Zwei Gemeinden feiern

Burgthann: Doppeltes Jubiläum der Kirchengemeinde 

Der Bote

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13.8.2022, 18:00 Uhr
Ursprünglich wurde die Kirche in Altenthann als Nikolauskapelle errichtet. Urkundlich erwähnt wurde sie, als sie ihren heutigen Namen „St. Veit“ erhielt.

Ursprünglich wurde die Kirche in Altenthann als Nikolauskapelle errichtet. Urkundlich erwähnt wurde sie, als sie ihren heutigen Namen „St. Veit“ erhielt.

Gleich zwei Jubiläen konnte die Evangelische Kirchengemeinde Burgthann in diesen Tagen feiern: Zum einen das 70-jährige Bestehen der Pfarrei mit Altenthann, zum anderen das 50. Jubiläum des Kindergartens in Burgthann. 
Mit einem großen Festgottesdienst gedachten die beiden Schwesterkirchen Altenthann und Burgthann ihrer Verbindung zu einer Pfarrei (Verwaltungsgemeinschaft) vor 70 Jahren. 

Ausgangspunkt damals war der Kirchbauverein in Burgthann. Dieser gründete sich bereits 1920. Ziel war es, eine eigene Kirche für Burgthann zu errichten. Der Weg zum Gottesdienst nach Altenthann war oft mühsam, vor allem im Winter. Außerdem gab es eine Grenze zwischen diesen beiden Gemeinden: Die Altenthanner Schlossherren, vertreten durch die Familie von Grundherr, gehörten zu den Nürnberger Patriziern, die Burgthanner aber zu den Ansbachern. Die beiden hatten eine jahrhundertelange Fehde ausgetragen. 

Pläne für eigene Kirche

Nun war Burgthann über lange Zeit nur ein sehr kleines Dorf mit weit verstreuten Bauernhöfen und Häusern, zwischen Altenthann, Oberferrieden und Feucht gelegen. Die Aufteilung der Kirchenzugehörigkeit ging nach Hausnummern. Das führte dazu, dass zum Beispiel die Kinder im Ort in unterschiedlichen Gemeinden konfirmiert wurden. Der Kirchbauverein hatte dann 1933 erste Pläne für eine eigene Kirche in Burgthann, und als Symbol dafür wurde ein Kreuz angeschafft, einen Nachbildung eines Kruzifixus von Tillmann Riemenschneider. Dieses Kreuz hängt heute noch im Eingangsbereich der Johanneskirche in Burgthann. Der Plan war damals, die Burgkapelle als Gottesdienstraum wieder herzurichten. Erste Arbeiten waren dazu bereits vorgenommen, da kam der Landrat, beauftragt vom NS Kreisleiter, und untersagte das Vorhaben. Die Burg, die damals herrenlos war, könne bestenfalls von der Hiltlerjugend genützt werden. Das Kirchbauprojekt wurde eingemottet, ebenso das Kruzifix, das die Kriegsjahre auf dem Dachboden einer Scheune verbrachte. 

Burgkapelle eingeweiht

Erst als Pfarrer Theo Lodter aus der Kriegsgefangenschaft 1948 nach Altenthann zurückkehrte, wurde das Projekt in Burgthann wieder aufgegriffen. So konnte 1949 die Burgkapelle als neuer Gottesdienstraum vom damaligen Kreisdekan Schieder eingeweiht werden. Allerdings war von Anfang an klar, dass die Kapelle nur eine Übergangslösung sein würde, da der Ort bereits kräftig am Wachsen war. 
Der nächste Meilenstein in der Geschichte war dann das Pfarrhaus. Seit 1610 wohnten die Altenthanner Pfarrer alle in Altdorf. Das Haus war von der Stadt per Erlass der Kirche zu Verfügung gestellt. Dabei hatten die Altenthanner Pfarrer zu keiner Zeit einen Dienstauftrag in Altdorf. Pfarrer Lodter wollte nun näher bei „seiner“ Gemeinde sein. Er riskierte sogar einen groben Streit mit dem Altenthanner Kirchenvorstand und zog für ein paar Jahre in das Wohnhaus der Förresmühle an der Schwarzach in Burgthann.

1954 wurde dann ein Haus am Lochtweg in Burgthann gekauft. Pfarrer Lodter meinte: „Das liegt geographisch genau in der Mitte zwischen Altenthann und Burgthann.“ Was natürlich so nicht stimmte, denn es lag ja in Burgthann. Mit dem Pfarrhaus kam schließlich die Kirchengemeinde: nämlich die in Burgthann. Bei einer Gemeindeversammlung hatte sich die Mehrheit für eine eigene Gemeinde ausgesprochen, der Landeskirchenrat in München stimmte diesem Ansinnen zu. Am 9. Mai 1952 wurde die „Tochterkirchengemeinde“ Burgthann mit den Ortsteilen Mimberg und Rübleinshof ins Leben gerufen. Die Trennlinie war fortan der Kanal und die Bahnlinie. Die Altenthanner Kirchenvorstände votierten damals gegen die Trennung. Das hat sie dann bald bewiesen mit dem Bau der Johanneskirche 1961 und der Übernahme der Trägerschaft des ersten Kindergartens 1970. 

Lob für den Burgthanner Gemeinderat

Das Jubiläum konnte vor zwei Jahren coronabedingt nicht gefeiert werden. Endlich war es diesen Sommer so weit, dass sich viele Gäste in der „Kinderarche“ am Ortsausgang von Burgthann versammelten. Viele Familien und auch Ehemalige stellten sich ein. 
Pfarrer Bernhard Winkler konnte einen Gruß der ersten Leitung Elisabeth Beichel verlesen. Damals war der Kindergarten gleich neben der Kirche errichtet worden. Pfarrer Winkler erinnerte in seiner Ansprache an die Verknüpfung von Kindergarten und Ortsentwicklung: „Vor allem die Möglichkeit für Frauen, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, hat bis heute sehr großen Einfluss. Die Entscheidung des damaligen Gemeinderates muss man sehr loben: Mit dem ersten Haus für Kinder war in Burgthann der Startschuss für eine Entwicklung gegeben, die bis über die Jahre prägend geblieben ist: Burgthann ist ein Ort, an dem Familien sehr gut leben können“, so der Geistliche. Direkt neben der Kinderarche ist inzwischen ein weiterer Kindergarten von der Kommune errichtet worden.