporäre Gewässer“, die nicht dauerhaft wasserführend sind, aus dem Programm genommen wurden, um die Proteste der Landwirte abzumildern.

Stellvertretende Vorsitzende Corinna Gräßel legte den Rechenschaftsbericht der Kreisgruppe vor.

Stellvertretende Vorsitzende Corinna Gräßel legte den Rechenschaftsbericht der Kreisgruppe vor. © Matthias Oberth

Kein Verständnis hat der Bund Naturschutz an der erneuten Notzulassung der Neonics für den Zuckerrübenanbau und die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung um ein weiteres Jahr. Diese Maßnahmen konterkarieren die Ziele des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ und dienen beispielsweise bei der Notzulassung der Neonicotinoide lediglich dazu, die „Gewinne der Zuckerindustrie sicherzustellen“, so Corinna Gräßel.

Naturdenkmäler im Landkreis erfasst

Es gab aber auch einer Reihe von positiven Nachrichten, wie etwa die Durchführung des Grasfrosch-Projekts oder die Kartierung, Reparatur und teilweise Neuinstallation von 132 Fledermaus-Nistkästen. Daran anknüpfend berichtete die umweltpädagogische Mitarbeiterin Monika Nunn über ihre Arbeit der Erfassung aller Naturdenkmäler im Landkreis. Als solche ausgezeichnet sind derzeit 58 Bäume und acht Grünflächen. Monika Nunn hat alle aufgesucht und die Bäume vermessen und den jetzigen Zustand dokumentiert. Zusätzlich wurden von ihr weitere, potenzielle Naturdenkmäler erfasst und die Liste an das Landratsamt weitergeleitet.

Monika Nunn, pädagogische Mitarbeiterin bei der Kreisgruppe des BN, bei der Vorstellung der Aktivitäten im Zeitraum 2020/21. BN-Regionalreferent Tom Konopka hört interessiert zu.

Monika Nunn, pädagogische Mitarbeiterin bei der Kreisgruppe des BN, bei der Vorstellung der Aktivitäten im Zeitraum 2020/21. BN-Regionalreferent Tom Konopka hört interessiert zu. © Matthias Oberth

Neben den nötigen Pflegemaßnahmen mahnte Monika Nunn an, dass auch umgestürzte oder zusammengefallene Bäume einen besonderen Stellenwert haben. Diese einfach wegzuräumen, sei der falsche Weg. Vielmehr sei es wichtig, das Totholz liegenzulassen und damit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz zu leisten.

Coronabedingtes Improvisieren

Im pädagogischen Bereich musste viel improvisiert werden, da während der Hochphase der Corona-Pandemie an Aktionen in Schulen oder Kindergärten nicht zu denken war. Der deshalb angeschaffte „Biber-Rucksack“ sowie ein „Waldtiere-Koffer“ ermöglichten zumindest den Lehrerinnen und Lehrern, selbst in den Schulklassen aktiv zu werden. Inzwischen kann der Bund Naturschutz wieder deutlich mehr Angebote direkt vor Ort durchführen. Außerdem bietet Monika Nunn unterschiedliche Wanderungen und Exkursionen an, die „mal mehr, mal weniger gut angenommen werden“, wie sie sagt.

Einen Abriss der Aktivitäten anderer BN-Kreisgruppen und einen Überblick über die aktuellen Betätigungsfelder des Bund Naturschutz in Bayern lieferte Tom Konopka. Der Regionalreferent übte scharfe Kritik an der Energiepolitik und warf Markus Söder und der CSU vor, mit der 10H-Regel den Windausbau praktisch zum Erliegen gebracht zu haben. Erst durch das von Wirtschaftsminister Robert Habeck einbrachte Bundesgesetz, nach dem 1,4 Prozent der Landesfläche bis 2027 als Vorrangfläche für Windenergie ausgewiesen werden müssen, sei auch in Bayern etwas Bewegung gekommen, so Konopka.

Kritik an der Energiepolitik

Die 300 Milliarden Euro, die jetzt zur Bewältigung der Energiekrise in die Hand genommen werden, nannte er der Preis, den die Bevölkerung jetzt dafür bezahlen müsse, dass die große Koalition „16 Jahre bei den erneuerbaren Energien Vermeidungs- und Verhinderungspolitik“ betrieben habe. Geradezu abenteuerlich sei dazu die aktuelle Forderung von CSU, CDU und FDP die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. „Das ist so, als wenn man mit abgefahrenen Sommerreifen im Winter bei Eis und Schnee einfach weiterfährt“, so der BN-Regionalreferent.

BN-Kreisgruppenvorsitzende Karin Eigenthaler.

BN-Kreisgruppenvorsitzende Karin Eigenthaler. © Matthias Oberth

Bei der BN-Jahreshauptversammlung galt es auch noch den Posten der Kassiererin neu zu besetzen, nachdem Monika Schmidt in diesem Jahr nach langer Krankheit verstorben ist. An ihre Stelle trat Angelika Ziegler, die bereits von 1985 bis 1994 das Amt innehatte. Mit der gelernten Finanzbuchhalterin hat die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz nun eine bewährte Fachkraft an seiner Seite, wie BN-Vorsitzende Karin Eigenthaler betonte und sichtlich erleichtert ihre zusätzliche Aufgabe als kommissarische Hüterin der Kasse wieder abgeben konnte.

Keine Kommentare